September 2009
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Studie: Deutsche Unternehmen verschlafen Social Media

Eine Umfrage unter 350 deutschen Managern zum Thema “Social Web” kommt laut einem Bericht auf cio.de vom 16.09.09 zu “niederschmetternden Ergebnissen”: Über die Hälfte der Befragten sei laut der Studie in Sachen Web 2.0 unbeleckt und plane dementsprechend auch keinen Einsatz im Unternehmen. “So können - Hype hin, Hype her - gerade einmal 59 Prozent der Befragten mit den Begriffen ‘Web 2.0′ und ‘Social Media’ etwas anfangen”, so der Artikel.

Die Cologne Business School hat die besagte Studie im ersten Halbjahr 2009 zusammen mit Markforschern von Brain Injection durchgeführt. Leitende Angestellte, Vorstände, Geschäftsführer und Inhaber wurden zu ihrem Social-Media-Wissensstand und ihren Plänen in dieser Richtung befragt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer an der Umfrage lag bei 42 Jahren - wichtig zu wissen, da die Social-Media-Nutzung unter jüngeren Leuten deutlich stärker verbreitet ist als unter älteren. Manche Marktbeobachter sprechen hier sogar von einem Generationensprung wie damals, als Rock’n'Roll aufkam.

Eigene Erfahrung mit Web-2.0-Technik habe jedenfalls nur eine Minderheit der Führungskräfte: Zwar seien 34 Prozent der Befragten zum Beispiel in Xing unterwegs, 40 Prozent hingegen seien in keiner Community mit eigenem Profil vertreten.

Nur schlappe zehn Prozent der Unternehmen nutzen Blogs fürs Business. 12 Prozent wüssten nicht einmal, was ein Blog ist. (Twitter? … besser nicht fragen!)

Kommentar von cio.de zum Prinzip “User-Generated Content”, auf dem die Web-2.0- bzw. Social-Media-Anwendungen basieren: “Diese Art der Befüllung von Webseiten und Portalen unterscheidet sich von traditionellen Medien fundamental. Es wird Zeit, dass das mal jemand auch den Unternehmen sagt.” Denn Web-2.0-Werkzeuge wie Blogs, Wikis und Twitter eigneten sich schließlich für zahlreiche Einsatzfälle in der Unternehmenswelt. Ein erheblicher Anteil der interviewten Führungskräfte zählt aber offenbar zu jener Gattung, die der Nachwuchs 42-jähriger Manager gerne “Festnetztelefonierer” nennt, und unterschätzt das Social-Media-Potenzial dementsprechend sträflich.

Die mageren Ergebnisse decken sich mit der Studie von Forrester, die hier bereits vorgestellt wurde. Auch Forresters Untersuchung hatte ergeben, dass Deutschland in puncto Web-2.0-Nutzung nicht nur den USA, sondern sogar dem europäischen Durchschnitt hinterhertrödelt.

Amüsante Resultate bringen Studien stets, wenn man Leute zu einem Thema befragt, von dem sie wenig Ahnung haben. Auch cio.de weist genüsslich auf manch ein unsinniges Studienergebnis hin: “Mit 51 Prozent sagt […] mehr als Hälfte aller Befragten, dass es Social Media bei ihnen niemals geben wird. Das ist umso bemerkenswerter, weil gleichzeitig 56 Prozent der Befragten die Meinung vertreten, dass man mit Social Media den Verkauf ankurbeln könnte.” Spaß mit Umfragen.

“Eins aber wissen die Verantwortlichen auf jeden Fall: Für die IT-Abteilung ist das Web 2.0 nichts”, so cio.de-Autor Thomas Pelkmann. Denn 86 Prozent der Befragten würden (mit der Option von Mehrfachnennungen) das Thema Social Media bei den Kollegen von Marketing und PR ansiedeln - ein weiteres eklatantes Indiz dafür, wie sehr man das Potenzial von Social Media für die Zusammenarbeit im Unternehmen unterschätzt.

Die Fachleute von Forrester raten hingegen zu einer Social-Networking-Organisation nach dem Prinzip “Nabe und Speiche”: Forrester empfiehlt den Unternehmen also durchaus Social-Network-Verantwortliche in den Fachabteilungen (nicht nur im Marketing!), zudem aber auch eine zentrale Steuerungsinstanz durch einen Community-Manager bzw. ein Community-Management-Team.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wenn ja wie schnell (oder langsam) deutsche Unternehmen Anschluss an die Möglichkeiten effizienter Zusammenarbeit finden - und in welchem Maße Skeptiker zu Experimenten mit den neuen dialogorientierten Werkzeugen motivierbar sein werden.


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