Slideshare: Bilderbuch-Bibliothek für die Web-2.0-Generation

Die Site www.slideshare.net ist im Grunde ein höchst eigenartiges Tierchen: Sie bündelt viele schöne (und weniger schöne) PowerPoint-Präsentationen und hält sie als große virtuelle Lagerhalle zum jederzeitigen Abruf vor. Das Eigenartige, aber auch der Reiz dieses Prinzips: Der Betrachter erhält hier (außer bei so genannten Slidecasts und Videoslides) lediglich die Präsentationsfolien - der Vortrag läuft im Kopf des Betrachters ab. Slideshare liefert im Wesentlichen also Bilderbücher zum online Durchblättern - visuelles Communitainment für die Social-Media-Community.

Gestaltete man diese Slides streng nach den Vorgaben von Präsentations-Päpsten wie Garr Reynolds oder Seth Godin (”No more than six words on a slide. EVER.”), dann wären die geposteten Vorträge sicher nicht verständlich. Schließlich raten Seth Godin und Garr Reynolds, wie hier schon einmal aufgeführt, explizit dazu, die Vortragsbebilderung von der Dokumentation des Gesagten strikt zu trennen: Der Vortragende soll schließlich sein Publikum nicht dadurch langweilen, dass er die auf den Folien zu lesenden Sätze dröge herunterbetet (wie dies leider allzu oft der Fall ist).

Auf Slideshare entfällt dieses Risiko - anders übrigens als bei Pecha-Kucha-Events, die ebenfalls sozusagen eine Zweckentfremdung des Prinzips PowerPoint-Präsentation darstellen, indem sie es zu klar strukturierten Wettbewerben umfunktionieren. Für Slideshare gelten eher die Regeln des Bilderbuchs oder des Comics: klare Aussage, klare Linie, stringenter Spannungsbogen, überraschende Wendungen, Emotion und idealerweise auch Witz in der Bildgestaltung - und vor allem: Niemals langweilen!

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Präsentationen werden aus unterschiedlichsten Motiven auf Slideshare eingestellt: zur Promotion eines bestimmten Projekts oder Produkts, zur Information, zur Selbstdarstellung, für Werbung, aus Jux und Dollerei etc. pp. Das gestalterische Niveau variiert dementsprechend stark - es finden sich aber auch zahlreiche Perlen gepflegter PowerPoint-Kultur, wie die geniale Aneinanderreihung überraschender Zahlen zu unserem Planeten in Shift Happens oder auch der hier schon einmal vorgestellte Vortrag der IBM-Mitarbeiterin Sacha Chua zur Bedeutung von Social Networks. Gelungene Beispiele, was auf Slideshare möglich ist, bietet auch der Überblick über die Gewinner des “World’s Best Presentation Contest 2009“, den Slideshare von August bis September dieses Jahres ausgerichtet hat.

Inzwischen nutzen auch immer mehr Unternehmen Slideshare als Plattform für ihre Firmen-, Produkt- und Schulungspräsentationen. Warum schließlich sollte man all die für die Öffentlichkeit bestimmten PPTs selbst hosten, wenn Slideshare das für einen übernimmt?

Unternehmen können sich somit bei Slideshare nicht nur viele nützliche Anregungen holen, wie ansprechend eine PowerPoint-Präsentation aussehen könnte, wenn man sich über die Bullet Points der Microsoft-Templates hinauswagt; auch als Output-Kanal ist die PPT-Sharing-Site sehr nützlich - vor allem weil ein Posting auf Slideshare die Messlatte für ein PPT höher legt: Die Präsentation ist dann schließlich nicht nur für einen kleinen Kreis bestimmt, sondern für das große weltweite Web-Publikum, und man befindet sich in Konkurrenz zu Präsenationen, bei denen viel Arbeit in Konzept und Design geflossen ist. Wenn das mal nicht motiviert, die eigenen Präsentationen Community-gerechter aufzubereiten…


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1 Antwort auf “Slideshare: Bilderbuch-Bibliothek für die Web-2.0-Generation”

  1. mfrohn42 sagt:

    Interessant ist vielleicht auch die Möglichkeit, die Slideshow direkt auf die eigene Webseite einzubinden - man braucht dann keinen eigenen Player und bietet mehr als nur die Download-Möglichkeit.

    Nachteil: Potentiell werden die Webseiten-Besucher auf andere Funktionen oder Präsentationen “abgelenkt”.

    Beispiel:
    http://www.salesfactory42.com/de/saas-produkte/quote-fx_Angebotsmodul/

    www.salesfactory42.com

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