Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Wilhelm Greiners Communitainment-Blog für November, 2009.
27.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Letzte Woche hatte ich ein ausführliches und spannendes Gespräch mit Nikos Drakos, der als Research Director beim Marktforschungshaus Gartner für die Themen Social Software und Collaboration zuständig ist. Nach einer längeren Diskussion um die Best Practices bei der Einführung von Social Software in Unternehmen kam die Sprache auf die Motivation für Mitarbeiter, sich aktiv in ein firmeninternes Social Network einzubringen.
Gartner-Analyst Nikos Drakos. Bild: Gartner
“Die Teilnahme muss einen Sinn ergeben”, so Drakos, “und man muss einen Einblick in das Ergebnis erhalten.” Denn letztlich wünsche der Mitarbeiter, dass sein Beitrag in der Community mit seiner Leistung im Unternehmen verknüpft wird - sprich: dass sie honoriert wird, auf die eine oder andere Weise.
Als wichtiges Incentive für die Teilhabe an einer Community nannte der Analyst spontan: “Reziprozität”. Zu recht. Denn so fremd und sperrig dieser Latinismus wirkt, so vertraut ist er uns aus dem Alltag, bezeichnet er doch schlicht den gegenseitigen Nutzen einer sozialen Interaktion: Gibst du mir etwas, gebe ich dir etwas.
Jeder kennt das: Wenn man etwas geschenkt bekommt, fühlt man sich unterschwellig automatisch verpflichtet, dem Schenkenden etwas zurückzugeben. Ich glaube, es war Jacques Derrida, der deshalb argumentiert hat, die kleinste ökonomische Transaktion sei nicht die Gabe, sondern der Tausch - ein Geschenk sei also immer nur der erste Teil eines impliziten Handels. (Kann mich aber irren, ist schon lange her…)
Dieses Prinzip der Reziprozität ist ein zentraler Pfeiler menschlichen Miteinanders: Könnten wir bei einem Tausch nicht davon ausgehen, für das Gegebene etwas zurückzuerhalten, würde unser Zusammenleben nicht funktionieren, sondern in Misstrauen und Missgunst versinken. Insofern ist der Begriff “Social Network” durchaus gut gewählt: Das Funktionsprinzip einer Social Community ist das gleiche wie im Offline-Alltag, nur eben mit Web-2.0-Mitteln ins Online-Zeitalter transponiert.
In Consumer-Netzwerken ist einer der wichtigsten Benefits, die man aus einem Social Network zieht, das Entertainment. Und dies wird, da bin ich mir sicher, im Rahmen der allgegenwärtigen “Consumerization” des beruflichen IT-Alltags auch in Social Networks innerhalb eines Unternehmens ein wichtiger Motivator sein: Es muss unterhaltsam sein, an einer Firmen-Community mitzuwirken.
Weitere Faktoren sind, so Nikos Drakos, allerdings mindestens ebenso wichtig für die Motivation. Drakos erinnerte sich in unserer Diskussion an die Frage eines Risikokapitalgebers, der um Venture Capital Anfragende mit der Frage konfrontierte, welche der sieben Todsünden ihr Geschäft für Kunden attraktiv mache: Habgier? Eitelkeit? Faulheit? Neid? …?
In Social Communities reicht das Spektrum motivierender Ingredienzien somit von einer Befriedigung der Eitelkeit (Popularität aufgrund vieler Abrufe oder Demonstration von Kompetenz, angezeigt durch ein hohes Rating für eigene Postings etc.) über die der Genusssucht (Entertainment-Elemente) bis zur Erfüllung der Habgier (finanzielle Kompensation). Je stärker ein Social Network also Entertainment-Elemente bietet und Popularität oder auch Kompetenz deutlich sichtbar macht, desto eher dürfte wohl zumindest ein Teil der Mitarbeiter zu bewegen sein, selbst ohne finanzielle Anreize etwas beizutragen. (OK, mit Geld geht’s trotzdem leichter…)
Wichtig ist es laut dem Gartner-Analysten aber in jedem Fall für die Unternehmen, bei der Einführung von Social Software in Vorleistung zu gehen, um den Mechanismus der Reziprozität in Gang zu setzen: Ein Mitarbeiter muss auf den ersten Blick erkennen, dass ihm dieses Netzwerk Vorteile verschafft - sonst wird er nur sehr schwer dazu zu motivieren sein, selbst etwas beizutragen.
