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Juli 2009
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Archive für 18.7.2009

Communitainment: Konvergenz von Privat- und Berufsleben

Ich werde immer mal wieder nach meiner Definition des Begriffs “Communitainment” gefragt, da ich diesen Ausdruck doch etwas anders verwende als ein Analystenbericht von Piper Jaffray, der durch die Einführung dieses Terminus 2007 ein “Hypelet” in Web-Marketierskreisen ausgelöst hat.

Dem Analysten Safa Rashtchy des Finanzdienstleisters ging es damals in seinem Report “The User Revolution” um Trends im Anwenderverhalten bei der Internet-Nutzung. Er stellte fest: Das Nutzungsverhalten bewegt sich (vor dem Hintergrund zum Beispiel von Social Networking Communities) vom reinen Konsum der Entertainment-Angebote zu einer Mixtur aus Entertainment, Informationsbeschaffung und individueller Meinungsäußerung. Dieses Konglomerat nannte er “Communitainment”.

Ich wiederum beschäftige mich - siehe die Tag-Line dieses Blogs - mit der Business-Seite des Anwenderverhaltens im IT-Umfeld. Und hier ist die genaue Gegenbewegung - sozusagen die Kehrseite der Medaille - zu beobachten: Auch in der Kommunikation der Business-Anwender findet man die erwähnte Melange aus Entertainment, Informationsbeschaffung und Meinungsäußerung immer stärker. Doch die Ausgangslage ist hier nicht der Entertainment-Konsum, sondern die klassische - und das heißt häufig: wenig unterhaltsame - Informationsvermittlung, wie sie im Berufsleben leider immer noch vorherrscht.

Dass im IT-Umfeld die private und geschäftliche Nutzung von Geräten immer mehr verschmelzen, hat das Analystenhaus Gartner bereits 2005 postuliert. Gartner nennt dies “Consumerization” (deutsch etwa: die “Konsumentisierung”) der IT, die Analysten von Forrester sprechen von “Tech Populism” (Technikpopulismus), also der vom Endanwender statt von der IT-Abteilung getriebenen IT-Nutzung. Denn wenn Mitarbeiter etwas mit der Intranet-Suche nicht finden, dann nehmen sie eben Google, und wenn die IT-Organisation keine spontanen Web-Meetings liefern kann, dann mietet die Fachabteilung eben einen Service von WebEx oder GoToMeeting.

Consumerization und Tech Populism bedeuten aber nicht nur, dass immer mehr Mitarbeiter ihre privat genutzten Gadgets und Services in die Unternehmen importieren und dort auch für berufliche Zwecke verwenden (oder missbrauchen); vielmehr bringen sie auch ihre Gewohnheiten der Kommunikation und Informationssuche mit. Communitainment wird somit spätestens durch dieses Hintertürchen seinen Weg in die Unternehmen finden.

Unternehmens- und IT-Leiter sind deshalb gut beraten, diesen Trend aufzugreifen und aktiv zu beeinflussen - am besten natürlich im offenen Dialog mit der Anwenderschaft. Unternehmen sollten mit den Werkzeugen des Communitainments auf ihre Anwender zugehen, damit sie nicht eines Tages an ihren eigenen Mitarbeitern - insbesondere den jüngeren, in Web-Communities sozialisierten Kolleginnen und Kollegen - vorbeikommunizieren.

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