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31.8.2010 von Wilhelm Greiner.
Wer heute etwas auf sich hält, hat mindestens so viele Mobiltelefone wie Ohren dabei und weitere zwei bis siebzehn Altgeräte in der “Vielleicht kann man’s ja nochmal brauchen”-Schublade. Wir haben uns - obschon häufig widerwillig - daran gewöhnt, dass allüberall mobiltelefoniert wird, gerne auch sehr laut - das Gegenüber ist schließlich weit weg, da muss man schreien. Fast überall: Natürlich nicht an Bord von Flugzeugen, die bekanntlich jeder mitreisende Terrorist einfach mittels Anruf bei Osama zum Absturz bringen könnte. (Wieso darf man die Dinger eigentlich mit an Bord nehmen? Nur mal so ‘ne Frage. Bin aber ganz froh, dass man in der Enge einer Flugzeugkabine weiterhin seine Ruhe hat.)
Ich kann mich noch erinnern an die Jugendjahre des Mobilfunks als Massenphänomen: In den frühen 1990er-Jahren galten Handy-Besitzer vielen Vertretern der kupferverkabelten und somit erdgebundenen Mehrheit als Angeber, die ja sooo schrecklich wichtig sind, dass sie mit dem Telefonieren nicht mal warten können, bis wieder ein ordentliches Telefon in Reichweite ist. Oder als Leute, die ihre Zeit mit unnötigem Geplapper verschwenden, statt was zu lesen oder sich mal in Ruhe (!) mit was zu beschäftigen.

Bild: (c) Wolfgang Traub
Was fällt uns da auf? Das sind so ziemlich genau die Vorurteile, die man heute gerne über Benutzer von Social Media hegt: Facebook ist eine Plattform für narzisstische Selbstdarstellungs-Teenager, und Twitter ist sowieso nur was für Leute, die sich nach übermäßigem Konsum von “Deutschland sucht den Superstar” für einen selbigen halten und deshalb ihren “Followern” jedes Detail zwischen Frühstück und Frührente mitteilen wollen.
Am anderen Ende der Skala des Social-Media-Rummels liegen die notorischen Early Adopters ebenso wie die stark wachsende Menge der Unternehmen, die sich aus Goldgräberstimmung oder Herdentrieb aufmachen, auf Facebook ihre Handtücher auf den Strandliegen der digitalen Kundennähe ausbreiten, in der Hoffnung, es mögen viele, viele “Fans” einzusammeln sein. Darunter auch zahlreiche Unternehmen, bei denen man sich unwillkürlich fragt: “Ihr habt Fans? Echt?”
Der Social-Media-Alltag aber liegt zwischen totaler Twitter-Verweigerung einerseits und der von den zahllosen selbsternannten Social-Media-Gurus verordneten Facebook-Fan-Sammelwut andererseits: Letztlich sind die aktuellen Social-Media-Techniken schlicht und ergreifend nützliche Werkzeuge, um mit dem Gegenüber bequem, vergleichsweise informell und vor allem echtzeitnah kommunizieren zu können.
“Echtzeitnah” heißt: eben nicht “in Echtzeit” wie bei der Telefonie, ob mobilgefunkt oder festvernetzt. Zwar gehört in den Social Networks eine zügige Reaktion auf Fragen, Kommentare etc. durchaus zur Netiquette, aber es gibt eben keinen Anspruch auf unverzügliche Antwort. Das ist der eigentliche große Vorteil von Facebook, Twitter und Co.: Sie sind ein großer und nützlicher Schritt vom Konzept des “Real-Time Webs” in Richtung “Right-Time Web”. Die Kommunikation wird beschleunigt, in gewisser Weise aber auch entschleunigt.
Deshalb sei - während Social Media gerade im Landeanflug auf den Status eines Alltagsphänomens sind - den Hochjublern wie den Rumkrittlern gesagt: Die Fluggäste werden gebeten, die Sitzlehnen senkrecht zu stellen und aufzuhören, aus den Ohren zu rauchen. Einfach mal zurücklehnen, tief durchatmen, Emotionen rausnehmen. Dann landet sich’s gleich viel entspannter.
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23.8.2010 von Wilhelm Greiner.
Deutschlandweit wird über Google Street View diskutiert, als ob dem Daten-Jäger-und-Sammler-Konzern mit dem Abfotografieren öffentlich einsehbarer Fassaden ein gar ausgefuchstes Schurkenstück gelungen sei, das unsere dunkelsten Geheimnisse erst ans Licht zerrt und dann im bösen Internet wie auch in Echtzeit präsentiert. Der Fachmann empfiehlt hierzu dem Bedenkenträger: Einfach einen pubertierenden Sprayer engagieren, der die Hauswand mit obszönen Graffiti dekoriert, dann muss Google auch ohne Antrag fröhlich drauflospixeln.
Andernorts im globalen Dorf hat derweil Facebook - in Sachen Sammeln und Auswerten von Web-Nutzungsdaten größter Google-Konkurrent - zunächst für den US-amerikanischen Teil seiner über 500 Mio. Benutzer von jetzt auf gleich den neuen Dienst “Places” freigeschaltet, der die Frage der Privatsphäre tatsächlich neu aufwirft - wieder einmal, muss man sagen, Facebook hat schließlich ein Händchen dafür, sich in Sachen Datenschutz unbeliebt zu machen: “Anträge für Hypotheken sind oft schneller und leichter auszufüllen als Facebooks Datenschutz-Einstellungen”, frotzelte zum Beispiel der britische Guardian.
