Unter der Überschrift “Der Feind im Betrieb” warnte kürzlich ein Artikel im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung die Industrie - insbesondere mittelständische Betriebe - vor dem Risiko der Industriespionage: “Die Bedrohung kommt nicht nur von außen, auch eigene Beschäftigte sind eine Gefahr. Oft aus Unwissenheit”, so Autorin Linda Ross.
Der Tenor des Beitrags: Um sich gegen Spione zu wappnen, müssen Betriebe auf diese Gefahr vorbereitet sein, dazu ein Krisen-Management einrichten und ihre Mitarbeiter einbeziehen. “Drei Viertel der Mittelständler in Deutschland haben kein Krisenmanagement,”, zitiert der Artikel Christian Schaaf, den Geschäftsführer von Corporate Trust. Und weiter: “Laut Schaaf mangelt es vielen Beschäftigten auch am Bewusstsein für gefährliche Situationen.” So bearbeiteten zu viele Menschen in aller Öffentlichkeit am Laptop sensible Daten.
Der Artikel empfiehlt die üblichen Sicherheitsmaßnahme wie etwa eine strengere Kontrolle der Personen, die das Firmengelände betreten. Lobend hebt Autorin Ross den mittelständischen Betrieb Krones hervor. Der Produzent von Getränkeabfüllanlagen hat für sein Risiko-Management eine Einstufung von Ländern, in die seine Mitarbeiter reisen müssen, nach Art eines Ampelsystems entwickelt: “Bereits bei gelber Ampel verlangt Krones Vorkehrungen auch von Kunden, etwa das Abholen der Monteure am Flughafen.” Vorbildlich, dass das Thema Unternehmenssicherheit hier nicht auf Daten, Patente, Konstruktionszeichnungen und Wirtschaftsplanung eingeschränkt wird.
In einem zugehörigen Interview mit Alexander Haudan, Anwalt für Wettbewerbsrecht bei der Kanzlei Taylor Wessing, rät der Jurist für den Fall hausinterner Industriespionage vor allem dazu, nach der Entdeckung des Vorfalls Ruhe zu bewahren: Statt wutentbrannt die fristlose Kündigung auszusprechen, sollte man sich erst die Zeit für die Beweissicherung nehmen. Haudan empfiehlt: “Man sollte Strukturen schaffen, die Geheimnisverrat möglichst schwermachen.”
Damit meint der Anwalt Zugangskontrolle und Zugriffsberechtigungen für sensible Daten, aber eben keine Kontrollparanoia. Der Wettbewerbsrechtler fasst das in die Formel: “Aufmerksame Mitarbeiter, die ihrem Unternehmen positiv gegenüberstehen, sind die beste Versicherung.”
Der Beitrag in der Print-Ausgabe der SZ (13.08.09, S. 24) ist übrigens mit einem artgerechten Cartoon illustriert: Auf dem Bild umringen sieben breitschultrige Bodyguards einen Mann im weißen Anzug, den man durch einen Koffer mit der Aufschrift “Top Secret” als Geheimnisträger erkennt. Und sicherheitshalber gibt’s dann noch einen großen, dicken gelben Pfeil mit dem Text “Geheimnisträger”. Amüsant, auffällig, nützlich.
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