Geschrieben in Social Software, Social Networks, Community-Building, Basics | Keine Kommentare »
23.11.2009 von Wilhelm Greiner.
In meiner Rolle als Inhaber des Redaktionsbüros Mitteilerei habe ich zusammen mit dem Atelier Wolfgang Traub in Staufen das gemeinschaftliche Projekt “Communitainment, Inc” ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, neue oder bestehende Communities zu beraten und mit Communtainment-Maßnahmen und -Materialien zu unterstützen, um das Interesse am jeweiligen Projekt und die Motivation von Community-Mitgliedern und -Neulingen zu fördern.
Unsere Ausgangsthese: Diejenigen Unternehmen und Organisationen werden sich am besten im Markt positionieren können, denen es gelingt, ihre eigenen Mitarbeiter, Partner, Kunden und Interessenten als Community zu verstehen, zu behandeln und zu organisieren. Denn der Trend geht zum Community-orientierten Arbeiten.
Zahlreiche Projekte - so zum Beispiel die Einführung von Social Software, aber ebenso Security Awareness, IT-Service-Management oder der ressourcenschonende Einsatz von IT-Infrastruktur (Green IT) - erfordern motivierte Mitarbeiter, Partner und Kunden, die sich freiwillig einbringen und gemeinsam zu einer Sache beitragen.
Community-Bewusstsein, Interesse und Motivation gilt es aber zunächst aufzubauen und gezielt zu fördern: durch Information, Anreize, Kommunikationsangebote und eben auch durch Unterhaltung. Es sollte eine Freude sein, an einer Community mitzuwirken. Dies zu fördern, dazu dient Communitainment. Denn Motivation und Freude am Mitmachen lassen sich nicht per Dekret verordnen oder per Richtlinie festschreiben.
Nachhaltiges Interesse an einer Community entsteht unter anderem durch:
* Neugier: Worum geht es da?
* einen klar erkennbaren Nutzen oder Mehrwert: Was bringt mir das?
* Möglichkeiten produktiver Interaktion: Wie kann ich mich mitteilen?
* Reputation: Wie finde ich Anerkennung?
* “In-crowd”-Denken: Wie kann ich dazugehören?
* kontinuierliche Aktualität: Was gibt es heute Neues?
* Reziprozität: Was bringt es mir, mich einzubringen?
* und nicht zuletzt Unterhaltungswert: Macht es Spaß, mit dabei zu sein?
Das gemeinschaftliche Projekt “Communitainment, Inc” der Mitteilerei hat des Ateliers Wolfgang Traub hilft Unternehmen und Organisationen dabei, diese Faktoren beim Aufbau oder Ausbau ihrer Communities gezielt aufzusetzen und zu stärken. Community-Orientierung wollen wir mit individuell konzipierten und erarbeiteten Communtainment-Maßnahmen und -Materialien unterstützen.
So erreichen Sie uns:
Mitteilerei Dr. Wilhelm Greiner
Pfarrweg 2
D-81539 München
Tel.: 0176/6294-6553
E-Mail: wilhelm.greiner@mitteilerei.de
Web: www.mitteilerei.de
Atelier Wolfgang Traub
Auf dem Graben 22a
D-79219 Staufen
Tel.: 07633/9233980
E-Mail: mail@wolfgangtraub.de
Web: www.wolfgangtraub.de
Geschrieben in Community-Building, Community-Management, Cartoon, Comics | Keine Kommentare »
21.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Social Software hat nun endgültig Einzug ins Weiße Haus gehalten: Wie Drupal.org meldete, hat das Executive Office of the President of the United States of America die Website whitehouse.gov auf eine Drupal-Plattform umgestellt. Drupal ist im Kern eine Open-Source-Lösung für das Content-Management, bietet aber dank weitläufiger Plug-in-Landschaft auch zahlreiche Features für das Social Networking.