Mit Places imitiert Facebook die jüngst sehr erfolgreichen Dienste der Geolocation-Community-Anbieter wie Foursquare und Gowalla: Benutzer können damit an Lokationen “einchecken”, sich darüber mit anderen Anwendern austauschen und Kommentare oder Bewertungen zu Kneipen, Restaurants, Geschäften etc. abgeben sowie Abzeichen (Badges) sammeln oder auch Boni einheimsen.
Den Trend hatte Facebook zunächst verschlafen - dabei hätte jeder Immobilienmakler den Facebuchmachern sagen können, was wirklich zählt: “Location, location, location!” Denn mit dem Einbinden von Ortsangaben hat Facebook nun eine Plattform, mit der sich in Echtzeit gezielt ortsabhängige Werbung vermarkten lässt - und das potenziell an eine halbe Milliarde Leute.
Über die Auswertung der Posts und Connections kennt Facebook die Interessen und das soziale Umfeld eines Anwenders; mit Geolokationsdaten - per Smartphone bei Check-ins automatisch generiert - lässt sich zudem nun ein genaues Bewegungs- und damit tatsächlich belegbares Verhaltensprofil erstellen. So etwas ist für Marketing-Profis Gold wert - Places könnte locker Facebooks einträglichster Dienst werden. Entsprechend wurde auch schon spekuliert, dass weniger Communities wie Foursquare und Gowalla, sondern vielmehr Online-Branchendienste wie Yelp unter die Räder des Places-Erfolgszuges geraten dürften - von den eh schon schwächelnden lokalen Print-Medien ganz zu schweigen.
Der “gläserne Konsument” wird damit Wirklichkeit - aber kein Grund zum Jammern, es wird ja keiner gezwungen, oder? Nun, gezwungen nicht, jedoch ging Facebook bei der Einführung von Places einmal mehr recht facebookisch vor: Der Dienst wurde automatisch für alle freigeschaltet - eingegebene Lokationsdaten sind somit sofort für den Freundeskreis (”Friends Only”) sichtbar (immerhin nicht “für alle” - ein Desaster wie das rund um den Start von Google Buzz wollte Facebook-Chef Mark Zuckerberg sich offenbar ersparen). Wer diese Places-Nutzung nicht wünscht, muss das manuell ändern.
Die Pointe kommt aber erst noch: Check-ins können auch andere Facebook-Teilnehmer für einen Anwender vornehmen. Was das für jeglichen Anspruch auf Privatsphäre bedeutet, sollte sofort klar sein: Kannste in die Tonne treten. Unerwünschte Nebenwirkungen treten plastisch vor’s Auge, wenn man sich - am besten nach Lektüre von Max Goldts “Krieg der Mädchenschweigekreise” - einschlägige Teenager-Tweets vorstellt: “Und wenn du mich weiter nervst, dann check ich dich bei Lidl ein!”
Was auf die Places-Einführung folgte, ist ein Ablauf, den wir wohl als Prototypen für Datenschutz im Facebook-Zeitalter betrachten dürfen: Facebook schaltet einen neuen Dienst frei, und einschlägige Websites überschlagen sich sofort im Posten von Anleitungen, wie man ihn wieder abschaltet. Und so schrieb dann auch die Online-Publikation SocialMediaToday ironisch: “Wir alle hassen Facebook Places jetzt schon.”
Deshalb folgt diesmal zur Illustration kein Cartoon oder sonst ein buntes Bildchen, sondern - man will sich ja keinem Trend verweigern - zwei Screenshots, wie man die drei betreffenden Einstellungen vornimmt: Man klickt rechts oben auf den Konto-Button, dann auf Privatsphäre-Einstellungen, dort auf den Link in der Mitte namens “Benutzerdefinierte Einstellungen”), stellt “Orte, die ich besuche” auf “Nur ich” und nimmt dann folgendes Häkchen raus:
Schließlich folgt etwas weiter unten eine dritte Änderung:
Es gibt aber auch eine alternative Strategie zum Schutz der bröckelnden Konsumenten-Privatsphäre: Einfach tagein, tagaus im Vorbeigehen immer nur bei ein und demselben Geschäft einchecken und dann gucken, was für Werbung im Lauf der Zeit so hochpoppt. Das kann, je nach gewählter Lokation, sicher sehr unterhaltsam werden - von meinem Home Office aus zum Beispiel ist die nächste öffentliche Einrichtung ein buddhistischer Tempel…
Wie sang schon die kanadische Comedy-Truppe “Three Dead Trolls in a Baggie” in ihrem höchst unterhaltsamen “Privacy Song“:
“You can lie to the man, you can lie right through your tooth.
They can take away our privacy,
but they can’t have the truth.”
(”Du kannst die Leute anlügen, bis sich die Balken biegen.
Sie können unsere Privatsphäre wegnehmen,
aber die Wahrheit bekommen sie nicht.”)
Im Augenblick ist check-in-mäßig noch Abwarten und Teetrinken angesagt: Places funktioniert derzeit nur in den USA. Aber sicher kommt der Dienst auch bald zum buddhistischen Tempel Ihres Vertrauens!
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15.8.2010 von Wilhelm Greiner.
Als IT-Journalist bin ich zwar intensiver Google-Nutzer, aber dem Anbieter gegenüber dennoch durchaus kritisch eingestellt - wie gegenüber jedem Konzern, der umfassend Daten über Benutzer wie auch deren Verhalten sammelt und auswertet. Deshalb begrüße ich Diskussionen um die Frage des Datenschutzes im Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit, Verfügbarkeit, Analysierbarkeit und Gegen-mich-Verwendbarkeit - wie Google, Facebook und viele andere Anbieter sie geradezu provozieren.
