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Communitainment - nicht nur für Web 2.0 und Marketing

Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie: Jeder, der lesen kann (und das gilt dann doch für die meisten von uns), und jeder, der im Web unterwegs ist oder andere Info-Kanäle nutzt, wird ständig mit Informationen und Info-Häppchen überflutet. Für Unternehmen, die wirklich etwas zu sagen haben, bedeutet das: erst mal das Interesse der Menschen wecken - und dann in Motivation umzusetzen. Wer Aufmerksamkeit erregt, hat etwas erreicht. Wer in angenehmer Erinnerung bleibt, hat halb gewonnen. Wer Personen dazu bewegen kann, die Informationen freiwillig selbst weiterzuleiten, ist am Ziel. Marketiers haben dies längst erkannt. Sie nennen das “virales Marketing”.

Es ist aber nicht in Stein gemeißelt, dass sich effiziente, motivierende Kommunikation aufs Marketing beschränken muss. Es gibt noch viele weitere Situationen, in denen es für Unternehmen sinnvoll sein kann, ihr Publikum emotional anzusprechen und einzubinden. Hier kann Communitainment - je nach Community, die es anzusprechen gilt - sehr nützlich sein.

Der Begriff “Communitainment” stammt ursprünglich aus dem Report eines Analysten von Piper Jaffray mit dem Titel “The User Revolution” vom Februar 2007. Gemeint sind hier die Vermengung von Inhalten, Ideen und Unterhaltung in einem Web-2.0- oder Social-Networking-Kontext. Communitainment zielt darauf ab, sich mit einer Community auf eine Weise auszutauschen, die diese Community als ebenso hilfreich wie unterhaltsam und sympathisch empfindet.

Communitainment muss sich aber nicht ausschließlich auf so genannten “User-generated Content” (von Endanwendern erzeugte Inhalte) im Web-2.0-Umfeld beschränken. Es gibt zahlreiche weitere Formen Community-orientierter, unterhaltsamer Wissensvermittlung, nicht nur in der Werbung (und auf die zielte der erwähnte Report der Banker ab), sondern auch im Unternehmensalltag - sogar im Business-to-Business-Bereich. Zwischen den beiden Extremen Produkt-Marketing und Peer-to-Peer-Kommunikation (die oft dazu dient, Marketing-Mechanismen zu umgehen oder als solche zu entlarven) gibt es eine breite Palette von Situationen, in denen Communitainment die Vermittlung von Wissen weniger trocken und - seien wir ehrlich - weniger öde gestalten kann: vom Produktdatenblatt über White Paper, Workshop-Präsentationen, Schulungen, Security-Awareness-Kampagnen, die Website eines Unternehmens bis hin zur Corporate Identity (CI).

Als langjährig tätiger IT-Redakteur - zuerst beim Midrange Magazin, dann acht Jahre lang bei der Netzwerkzeitschrift LANline - weiß ich, wovon ich rede: Info-Materialien aus dem B2B-Bereich (im Consumer-Segment sieht’s etwas besser aus) werden meist sachlich-trocken und vor allem häufig nach “Schema F” erstellt. Und das heißt: bloß nicht locker, so wie man’s aus den USA oder UK her kennt.

Nein, hierzulande glaubt man, am Thron der eigenen Seriosität zu sägen, wenn man ernsthafte Fachinformation im Geschäftsumfeld auch mal mit einem Augenzwinkern serviert. Klar ist, dass Communitainment-Ansätze nicht in jeden Kontext passen. Klar ist aber auch, dass es viele Einsatzmöglichkeiten gibt, die noch viel zu wenig genutzt werden.

Auch wer sich nur informieren will, hat ein Recht darauf, sich dabei gut zu unterhalten.

Einen Einstieg in das Thema Communitainment im Business-Umfeld, insbesondere in der IT-Branche, gibt es hier.

Ich freue mich auf Fragen, Anregungen, Kommentare (gerne auch humorvolle) sowie über Links zu Material von Unternehmen, die es besser machen als der Durchschnitt.

Wilhelm Greiner

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