Whitehouse.gov umfasst neben umfangreicher klassischer Content-Präsentation auch diverse Web-2.0-Angebote, darunter Blog-Seiten mit thematisch geordneten Texten, Bildern und Videos, Multimedia-Inhalte inklusive Live-Streams und Podcasts, RSS-Feeds sowie Links zu weiteren Social-Media-Kommunikationskanälen des Weißen Hauses wie etwa zur Twitter-Präsenz @whitehouse.
Whitehouse.gov auf Drupal-Basis ist damit natürlich ein großer PR-Gewinn für Drupals Open-Source-Community (”Das Weiße Haus nutzt Open Source!”). Zugleich aber ist die Social-Site ein Indiz dafür, dass nach Barack Obamas bekanntlich stark mit Web-2.0-Mitteln geführtem Wahlkampf das Thema Social Networking nun dauerhaft als Front-end für den Kontakt mit den US-Bürgern verankert ist.
Geschrieben in Social Software | 1 Kommentar »
19.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Der CRM-Anbieter Salesforce.com - der immer wieder gern als Referenz genannt wird, wenn es um Software as a Service (SaaS) oder Platform as a Service (PaaS) geht - ergänzt sein Portfolio um eine Social-Computing-Plattform: “Chatter” (auf Deutsch: “Geschwätz”, aber auch “Zähneklappern”) heißt das neue Angebot, dem Salesforce als Logo ein albernes Klapper-Gebiss verpasst hat. War wohl witzig gemeint.
Chatter, das im Laufe des nächsten Jahres verfügbar werden soll, wird auf der der hauseigenen PaaS-Plattform Force.com aufsetzen und soll dann so ziemlich alles bieten, was man heute von einer Social Software im Privatumfeld kennt und deshalb im Unternehmensumfeld erwartet: Social Profiles, Status-Update, Gruppen von Kontakten, Feeds, Social Content, ergänzende Social Apps, ein Sicherheits- und Berechtigungsmodell sowie APIs für die Kommunikation mit externen Social-Software-Lösungen. An Google, Facebook und Twitter will man ebenfalls gleich direkt andocken.
Damit sollen Social-Software-Features für alle Anwendungen verfügbar werden, die auf Force.com laufen - also sowohl für die hauseigenen Anwendungen als auch für die Lösungen aus Salesforce’ umfangreichen Partnerumfeld. Die Social-Komponente soll natürlich die Zielsetzung unterstützen, die Kundenbindung der Salesforce-CRM- und angrenzender Partnerlösungen durch all die schicken neuen Web-2.0-Mechanismen intensiver und effektiver zu gestalten.
Jedenfalls hat Salesforce verstanden, dass Enterprise-Lösungen und Social Computing zusammenwachsen.
Chatter hat das Potenzial, die Salesforce-Community einen großen Schritt nach vorn zu bringen. Die vielen kleinen Anbieter von Social Software erhalten damit einen weiteren mächtigen Konkurrenten. Das wird spannend.
P.S.: Danke an Michael Frohn von salesfactory42 für den Hinweis!
Geschrieben in Social Software | Keine Kommentare »
17.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Von der IT-Management-Lösung Spiceworks Desktop des Anbieters Spiceworks aus Austin, Texas war hier schon die Rede, ebenso auf meiner privaten Website. Denn die Software verbindet auf elegante Weise die Verwaltungsoberfläche, die der Administrator eines kleineren Netzwerks braucht, mit einem Community-Interface - wiederum konzipiert für Administratoren kleinerer Netze. IT-Management plus Social Networking in einem - das ist Best Practice. Dazu kommt, dass die Lösung über Werbung und Sponsoring-Partner finanziert wird - für den Endanwender ist die Web-Lösung mit ihrer flexiblen und modernen Ajax-Oberfläche gratis. Er muss eben nur damit leben können, dass Werbung in seinem Admin-Interface erscheint - und dass Spiceworks, zumal wenn er die Community eifrig nutzt, recht viel über seinen Admin-Alltag weiß.