Mein Problem mit Googles derzeit heiß diskutiertem Straßenzüge-Abfotografier-Service Street View, der nun auch für deutsche Städte anlaufen soll, ist aber vor allem: Das Niveau der Debatte um Street View befindet sich auf einem so unterirdischen Niveau, dass selbst BP Mühe hätte, dorthin vorzudringen - von Entlastungsbohrungen ganz zu schweigen.
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Bild: Julian Bleecker
Was ist passiert? Google hat mit auf Autos montierten Rundumsicht-Kameras Straßenzüge abgelichtet, um Besuchern von Google Maps einen Eindruck der Umgebung geben zu können. Und nun schreien vielerorts Hausbesitzer auf: “Gemein, gemein, gemein! Die haben mein Haus fotografiert, das dürfen die nicht!”
Jedoch, liebe Hausbesitzer: Oh Graus, das dürfen sie. Weil’s nämlich nicht verboten ist. Anders als manche Leute zu glauben scheinen, haben nämlich Hauswände kein Recht auf Privatsphäre - weshalb Twitter-Nutzer Mario Sixtus in einem Tweet ironisch eine Grundgesetzänderung forderte: “Die Würde der Hauswand ist unantastbar.”
Ein anderer Twitterer, HerrKaliban, kommentierte trocken: “(Die) Leute jammern, dass Google ihre Straße fotografiert, holen aber das Fernsehen, um das Problem vor Ort zu zeigen.” Und dies, obwohl Google die Gesichter von Personen sowie Nummernschilder von Autos “verpixelt” (per digitaler Nachbearbeitung unkenntlich macht), um dem deutschen Datenschutzgesetz zu entsprechen.
Darüber hinaus können deutsche Hausbesitzer von Google inzwischen sogar eine Unkenntlichmachung ihrer Hausfassade fordern. Hier ein Beispiel für die lustige Logik der Begründung: “Durch den neuen Internetdienst können Kriminelle die Objekte in aller Seelenruhe betrachten. Sie können sehen: Wie ist das Haus gesichert?“, so der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt zur Frankfurter Allgemeinen. Street View aus dieser Motivation heraus einschränken zu wollen, ist ähnlich dumm wie die Idee, den Mobilfunk “bei Bedarf” abzuschalten, um Terroristen die Kommunikation zu erschweren: Man schüttet das Kind mit dem Bade aus.
Der Zeitung gegenüber äußerte der zitierte Polizeifunktionär übrigens anschließend Zweifel, “ob die neuen Möglichkeiten umgekehrt auch von der Polizei genutzt werden können”, denn es sei “rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist”. Eine solche “virtuelle Streifenfahrt” würde allerdings Echtzeit-Aufnahmen voraussetzen; die Google-Bilder hingegen werden einmal veröffentlicht und dann voraussichtlich jahrelang beibehalten. Hoffen wir also, dass die Polizei Streifenfahrten künftig nicht generell auf Google Maps verlagert. Sonst dürfte die Erfolgsquote kriminalistischer Kontrolle ebenfalls auf Tiefseebohrungs-Niveau sinken.
Die wirklich wichtigen Fragen wurden in der Diskussion um Street View hingegen noch nicht einmal angerissen:
* Wo waren all die protestierenden Leute, als die Bundesregierung still und leise das Bankgeheimnis abgeschafft hat?
* Tritt Ilse Aigner jetzt aus Google Maps aus?
* Wenn ich dagegen bin, dass meine Heimatstadt auf der Deutschlandkarte auftaucht - wo stelle ich einen Antrag auf Unkenntlichmachung?
* Kann ein Obdachloser fordern, dass seine Parkbank von Google verpixelt wird?
* Wenn eine scheußliche modernistische Fassade eh schon total verpixelt aussieht (Sie wissen, welche Art Haus ich meine), kann Google dann eine zusätzliche digitale Nachbearbeitung ablehnen?
* Haben, wenn das schon für Häuser gilt, dann auch Gartenzwerge ein Recht auf Anonymität und somit auf Verpixelung? Schrebergärtner aller Länder, vereinigt euch!
* Und vor allem: Welche modischen Accessoires sollte man tragen, wenn mal wieder das Google-Auto naht (Stichwort: Street-Wear Optimization, kurz SWO)?
Im Google-Zeitalter muss die dringliche Frage nach dem Ausgleich zwischen Verfügbarkeit nützlicher Informationen einerseits und dem Recht auf Schutz der Privatsphäre andererseits neu verhandelt werden. Aber bitte nicht so.
P.S.: Es gibt auch intelligente Diskussionsbeiträge, zum Beispiel diesen von Anatol Stefanowitsch auf wissenslogs.de.
(((Update 17.8.))) Genau auf den Punkt gebracht hat es heute Twitter-User Volker Weber: “Internetausdrucker können ab heute bei Google ihre Häuser markieren.” Auch die amerikanischen Warn-Labels auf CDs haben schließlich unter anderem bewirkt, dass Teenager Musik mit anstößigen Texten viel leichter finden können…
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5.8.2010 von Wilhelm Greiner.
