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17.9.2009 von Wilhelm Greiner.
Das Portal The Onion, eine Quelle gepflegter und ersprießlicher US-amerikanischer Polit- und Gesellschaftssatire, hat kürzlich in zwei Videos das Thema Datenschutz von unterschiedlichen Seiten, aber stets gewohnt bissig aufgegriffen.
Das Video “Google Opt Out Feature Lets Users Protect Privacy by Moving to Remote Village” handelt von einer angeblichen Datenschutz-Maßnahme des beliebten, aber in puncto Datenschutz <sarcasm> nicht gänzlich unumstrittenen </sarcasm> Konzerns: Leute, die sich der Erfassung durch Google Streetview & Co. entziehen wollen, können sich nun angeblich von Google abholen und in ein datengeschütztes Aussteigerdorf (”Opt-out Village”) umsiedeln lassen. Das Dorf - für das Google im Clip in gewohnter Manier die Werbetrommel rührt - entpuppt sich als regelrechtes Guantanamo-Camp für renitente Streetview-Verweigerer.
Die im Camp Geläuterten dürfen laut dem Bericht des “Onion News Network” wieder ins normale, sprich: wohlüberwachte Alltagsleben zurückkehren, wenn sie sich zum Zeichen der Reue Googles “G”-Logo auf der Stirn einbrennen lassen. Bitterböser Humor und sehr zielgerichtete Satire, wie von The Onion gewohnt.
Ein weiterer Onion-Film, “Facebook, Twitter Revolutionizing How Parents Stalk Their College-Aged Kids“, ist aus der Serie “Today Now”, die das Morning-TV-Format auf die Schippe nimmt. Hier demonstriert “E-Mom”, eine Internet-bewanderte Mutter älteren Semesters, der morgendlichen Zuschauerschaft die Vorteile von Facebook und Twitter für die kontinuierliche Überwachung des Nachwuchses: Die Facebook-Pinnwand eigne sich sehr gut dazu, den Sohn mehrmals täglich an dies oder jenes zu erinnern, und dank Tagging finde man auch schnell heraus, wer die Dame mit der tief ausgeschnittenen Bluse ist, die auf einem Foto mit E-Moms Sohn turtelt.
E-Moms Lieblingswerkzeug aber ist Twitter: Hier könne man jeden Gedanken des Sohns oder der Tocher mithören - “ein Traum wird wahr!” Beim Selber-Twittern sollten die Eltern laut E-Mom beachten, möglichst viele Rechtschreibfehler einzubauen und häufig zu fluchen, dann würden die Kinder manchmal sogar antworten.
Die Facebook- und Twitter-Satire unterschlägt, dass heutige Teenager durchaus zu vermeiden wissen, Eltern oder Lehrer in den Kreis ihrer Friends oder Followers aufzunehmen. Die Vorstellung von Datenschutz hat sich gewandelt, ist aber nicht weggefallen, wie der Clip impliziert.
Selten jedoch wurde das Thema Datenschutz unterhaltsamer thematisiert - von der Darstellung moderner elterlicher Überwachung als Web-2.0-gestütztes Stalking ganz zu schweigen. Die Clips eignen sich also sehr gut als Einstieg, um eine Diskussion zum Thema Datenschutz und Überwachung im Web-2.0-Zeitalter anzuzetteln. Unbedingt anschauen!
Geschrieben in Social Networks, Security Awareness | Keine Kommentare »