Archive für Februar 2010

Ein smarter Planet braucht smartere Konferenzen

IT-Gigant IBM hat auf der Partner- und Kundenkonferenz “Pulse” seiner Management-Software-Division Tivoli die Notwendigkeit eines intelligenten, IT-gestützten Gebäude-Managements - und damit die hauseigene Management-Lösung Maximo - ins Rampenlicht gerückt. Denn nicht Autos, sondern Gebäude seien die größten Treibhausgasschleudern, betonte Tivoli-Chef Al Zollar in seiner Keynote.

Laut IBMs Angaben sind Gebäude in den USA für 70 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich - der deutsche Bauingenieur seufzt an dieser Stelle, runzelt die Stirn und nickt seinem Sitznachbarn wissend zu. Gebäude seien zudem die Quelle von 38 Prozent des CO2-Ausstoßes, im dicht besiedelten Stadtgebiet von New York City sogar von 80 Prozent. Der Grund dafür ist Ineffizienz bei der Versorgung mit Wärme, Strom und Wasser (wenn wir ineffizente Bauweisen einmal großzügig außen vor lassen).

IBM hat deshalb - mit festem Blick auf das IP-basierte Facility-Management, wie manche anderen Vertreter der IT-Branche auch - das Einziehen eines Intelligence-Layers, also einer IT-gestützten Steuerungsebene, in die Gebäude gefordert. Dazu hat IBM seine Partnerschaft mit Johnson Controls ausgebaut sowie eine neue Kooperation mit Druckerhersteller Ricoh für ein umweltfreundlicheres Drucker-Management vorgestellt.

Green IT kann in der Tat auch und gerade außerhalb des Rechenzentrums einen wichtigen Beitrag für Energieersparnis und Umweltschutz - oder, wie IBM es nennt: für einen “smarteren Planeten” - leisten. Das hat zum Beispiel der WWF-Experte (World Wildlife Fund) Dennis Pamlin bereits Anfang 2008 auf einem Berliner Green-IT-Gipfel deutlich hervorgehoben.

Eine beachtliche Ironie liegt aber in der Tatsache, dass Big Blue für smartere Gebäude ausgerechnet an einer Stätte exzessiver Energieverschwendung plädierte: Die Pulse fand in Las Vegas statt, einer künstlichen Hotel-, Konferenz- und Glücksspiel-Oase mitten in der Wüste von Nevada. Man darf spekulieren, was mehr Treibhausgase verursacht: die typisch amerikanische Klimatisierung (aber bitte höchstens 16 Grad!) tagsüber oder nachts die flächendeckende Christbaumbeleuchtung jener Stadt, die sich als das Glücksspiel-Mekka der Welt betrachtet.

IBM veröffentlichte als Beleg für die Effizienz der Maximo-Software einen Video-Clip über deren Einsatz im Venetian Resort Hotel in Las Vegas. Der Film zeigt aber in erster Linie die maßlose Energie- und Ressourcen-Verschwendung der gigantomanischen Wüstenhotels: Las Vegas, so heißt es im Video-Clip, sei der Standort von 17 der 20 größten Hotels in den USA, und man empfange jährlich 37 Millionen Gäste. Alles im Clip natürlich üppig illustriert mit jenen Bildern, wie man sie von Las Vegas zur Genüge kennt: ein Haufen Hotels, die wie lebensgroße Werbetafeln ihrer selbst quietschbunt illuminiert in den Nachthimmel leuchten.

Im Sinne des Umweltschutzes kann man der IT-Branche nur möglichst viel Erfolg wünschen bei ihrem Unterfangen, durch intelligenten IT-Einsatz effizientere Rechenzentren, Infrastrukturen, Verkehrsleitsysteme, Versorgungseinrichtungen, Gebäude, Hotels und meinetwegen sogar einen smarteren Planeten zu ermöglichen. Aber man darf sich nicht nur auf IT verlassen.Was die IBM Pulse auch zeigte, ist die Notwendigkeit smarterer Kundenveranstaltungen. Warum muss man Tausende von Kunden, Partnern und Mitarbeitern aus aller Welt nach Las Vegas einfliegen, um ihnen mitten in der Wüste mehr Energieeffizienz zu predigen? Ist IBM hier der sprichwörtliche Prediger in der Wüste oder nicht vielmehr dessen Parodie?Gerade ein IT-Konzern sollte Vorreiter sein bei dem Unterfangen, solche Konferenzen mittels IT-Einsatz (Videokonferenzen, Webcasts, Podcasts etc.) zu virtualisieren. Ja, ich weiß: Natürlich will man den lieben Kunden auch persönlich die Hände schütteln können - aber vielleicht täte es ja auch ein mittels Videokonferenzen und gestreamter Keynotes virtuell verknüpfter Verbund aus Regionalkonferenzen, zu denen zumindest die meisten Teilnehmer ohne Flugzeug anreisen können?