Es geschah am 5. August 2010, einem verregneten Sommertag, da bekämpfte die deutschsprachige Twitter-Gemeinde die aufkommende trübe Stimmung, indem sie sich kollektiv über einen Bericht der Münsterschen Zeitung amüsierte. Das Blatt hatte sich in einer Meldung vom 3. August mit dem demolierten Deko-Inventar eines Altenheims befasst - und dies unter der wohl selbst für Lokalredaktionen nicht übermäßig packenden Überschrift “Großer Blumenkübel zerstört“. Redakteur Ralf Heimann meldete dies mit dem Tweet “In Neuenkirchen ist ein Blumenkübel umgefallen“, was in seiner lakonischen Antiklimax stark an Meldungen der Satire-Site The Onion erinnert, die gerne mal Dinge berichtet wie: “Mann aus der Gegend hat wieder einen Tag überstanden” (”Area Man Makes It Through Day“).
Was nun folgte, könnte man durchaus als Lehrstück für so genannte “virale Verbreitung” betrachten - wenn es denn seitens der Zeitung Absicht gewesen wäre, woran man allerdings stark zweifeln darf. Als “virales Marketing” bezeichnet die Werbebranche Aktionen, die so witzig, amüsant oder überraschend sind, dass sie sich möglichst schnell und weit über die Social-Media-Kanäle verbreiten - sozusagen “per Ansteckung”, daher die etwas unschöne Metapher.
Die Twitter-Gemeinde - kommunikationsfreudig und mit ausgeprägtem Hang zu Spott, Ironie und Sarkasmus gesegnet - hat diese realsatirische Steilvorlage dankbar aufgegriffen und ein drohendes Sommerloch immerhin temporär überbrückt. “Blumenkübel” ist per digitalem Pollenflug in Nullkommanichts zum “Miniatur-Mem” geworden - zu einem Begriff, der durch massenhafte Verbreitung ein Eigenleben entwickelt.
Mit dem Hashtag “#Blumenkübel” wurde eine Zeitlang - Twitter-üblich in jeweils maximal 140 Zeichen - für gegenseitiges Amüsement gesorgt, so zum Beispiel mit Kurzkommentaren wie den folgenden, mit denen es der traurige Blumentopf sogar in die Twitter-Trend-Themen schaffte:
“Jörg Kachelmann wieder in Haft! Seiner Ex-Freundin zufolge hat er den #Blumenkübel brutal zerstört!”
“Gibt es schon Rettungspläne für systemrelevante #Blumenkübel?!”
“#Blumenkübel just ousted #Sack Reis as Major of Berichterstattung on @formsquare“ (Sic! Gemeint ist “Mayor” - eine Anspielung auf das Social Network bzw. Social Game Foursquare, bei dem der eifrigste Besucher einer Lokalität zu deren “Bürgermeister” ernannt wird.)
… und das ZDF tweetete ironisch Smiley-zwinkernd: “Vermutlich müssen wir heute um 19.20 Uhr ein ZDFspezial für den #Blumenkübel einschieben
”
(((Update)))
“+++ Exklusiv +++ Bundesumweltminister #Röttgen besucht #Blumenkübel -Zwischenlager auf der Insel Mainau - Endlager in Münster geplant”
“Die Brenner-Autobahn ist morgen gesperrt - Italienische #Blumenkübel streiken wegen schlechter Behandlung deutscher Kollegen.“
“+++Eilmeldung+++ In China ist ein Sack Reis umgefallen - genau auf einen #Blumenkübel, internationale Terrorwelle befürchtet.“
Der Kürzestgeschichtenerzähler Florian Meimberg (Twitter-Handle @tiny_tales) meldete sich mit folgender Drama-Miniatur: “Trudelnd raste das winzige Raumschiff gen Erde. Das letzte, was der Außerirdische vor dem Aufprall sah, war ein #Blumenkübel.”
Auch schön - auf ganz andere Weise - und damit ein Happy End für das betroffene Altenheim: “Geht doch! Würzburger Fa spendet Antoniusstift 2 neue #Blumenkübel http://bit.ly/cWjS5k”
(((Ende Update)))
Die Münstersche Zeitung griff diese unerwartete Web-2.0-Popularität schließlich selbst in einem Artikel auf - und konnte somit doch noch über Amüsanteres berichten als über Blumentopf-Vandalismus.
Wir merken uns: Von umgekippten Blumenkübeln lernen heißt siegen lernen!
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19.7.2010 von Wilhelm Greiner.
Als IT-Fachjournalist berichtet man eigentlich ungern über so genanntes “virales” Social Media Marketing, also Marketing-Kampagnen, die von der spontanen, vielfachen Weiterverbreitung durch Social-Media-Benutzer leben: Schließlich wird man durch den Bericht über das virale Marketing-Phänomen selbst Teil des Systems sich selbst replizierender Werbung.
Aber manchmal verdient es eine sehr gut gemachte Kampagne eben, dass man sich - sogar recht zeitnah, ohne die beruhigende Distanz des historischen Rückblicks - mit ihr befasst. Und dem US-amerikanischen Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble (P&G) ist eben kürzlich mit seiner Social-Media-Kampagne für Deos und Co. der Marke “Old Spice” ein wahres Kunststück gelungen.
Im Mittelpunkt der Kampagne stand der Schauspieler Isaiah Mustafa, dem US-Publikum bekannt aus einer Serie von Werbespots mit dem Thema “The Man Your Man Could Smell Like” (”Der Mann, wie der Ihr Mann riechen könnte”) - amüsante Spots, deren erster im Web laut dem Blog Mashable.com schon über 19-millionenfach abgerufen wurde.