Spiceworks bietet seit einiger Zeit eine Schnittstelle für Plug-ins. Ein neues Plug-in, das die Texaner zusammen mit Intel entwickelt und gestern vorgestellt haben, ermöglicht nun den energieoptimierten Desktop-Betrieb. Das Plug-in nutzt dazu Intels hauseigene Techniken AMT und vPro, versteht sich.
Intel AMT und vPro werden von vielerlei Tools genutzt. Das Schöne an der Spiceworks-Lösung ist, dass sie - zum Beispiel in ihrer Diskussionsgruppe zu Green IT - zugleich die Möglichkeit bietet, über die Vorteile dieses Plug-ins für die Stromrechnung des Unternehmens zu diskutieren und Erfahrungen mit anderen Admins zu teilen.
IT-Management + Social Networking + Energiespar-Tools = großes Potenzial, den umweltgerechten IT-Einsatz in Fahrt zu bringen. Oder etwa nicht?
Geschrieben in Social Networks, Social Software, Green IT, IT-Management, Interface Design, Kudos | 1 Kommentar »
15.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Die Website www.nativeintelligence.com führt ein umfangreiches Sortiment generischer Security-Awareness-Materialien: Zur Auswahl stehen neben Hunderten von Postern auch zahlreiche andere Materialien wie Kalender, Bookmarks, Notizblöcke, Broschüren oder auch Verpackungen für Süßkram, um Mitarbeiter förderliches Verhalten zu belohnen. Die Materialien sind praktisch alle auf Englisch (von einigen spanischen Postern abgesehen) und taugen damit für ein deutsches Unternehmen lediglich als Pool für die Ideensammlung.
Bild: Native Intelligence, Inc.
Security-Awareness-Experten warnen außerdem vor der Benutzung generischen Materials, so auch kürzlich wieder auf der Awareness-Konferenz secAware in Düsseldorf (siehe auch hier). Allerdings benutzen Fachleute wie zum Beispiel Dietmar Pokoyski von known_sense für ihre Awareness-Arbeit gerne originelle Gadgets als Eye-Catcher und Incentives; diese Gadgets - etwa Pokoyskis Giveaways à la Passworthalter, Lego-Virenbausatz oder Virenquartett - können in abgewandelter Form durchaus für mehrere Projekte Verwendung finden.
Im Spannungsfeld zwischen ausgefeilten, unternehmensspezifischen Awareness-Projekten und billigem, aber vielleicht auch schnell wieder vergessenem Awareness-Material stellt sich die Frage, wie jene Unternehmen zu einer nachhaltigen Sicherheitskultur kommen sollen, die sich kein teures Individual-Consulting leisten können.
Experten wie Michael Helisch von Hecom betonen hier die Bedeutung einer Unternehmenskultur, die den einzelnen Mitarbeiter ernst nimmt und ein angenehmes und damit motivierendes Arbeitsumfeld schafft, während Dr. Johannes Wiele von der Defense AG auf das Coaching der Führungskräfte setzt, die dann wiederum als Vorbild für ihre Kollegen dienen (sollten).
Die inzwischen schon einigermaßen verbreiteten und erschwinglichen Social Software-Lösungen bietet zudem eine geeignete technische Basis, um schnell und hierarchiearm unternehmensweite Diskussionen über Aspekte wie zum Beispiel den Umgang der Mitarbeiter mit IT-Sicherheit auszudiskutieren und gemeinsame Richtlinien für das erforderliche Verhalten zu erarbeiten. Wenn denn Dinge wie “schnell und hierarchiearm”, “ausdiskutieren” und “gemeinsam erarbeiten” überhaupt erwünscht sind…
Best Practices für Awareness-Arbeit diesseits aufwändiger individueller Consulting-Projekte müssen sich wohl erst noch etablieren. Wer weiß Beispiele dafür?