Nächste Woche treffe ich Leute von IBM, da kann ich das ja mal vorschlagen. Leider treffe ich sie ausgerechnet auf der CeBIT, der wohl umweltschädlichsten, weil ebenfalls gigantomanischen Monster-IT-Messe im “schönen” Hannover/Laatzen.

Aber vielleicht wird unser Planet ja eines Tages so smart, dass wir auf den Veranstaltungs-Dinosaurier CeBIT verzichten können.


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Social-Media-Experiment führt zu GEZänk

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, rät der Volksmund. Er sollte aber auch um sein Glashaus herum keine Wurfgegenstände bereitlegen. Oder gar Katapulte parken. Dies gilt auch im Bereich Social Media: Im Web 2.0 ist das interaktive Glashaus nur einen virtuellen Steinwurf weit entfernt.

Viele Unternehmen schrecken vor dem Thema Social Media zurück, weil sie verbalen oder gar multimedialen Vandalismus befürchten. In aller Regel sind diese Befürchtungen - das stellen Unternehmen dann oft zur eigenen Überraschung fest - allerdings völlig unbegründet. Eine Ausnahme bilden Unternehmen, Institutionen und Organisationen, die bei nennenswerten Teilen der Bevölkerung ausnehmend unbeliebt sind, aus welchen Gründen auch immer - also etwa Politessen, das Finanzamt, die Gebühreneinzugszentrale  (GEZ) der Radio- und TV-Sendeanstalten oder der “Kundenservice” der Deutschen Telekom.

Derartige Außenseiter dürften kaum hoffen, auf Facebook nennenswert über eine zweistellige Zahl von Fans hinauszukommen - außer sie arbeiten mit unlauteren Mitteln - wie laut Medienberichten der Deutsche Bauernverband oder die Süddeutsche Zeitung - und erklären sich damit praktisch bereit, sich “#socialmediafail” auf die Stirn tätowieren zu lassen.

Vor diesem Hintergrund ist es eher unwahrscheinlich, dass Politessen sich zusammentun, um ein Wiki namens politessen-beschimpfung.de aus der Taufe zu heben. Und das Finanzamt wird hoffentlich nie unsere Steuergelder dafür verschwenden, das Diskussionsforum sag-dem-finanzamt-deine-meinung.de aufzusetzen oder auf Facebook Fans einsammeln zu gehen.

Ganz anders hingegen die GEZ: Unter www.gez-meine-meinung.de haben die Gebühreneinzieher Anfang Februar - voll am Puls der Zeit, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen eben ist - ein Social-Software-Portal freigeschaltet. Allerdings nur von Montag bis Freitag und von von 8 bis 22 Uhr (außer an NRW-Feiertagen), denn es ist ein moderiertes Forum, und als GEZ-Moderator hat man eben geregelte Arbeitszeiten, da muss sich der Kunde schon danach richten.

100218-screen-gez-meine-meinung.png Zum Vergrößern bitte Bild anklicken.

Seither diskutiert die Web-2.0-Szene - mal amüsiert, mal verärgert, gerne auch mal sarkastisch, aber durchaus auch konstruktiv (siehe hier und hier) - über das Social-Media-Gebaren der Geldeintreiber für das (überwiegend) öffentlich-rechtliche Sendegeschehen - und darüber, wie eklatant die GEZ Ausmaß und Härte der zu erwartenden negativen Kommentare unterschätzt hat. Man wollte ein Forum für den Meinungsaustausch der Teilnehmer untereinander bieten - um dann selbst als Zielscheibe zahlreicher Verbalattacken dazustehen.