P&Gs Social-Marketing-Agentur hatte die Idee, Mustafa an wenigen Tagen eine Unzahl kurzer Videobotschaften senden zu lassen, jeweils in Beantwortung von Fragen oder Kommentaren, die über Social Networks wie Twitter, Facebook oder Reddit gepostet worden waren. Das Setting war dabei stets gleich: Der gut aussehende Mustafa - “I’m just a ridiculously handsome man”, wie er in der letzten der Videoantworten konstatiert - ist in einem Badezimmer zu sehen, badezimmertypisch bekleidet mit nur einem Handtuch um die Hüften (und, wie man vermuten darf, ohne es aber je zu sehen, in Badeschlappen). Mustafa nimmt für P&G in 24 Stunden über 180 Videobotschaften auf, die laut Visible Measures innerhalb weniger Tage millionenfach gesehen werden - der von Marketiers so ersehnte Effekt viraler Verbreitung.
Das Autorenteam trifft in den Videos genau den entspannten, lockeren, amüsanten und so gar nicht reklameartigen Tonfall, der im Web 2.0 beliebt ist - mal richtet Mustafa Botschaften an Prominente, mal erfüllt er die Bitte, er möchte doch im Namen eines Twitter-Nutzers um die Hand von dessen Angebeteter anhalten, mal nimmt er auf Wunsch eines anderen Unbekannten für diesen einen Anrufbeantworter-Text auf. Dies alles immer cool und augenzwinkernd (oder “tongue-in-cheek”, wie die Amerikaner sagen), und stets ganz frisch deodorierter Gentleman (”Monocle smile!”).
Dank Social Media - P&G hat hier die Plattformen wie YouTube und Twitter elegant für sich einzuspannen gewusst - hat eine originelle Idee, die dank hervorragendem Autorenteam und einem genau passenden Schauspieler perfekt umgesetzt wird, heutzutage das Zeug, in Nullkommanichts Teil der nationalen oder gar internationalen Populärkultur zu werden. Diese Kombination aus Originalität, treffsicheren Pointen und schwungvoller Umsetzung würde man sich viel öfter wünschen - gerne auch hierzulande, und gerne auch außerhalb des reinen Produktmarketings. Denn Social Media bieten mehr Raum für originelle und unterhaltsame Kommunikation, als der Begriff “Social Media Marketing” vermuten lässt.
Geschrieben in Social Networks, Video, Kudos | 1 Kommentar »
6.7.2010 von Wilhelm Greiner.
Java ist nicht nur eine indonesische Insel, eine Kaffeesorte und eine Programmiersprache (die seit der Sun-Akquisition nun Oracle gehört); zudem ist Java seit Kurzem auch ein Filmstar - zumindest wenn man dem Trailer von “Java 4-Ever” glauben darf.
Der Trailer handelt von einem Kind, das in einer sehr Windows- und .NET-treuen Familie aufwächst und später als Teenager in Form von Java-Begeisterung revoltiert. Das große “Coming out” hat der Java-Nachwuchsentwickler dann bei einer weihnachtlichen Familienfeier: “”I use Java.” Denn, so der Microsoft-Verweigerer: “I want to use a programming language that doesn’t only run on Windows.” Es bricht großes Getöse aus, die Mutter erleidet einen Heulkrampf (”My son is a monster!”), der Vater nach ausgiebiger Schimpftirade einen tödlichen Herzanfall.
Bildquelle: http://jz10.java.no/
“Java 4-Ever” gibt es natürlich nicht, die Ankündigung ist ein Fake - eine unterhaltsame und gut gemachte Parodie auf die Trailer handelsüblicher Hollywood-Produktionen: Die von “JavaZone Entertainment” präsentierte “Steven Springberg”-Produktion zitiert so manche bekannte Filmsequenz, enthält - wie es sich für eine ordentliche Hollywood-Großproduktion gehört - sehr offensichtliches Product Placement eines Notebooks mit dem Logo des Steve-Jobs-Shops und prahlt nicht nur mit dem Regisseur von “Javatar”, sondern auch mit seinen Hauptdarstellern Eddie Larrison und Scala Johansson sowie mit Kritiken einschlägiger Magazine (”Truly gripping.” Wired).
Ein wenig Hollywood-untypisch ist lediglich, dass die Dialoge auf Norwegisch gehalten sind, samt den in den USA so unbeliebten englischen Untertiteln. Dies erklärt sich dadurch, dass der Trailer ein Werbefilmchen für die Java-Entwicklerkonferenz JavaZone vom 8. bis 9. September 2010 im norwegischen Oslo ist.
Wie die computeranimierte Trickfilmserie “Shrek” des ehemaligen Disney-Managers Jeffrey Katzenberg die weichgespülte, flurbereinigte Märchenwelt des Disney-Konzerns parodierte (und damit ein Vermögen einspielte), so nutzt die Werbetruppe von JavaZone das Genre des Spielfilm-Trailers für gar shrekliche Seitenhiebe auf die .NET-Gemeinde - bis hin zum Filmtod des Microsoft-treuen Vaters (gespielt von William Windows). Genau so wünscht man sich die Ankündigung einer Java-Konferenz: witzig, respektlos, intelligent gemacht - gelungenes Community-orientiertes Entertainment. Kompliment - oder, wie wir Norweger sagen: Kudos!
Übrigens: Den Trailer sollte man sich auf der JavaZone-Seite ansehen oder aber auf boingboing.net (wo auch recht eifrig drüber diskutiert wurde), denn auf YouTube muss man sich wegen einer im Trailer enthaltenen kurzen Sexszene mit Altersangabe registrieren. Google befürchtet offenbar eine Jugendgefährdung durch die zirka zweisekündige skandinavische Programmierer-Ausschweifung (mit Notebook!). Deshalb die Warnung: Microsoft-feindlich und “not safe for work”!