Geschrieben in Social Software, Security Awareness, Cartoon | Keine Kommentare »
13.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Die Chicago Tribune brachte vor Kurzem einen netten Artikel über das so genannte “Rotnem”-Programm eines Unternehmens: “Rotnem” ist das Wort “Mentor” rückwärts buchstabiert und beschreibt den Umstand, dass jüngere Mitarbeiter den älteren Kollegen und Vorgesetzten den Umgang mit den schicken neuen Software-Tools wie Blogging und Twitter näherbringen.
Der Artikel “Younger employees help senior executives unlock social media mystery” umreißt, wie ein solches Rotnem-Programm den Austausch von Wissen zwischen den Generationen bidirektionaler gestaltet, die Kommunikation im Unternehmen damit produktiver macht und zugleich Hierarchien abbaut (”senior” heißt im Englischen schließlich sowohl “älter” als auch “vorgesetzt”).
Als Beispiel für das Rückwärts-Lernprogramm dient der Zeitung ausgerechnet die lokale PR-Agentur Edelman, die sich in Sachen Social Media sehr profiliert zeigt - und die hier somit einen netten PR-Coup in Sachen Social Media gelandet hat.
Social Software stellt insbesondere (wenn auch längst nicht nur) ältere Mitarbeiter (”Digital Immigrants”) vor die Herausforderung, den Umgang mit neuen Werkzeugen der Kommunikation erlernen zu müssen - während häufig die jüngeren Kollegen als “Digital Natives” mit den Tools geübter umgehen als mit Messer und Gabel (McDonald’s sei dank).
Im Beitrag kommentiert Edelman-Managerin Janet Cabot ihre anfängliche Lernsituation: “Man fühlt sich dumm. Und wenn man mal ein bestimmtes Alter erreicht hat, will man sich nicht dumm fühlen.” Natürlich kommt der Beitrag zu dem Schluss, dass solche Programme sinnvoll und nützlich sind, gerade weil sie diese Wissenslücken überwinden helfen.
Ein Reverse-Mentoring-Programm ist damit sicherlich ein nützlicher Ansatz, um den “Knowledge Gap” zwischen den Einwanderern und den Eingeborenen der Web-2.0-Welt zu schließen. Aber vielleicht gibt es ja weitere Vorgehensweisen, bei denen sich die einwandernden Mitarbeiter nicht gleich ganz so dumm fühlen? Oder frisst hier nur die Hierarchiedenke ihre Kinder?
Geschrieben in Social Software, Community-Building | Keine Kommentare »
11.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Bei seiner Präsentation auf Citrix‘ internationaler Pressekonferenz in Budapest genstern startete Simon Crosby, CTO der Virtualization and Managemend Division bei Citrix, mit Industrieschelte: Heutige IT-Umgebungen seien wie überladene Kleinlaster: unflexibel, kompliziert und kurz vor dem Zusammenbruch - und die IT-Anbieterschaft ist selbst daran schuld, wie Crosby gerne eingestand.
Er verglich das Arbeiten mit dieser Ansammlung von Altapplikationen mit der Umgebung, die heutige Privatanwender bei sich zu Hause vorfinden: “Die Menschen stellen fest, dass sie zu Hause produktiver sind”, so Crosby. Denn privat genutzte Anwendungen sind flexibler und vor allem wesentlich intuitiver zu bedienen - ein Hauptgrund für die auch von Citrix gerne beschworenen Consumerization (Verschmelzung privater und beruflicher IT-Nutzung - siehe auch hier).