Geschrieben in Video, Kudos | Keine Kommentare »
23.6.2010 von Wilhelm Greiner.
In den USA nennt man sie schon längst nicht mehr “Comics”: Das Genre, das Bild und Text für die Erzählung einer Story kombiniert, heißt dort längst “Graphic Novel“. In Deutschland hingegen schaut man - anders als etwa in Frankreich oder Belgien - gerne oft noch geringschätzig auf die “Micky-Maus-Heftchen” herab. Doch allmählich setzt sich auch hier die Erkenntnis durch, dass es sich bei Graphic Novels um eine Literaturgattung handelt, die zwar oft ein Machwerk, oft aber auch gutes Handwerk und mitunter sogar ein Kunstwerk hervorbringt.
Als Vehikel für PR, Marketing oder gar IT-Fachinformation hat sich die Kombination aus Text und gezeichnetem (oder zunehmend oft computergeneriertem) Bild à la Comic und Cartoon allerdings noch nicht wirklich etabliert. Zwar gibt es Gegenbeispiele wie das mit netten Zeichnungen illustrierte Einführungsbuch “Cisco Networking Simplified” von Cisco Press oder die “…for Dummies”-Bücher mit ihren cartoonesken Elementen, aber das sind Ausnahmen. Und so ist auch die LANline nach wie vor das einzige IT-Fachmagazin, das seinen Titel und seine Schwerpunkte mit (übrigens liebevoll handgezeichneten) Cartoons schmückt.
Dabei ist doch die heutige Generation von System- und Netzwerkadministratoren praktisch mit Cartoons und Comics sozialisiert worden. (Und natürlich mit Star-Wars-Filmen. Möge die Macht mit euch sein!) Recht verwunderlich also, diese anhaltende Textlastigkeit, während man gleichzeitig immer stärker auf YouTube-Filmchen setzt (oft durchaus auch in der YouTube-eigenen Low-Tech-Ästhetik).
Neulich ist mir allerdings - Dank an Johannes Liebl von Lewis PR - ein unterhaltsames Beispiel für “IT-Marketing via Comic-Heftchen” auf den Schreibtisch geflattert: Application-Switching-Spezialist Radware, der die Konkurrenzprodukte der Alteon-Serie von Nortel übernommen hatte, hat kürzlich die Geräte der Alteon 4 Series vorgestellt - und dies mit einer eigens konzipierten Comic-Heft-Serie begleitet, die an die guten alten Superhelden-Comics aus dem Hause Marvel erinnert (obwohl die Helden und Bösewichte eher einem Ego-Shooter-oder Adventure-Game entsprungen sein könnten, Lara Croft lässt grüßen).
Bildquelle: Radware
In dieser Serie verwandelt sich Administrator Cody dank der Superkräfte, die er per Application Switch erhält, in den muskelbepackten Superhelden Alteon, dem die Partnerin DefensePro (der Name von Radwares Security-Switches) im Kampf gegen die “Tyrannizers” beisteht, die die Netzwerkwelt aushebeln wollen. Diese Tyrannizers - jeder, wie in Computerspielen üblich, mit jeweils eigenen Kräften ausgestattet - heißen Bottleneck, Outage, Disconnect, Disarray und Bots. Wie der Kampf ausgeht, weiß ich noch nicht, da ich nur die ersten beiden Folgen gelesen habe; ich bin aber zuversichtlich, dass die Guten gewinnen werden
Nett: Die Heftchen enthalten Werbung eines fiktiven Application-Switch-Anbieters namens “Mista Bigg”, der für seine Produkte (übersetzt) mit dem Slogan wirbt: “Erhalten Sie mehr, als Sie brauchen, und zahlen Sie mehr, als Sie sollten!” Die Anzeige verspricht, der Gabelstapler für den “Forklift Upgrade” werde gratis zur Verfügung gestellt.
Begleitet wird Radwares Graphic-Novel-Serie von einer Online-Kampagne unter www.alteonisback.com. Dort hält Radware die Episoden als Online-Videos im vertrauten Videoclip-Format vor. Auf www.radwarealteon.com gab es außerdem im März ein Online-Gewinnspiel, nach wie vor ist dort eine (wenn auch kaum besuchte) Community-Site zu den Alteon-Produkten zu finden.
Der LANline-Cartoonist Wolfgang Traub und ich haben übrigens Anfang des Jahres auf Slideshare ebenfalls ein recht zielgerichtetes Communitainment-Comic gepostet: Wir wollen nach wie vor an Green IT uninteressierte PC-Anwender dazu bewegen, die Option der Energieeinstellungen am (Windows XP) PC zu beachten - durch möglichst unterhaltsamen Verweis auf diesen einfachen Weg, die Stromkosten zu senken (statt das Geld den Comic-gerecht “bösen” Stromkonzernen nachzuwerfen). Das Stromspar-Comic findet man hier: http://www.slideshare.net/WilhelmGreiner/7-clicks1
Kennen Sie weitere Beispiele für die Verwendung von Comics und Cartoons für IT-Informations- und Marketing-Zwecke? Dann lassen Sie es mich doch einfach wissen: per Tweet an @wgreiner oder E-Mail an wilhelm.greiner (at) mitteilerei.de. Möge die Graphic-Novel-Macht mit euch sein!
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16.6.2010 von Wilhelm Greiner.
Kürzlich habe ich den “Virtualisierungs- und Cloud-Computing-Kongress 2010” für die LANline und das Startup-Unternehmen AppSphere moderiert - schöne Veranstaltung, nettes Ambiente (IHK Karlsruhe), interessante Vorträge, gute Stimmung. So weit, so gut.
Zwischendurch habe ich mir dabei Gedanken über das “Cloud Computing” gemacht - nicht nur, weil dies gerade Tagesthema war, und nicht nur, weil “Cloud” gerade als Marketing-Begriff allüberall aufpoppt, sondern auch, weil der Begriff - auf Deutsch ja immerhin “Wolken-Rechnen” - zu allerlei wilden Assoziationen und Wortspielen einlädt. Wie zum Beispiel, ob es bei einem “Cloud Data Center” nicht automatisch um das IT-Pendant zu einem Luftschloss gehen muss…

Bild: (c) Wolfgang Traub
Das Grundproblem des Wortes “Cloud” ist natürlich, dass es sich derzeit auf der Spitze eines Hype-Cycles tummelt, also im siebten Himmel kurzlebiger Marketing-Beliebtheit schwebt. Heerscharen von IT-Marketiers biegen sich den Begriff zur Zeit so zurecht, wie sie ihn gerade brauchen, wodurch die Cloud von Tag zu Tag “wolkiger” wird.
Dabei gibt es durchaus eine klare Definition von “Cloud Computing” - die sich der IT-Journalist von Welt natürlich aus der Cloud klaubt (genauer: von Wikipedia): “Cloud Computing”, wissen die anonymen, aber weisen Wikipedia-Massen, “bezeichnet primär den Ansatz, abstrahierte IT-Infrastrukturen (z. B. Rechenkapazität, Datenspeicher - siehe IaaS), fertige Programmpakete (siehe SaaS) und Programmierumgebungen (siehe PaaS) dynamisch an den Bedarf angepasst über (ein) Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Die Abrechnung erfolgt dabei nutzungsabhängig, da nur tatsächlich genutzte Dienste bezahlt werden müssen.” Ebenfalls von zentraler Bedeutung für das Konzept sei die vollautomatische Bereitstellung in virtualisierten Rechenzentren mittels Web-Technologie wie Web-Services.
Was hier so einfach klingt, ist technisch gesehen äußerst anspruchsvoll, komplex und facettenreich. Und so schmücken immer mehr Unternehmen ihre Produkte mit dem Aufdruck “Cloud”, bei denen bislang “Rechenzentrum”, “Virtualisierung”, “IT-Management”, “Application Service Provider”, “Internet”, “World Wide Web” und zahlreiche andere Labels - zwischenzeitlich auch mal “Green IT” - auf der Verpackung stand. Die weiteren Aussichten: zunehmend bewölkt.
Dennoch bin ich ein großer Fan des Wortes “Cloud”. Denn irgendeinen Namen muss man dem jüngsten Spross aus der Familie des mit IT Machbaren schließlich geben. Und dann nimmt man doch am besten ein Wort, das kurz und knackig ist, zudem leicht zu merken und auch für den Deutschen problemlos auszusprechen (anders als, sagen wir mal, “Service-Oriented Architecture”).
Noch dazu ist “Cloud” ein sehr bildhafter Ausdruck - schließlich ist er von den kleinen Cartoon-Wolken abgeleitet, die in Netzwerkgrafiken das Weitverkehrsnetz oder das Internet symbolisieren. Bildhafte Ausdrücke sind nützlich, laden sie doch das Gehirn zum Arbeiten ein. Wie schrieb schon Kurt Tucholsky in seinem Kurztext “Zur soziologischen Psychologie der Löcher“: “Wenn der Mensch ‘Loch’ hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an Goebbels.” Und wenn sie “Cloud” hören, denken eben manche an Schäfchenwolken, manche an Luftschlösser und manche an Software as a Service.
Deshalb finde ich den Begriff “Cloud” einfach gut. Oder, wie der Berliner sagen würde: “Cloud Compjuhting is’ echt ‘ne Wolke.”
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8.6.2010 von Wilhelm Greiner.
Der Einsatz von Social Media hat in den Unternehmen schon große Verbreitung gefunden - mal auf “Eigeninitiative” von Mitarbeitern (so neben der Arbeit her und zum Schrecken besorgter Vorgesetzter und Datenschützer), mal gewollt und gezielt als weiterer Baustein für den Informationsaustausch im Unternehmen oder die Kommunikation mit Kunden und Partnern.
Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter werden dabei in aller Regel unter Gesichtspunkten des Marketings und der PR wahrgenommen. Dabei gibt es allerdings noch eine ganze Reihe weiterer denkbarer Einsatzfälle: Diese reichen vom Support via Twitter über Mitgestaltung der Kunden am Produktdesign per Social-Software-Plattform bis hin zur Personalsuche auf Facebook oder Business-orientierten Social Networks wie Xing oder Linkedin.
Ein Best-Practice-Beispiel für Personal-Management und Recruiting via Social Network liefert IBM. Das überrascht nicht wirklich - IBM ist in Social-Media-Belangen in mancherlei Hinsicht Vorreiter, was hier schon mehrmals Thema war.
Auf der letzten CeBIT hatte ich (obschon ich erst jetzt Zeit finde, das mal aufzubereiten), ein nettes Gespräch mit IBM-Vertretern zu diesem Thema. Wie ich erfahren habe, unterhält IBM auf Xing unter dem Namen “Greater IBM Connection in Germany” eine eigene Gruppe speziell und ausschließlich für ehemalige IBM-Mitarbeiter (im Lateinischen wie auch im Englischen “Alumni” genannt), also zum Beispiel frühere Werksstudenten sowie Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben, oder auch IBMer im Ruhestand).