Für Enterprise-Anwendungen gilt es also heute, mit diesen Vorgaben aus dem Privatumfeld mitzuhalten. Laut Crosby sollen Virtualisierung und Cloud-Computing dieses Dilemma aus der Welt schaffen, indem der Business-Anwender künftig seine IT-Ressourcen einfach “aus der Wolke” bezieht, wie Privatanwender dies mit gehosteter E-Mail, Suche (Google), Verkauf (ebay) oder auch Kontaktpflege (Xing, LinkedIn, Facebook) schon längst handhaben - nur eben gemäß den Sicherheits- und Compliance-Anforderungen der Unternehmen.
Cloud Computing werde damit einen “Innovationssturm” auslösen, verkündete der Citrix-Vordenker. “Bei der Virtualisierung geht es um Separation”, so Crosby - nämlich die Trennung der beteiligten technischen Schichten, um die IT-Bausteine dynamisch zu Cloud-basierten Services zu kombinieren.
Der Consumerization will Citrix durch die Lösung XenClient den Weg ebnen: XenClient ist ein Bare-Metal-Hypervisor, also eine Virtualisierungsschicht, die direkt auf der PC-Hardware aufsetzt und diesen in Virtual Machines unterteilt. Dank ihr kann der Anwender auf Knopfdruck zwischen seiner privaten und seiner beruflichen Arbeitsumgebung (sowie bei Bedarf weiteren) wechseln. XenClient soll nächstes Jahr auf den Markt kommen.
So nützlich und schick XenClient ist: Letztlich ist auch ein solcher Hypervisor aus Sicht eines heutigen Informationsarbeiters lediglich ein Werkzeug, um zwischen zwei Welten hin- und herzuschalten, die - denkt man das Konzept Consumerization zu Ende - immer mehr verschmelzen (und eben nicht einfach parallel existieren): Was ist, wenn ich LinkedIn privat und beruflich nutze? Lässt sich das überhaupt trennen? Brauche ich beim Twittern zwei Accounts, jeden auf einer separaten Virtual Machine? Soll ich nun zwei separate Kalender führen?
Mittelfristig wird es für Knowledge-Workers nicht praktikabel sein, ständig zwischen privater und beruflicher Welt wechseln zu müssen. Die Herausforderung für Unternehmen liegt vielmehr in der möglichst effektiven Verzahnung der aus öffentlichen Clouds bezogenen (auch der privat genutzten!) Anwendungen mit den hauseigenen Enterprise-Clouds (verwirrenderweise “Private Clouds” genannt, als Gegensatz zu den Public Clouds von Amazon, Google und Co.).
Wie produktiv die Knowledge-Workers von morgen arbeiten können, wird in hohem Maße davon abhängen, die elegant einem Unternehmen (bzw. dessen Cloud-Service-Provider) dieser Nexus gelingt - wohlgemerkt unter Beachtung all der schönen und sich stetig vermehrenden Sicherheits- und Compliance-Anforderungen, die ein Unternehmen zu beachten hat.
In Citrix’ Bring-your-own-PC-Programm nutzen die Anwender private Endgeräte und greifen dann über den Citrix-Client via VPN auf ihre Business-Anwendungen zu - im Prinzip also wie zu guten alten Terminal-Server-Zeiten, nur eben von ihrer eigenen Umgebung aus. Office-Arbeit und Zusammenarbeit im Team könnte künftig aber wohl noch ein Stückchen eleganter vonstatten gehen.
Laut Crosby hat Citrix dazu auch schon Software in seinem Labor in Vorbereitung. Man darf also gespannt sein…
Geschrieben in Consumerization, IT-Management, Virtual Desktops | Keine Kommentare »
10.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Bei einer weltweiten Citrix-Pressekonferenz in Budapest hat heute Raj Dhingra, Vice President von Citrix’ Desktop Delivery Group, den Weg hin zur Bereitstellung von Desktops als On-Demand-Service - also nach Bedarf und aus der Internet-Wolke heraus - skizziert.
Ein wichtiger Aspekt in dieser Entwicklung ist laut Dhingra die “Consumerization” der IT: Mitarbeiter, die ihre private Hardware und Software auch im Unternehmen nutzen - bis hin zur auch bei Citrix selbst inzwischen eingeführten Vorgehensweise “Bring your own Computer” (BYOC).
Noch nützlicher wird BYOC laut Dhingra durch Virtualisierung: Anwender können damit auf einem Gerät ihre privaten und ihre beruflichen (und potenziell weitere) Umgebungen betreiben und “auf Knopfdruck” wechseln. Der Bezug von Applikationen erfolgt dabei in Citrix’ Konzept über ein Portal wie das hauseigene Dazzle (oder Apples iPhone-AppStore, der heute vielen Delivery-Konzepten als Vorbild dient).
Dies ist alles durchaus sehr anwenderfreundlich - sofern das Unternehmen zumindest den grundlegenden Support im Problemfall übernimmt, statt den Anwender damit ganz allein zu lassen. Denn Desktop as a Service (DaaS) heißt auch: als Self-Service - der Anwender muss sich selbst darum kümmern. Je besser automatisiert und je einfacher, desto nützlicher ist das Konzept für den Benutzer. Im Ernstfall wird er aber weiterhin den Service-Desk als Ansprechpartner haben wollen - und brauchen.
Auch die Einführung von DaaS und BYOC muss den Mitarbeitern eines Unternehmens deshalb erst vermittelt werden: Es ist für viele ein ganz neues Konzept und wird für Verunsicherung sorgen: Was darf ich in welcher Situation tun, was muss ich bleiben lassen, wie muss ich mich verhalten? Unternehmen sollten sich deshalb nicht darauf verlassen, dass neue nützliche Technik sich “von selbst” verbreiten wird - das ist eine typische Techie-Perspektive, die zu kurz greift.
Eine sinnvolle Vorgehensweise könnte es sein, den Wandel hin zu DaaS und BYOC im Unternehmen zu diskutieren - mittels Social Software oder auf die gute alte Offline-Weise in Meetings und Versammlungen. Best Practice ist es in diesem Umfeld, die Policy für den Gebrauch privater Hardware im Unternehmen gemeinschaftlich zu erarbeiten.
Schließlich sollen die Mitarbeiter ja ihre eigene Hardware einbringen. Im Rahmen von Citrix’ BYOC-Programm bekommen sie dafür eine finanzielle Kompensation. Es geht hier aber um einen Wandel der Arbeitskultur und nicht nur um eine Änderung des Beschaffungswegs.
Geschrieben in Consumerization, Virtual Desktops | 1 Kommentar »
8.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Während F-Secure, Anbieter von Anti-Viren-Software, für Security-Awareness-Arbeit auf gemeinsam mit der Wreckamovie-Community erarbeitete Web-Movies setzt (siehe hier), geht Sourcefire ebenfalls multimediale, aber vergleichsweise konservative Wege: Der IT-Security-Anbieter stellt jeweils im Nachfeld von Microsofts allmonatlichem Patch Day Schwachstellen-Reports als Videos vor.
Diese Videos sollen dem Publikum laut Sourcefire einen Überblick über die Hauptrisiken des aktuellen Monats verschaffen, damit Unternehmen die Bedrohungslage und mögliche Auswirkungen auf ihr Geschäft besser einschätzen können.
Der Anbieter verspricht “fundiertere, in gedruckter Form nicht vermittelbare Einblicke in Sicherheitslücken” zur besseren Planung von Abwehrmaßnahmen. Das aktuelle Video steht auf YouTube, auf www.snort.org/vrt sowie auf iTunes als Podcast zur Verfügung
Die beiden Multimedia-Kampagnen haben ganz unterschiedliche Zielgruppen und Einsatzbereiche und sind damit nicht direkt vergleichbar. Dennoch: Wenn man jetzt nur über verlässliche Messmethoden verfügen würde, um zu beurteilen, welche der beiden Kampagnen nachhaltigere Erfolge erzielt…
Geschrieben in Security Awareness, Video | Keine Kommentare »