Interessant sind die beachtlichen Zahlen: Im Frühjahr hatte die Gruppe 9.207 Mitglieder und es gab knapp 800 veröffentlichte Artikel - also weit mehr, als manch andere Xing-Gruppe vorzuweisen hat. Neben der Xing-Gruppe nutzt IBM für den Kontakt mit Ehemaligen auch weitere Social-Plattformen: einen Greater IBM Twitter-Account, einen YouTube-Kanal, Flickr-Bildergalerien sowie einen englischsprachigen Blog.
In einem Blog-Beitrag beschreibt Mitarbeiter Christian Koester die Zielsetzung der Greater IBM Connecntion: “Unsere Vision ist eine Community, die Menschen mit den unterschiedlichsten Potenzialen und Erfahrungen in einem innovativen Dialog verbindet. Unsere Mission ist es, eine Plattform für frühere und aktuelle IMBer zu schaffen, die aktives Networking mit exklusiven Inhalten verknüpft.”
Im Vorfeld hat IBM die Motivation ehemaliger Mitarbeiter, einem Alumni-Netzwerk beizutreten, in Form einer Studie untersucht: “Die wichtigsten Gründe für einen Beitritt waren demnach die Erweiterung des persönlichen Netzwerks, die Kontaktpflege zu ehemaligen Kollegen sowie die Versorgung mit aktuellen und exklusiven Infomationen zur IBM”, so Koester im Blog. Die Greater IBM Connection biete deshalb exklusive, redaktionell aufbereitete Inhalte zu IBM und zur IT-Branche insgesamt sowie zu den Community-internen Aktivitäten. Zudem gebe es moderierte Foren und ein Karriere-Center.
Dieses Vorgehen ist ein Beispiel für eine sehr intelligente Nutzung der Möglichkeiten von Xing, Twitter und Co. Denn für ein Unternehmen, das im weltweiten Wettbewerb auf hochqualifiziertes Fachpersonal angewiesen ist, ist ein aktives Alumni-Netzwerk sehr nützlich, um Kontakte zu ehemaligen Kollegen zu erhalten und zu pflegen.
Intelligente Social-Network-Nutzung kann einem Unternehmen im Idealfall die Investition in einen Headhunter ersparen - zumindest, wenn es, wie IBM, in Sachen Social Media über die reine Produktvermarktung hinausdenkt.
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30.5.2010 von Wilhelm Greiner.
Die Lage im Golf von Mexiko ist ernst und spitzt sich weiter zu: Auch mehrere Wochen - Stand heute: am Tag 40 - nach dem Sinken der Ölbohrplattform Deepwater Horizon hat es der Konzern BP trotz dreitägiger Anläufe mit dem “Topkill”-Verfahren nicht geschafft, das Ausströmen des Erdöls in den Tiefen des Meeres vor der einmaligen Naturlandschaft Louisianas und angrenzender Regionen einzudämmen. BP muss auf immer riskantere Rettungsmanöver setzen.
Wollte BP allerdings versuchen, die Situation auf Twitter schönzureden, so käme der Konzern zu spät: Ein Twitter-Account namens @BPGlobalPR, der vorgibt, der offizielle PR-Twitter-Kanal von BP zu sein, hat diese Rolle schon längst übernommen - und hat damit damit die Schönrednerei, die nach Katastrophen leider oft Standard ist, schon von vornherein per Karikatur unmöglich gemacht: Ein unbekannter Tweeter kommentiert hier die anhaltend dramatische Lage mit einem so schwarzem Humor, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt - bislang nannte man diesen Humor “rabenschwarz”, aber im Golf trifft diese Bescheibung ja nun vor allem auf die Seevögel zu.
Gerne nimmt der angebliche PR-Tweeter den Tonfall der “Spin Doctors” aufs Korn: “Bitte helfen Sie uns beim Rebranding. Wir nennen es jetzt nicht mehr ‘Ölpest’, sondern ‘Südstaaaten-Fun-Party’.”
Andere “PR-Tweets” führen BP mit blankem Zynismus vor: “Folgendes: Wir haben im Jahr 2009 45 Millionen Dollar Profit PRO TAG gemacht. Das hier ist wirklich nicht so schlimm. #bpcares”
Weitere dieser Tweets kann man unter http://twitter.com/BPGlobalPR am besten selbst nachlesen.
Gerade weil die Situation im Golf von Mexiko so unglaublich traurig und bedrohlich ist, bietet sie einem fähigen Satiriker (und ein solcher ist hier offenbar am Werk) eine, nun ja, sprudelnde Quelle für böse Kommentare. Man sollte die Tweets von @BPGlobalPR unbedingt verfolgen: Sie helfen, sich für die PR-Schlacht zu wappnen, die dem Kampf gegen die Ölpest mit Sicherheit noch jahrelang folgen wird.
Die Bloggerin Cat Girl hat übrigens einige dieser Tweets zu einer gelungenen Zusammenstellung sehenswerter Persiflagen auf BP-Werbeplakate aufbereitet: http://www.iridetheharlemline.com/twitter-photos/bpglobalpr-billboards/ - unbedingt anschauen!
… und dann sollten wir bitte nicht in Defaitismus verfallen, sondern überlegen, wie wir unsere Abhängigkeit von sinnlos eskalierendem Energieverbrauch ernsthaft eindämmen können. Denn man kann die Schuld an so einem Desaster nicht zu 100 Prozent auf die “böse BP” abwälzen. Und Satire allein ist auch keine Lösung.
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