Die Forumsbetreiber haben einen Verhaltenskodex veröffentlicht - was sinnvoll und auch gar nicht zu beanstanden ist - und mussten feststellen: Einige Diskutanten verschafften - wer hätte das je gedacht? - ihrem angestauten Unmut über die als gesetzlich sanktioniertes Raubrittertum empfundene GEZ-Aktivität reichlich unverblümt Luft - oft schon in der Wahl ihres Alias für das Forum. Und so sahen sich die GEZ-Moderatoren genötigt, einige Beiträge sowie selbstverliehene beleidigende Teilnehmernamen zu löschen. Was den Moderatoren - auch dies war abzusehen - geradezu zwangsläufig den Vorwurf der Zensur einbrachte und die Debatte natürlich erst recht aufheizte. Ein klassischer Social-Media-Fehlstart - nur diesmal eben mit “Ladenöffnungszeiten” und auf Kosten der Gebührenzahler.

Das PR-Team von US-Präsident Obama - dessen Wahlkampf für effektive Social-Media-Nutzung hochgelobt worden war - kommuniziert auf www.whitehouse.gov mit dem US-Volk auf einer Web-2.0-fähigen Drupal-Plattform - nutzt diese aber als reines Push-Medium für Informationen (wie hier schon einmal erwähnt). Denn Obamas Kommunikationsprofis wissen: Ein Forum hätte enorme Anziehungskraft für die Steinewerfer aus dem republikanischen Lager. Also lassen sie die Finger davon.

Denn Social Software ist kein Allzweckwerkzeug für jeden Kommunikationsbedarf. Dass die GEZ sich auf eine Social-Software-Plattform eingelassen hat, war deshalb, nun ja: mutig. Nicht intelligent, aber mutig.

Denn abgesehen davon, dass die GEZ auf die erwartbaren Flames nicht angemessen vorbereitet war, fehlt der Plattform gez-meine-meinung.de die Antwort auf eine zentrale Frage: Warum gibt es das Forum überhaupt?

Die GEZ-Kritiker im Web 2.0 - “internetaffine Zielgruppen”, die die GEZ laut eigener Pressemitteilung mit dem Forum erreichen wollte - sind häufig verärgert darüber, dass der Gebühreneinzug auf TV-taugliche Computer ausgedehnt werden soll. Und diesem Ärger machen sie schon längst in diversen Foren Luft, etwa in der Facebook-Gruppe “Gegen GEZ” mit über 1.500 Mitgliedern.

Dabei hätte das Thema - das hat die GEZ immerhin erkannt - durchaus eine grundlegende und ernsthafte Debatte verdient. Denn einerseits bewahren uns staatlich subventionierte Medien eine gewisse informationelle Grundsicherung: Mir sind “tagesthemen”, “heute journal” oder “hart aber fair” allemal lieber als das, was viele US-Fernsehstationen ihrem Publikum als “Nachrichtensendung” oder “Polit-Talk” vorsetzen. Andererseits ist im Web-2.0-Zeitalter - in dem jeder Anwender Sender und Empfänger zugleich ist - nicht mehr vermittelbar, wieso zum Beispiel ein Blogger selbst Inhalte gratis produzieren, dann aber verkrustete Beamtenapparate für ein antiquiertes Subventionsfernsehen bezahlen soll. Aus Sicht der Fernsehmacher eine Zwickmühle, die aber jene oft gar nicht erst erkennen, die eine Wikinomics-Mentalität bereits verinnerlicht haben oder gar mit ihr aufgewachsen sind.

Social-Software-Plattformen sind sinnvoll und nützlich, wenn ein Unternehmen oder eine Organisation den Anwendern damit Werkzeuge liefern kann, um sich besser zu vernetzen und produktiv auszutauschen - wie das etwa in Microsofts Technet oder in IBMs zahlreichen Communities passiert. GEZ-Gegner können sich aber auch ohne Hilfe der GEZ ganz gut selber vernetzen. Aus ihrer Sicht kommt deshalb nun eine Kontrollinstanz daher, macht eine “Social”-Plattform auf und will damit die Debatte kontrollieren.

Das muss natürlich erst einmal zum Eklat - oder zumindest zum Sturm im Wasserglas - führen. Wenn die GEZ Glück hat, verfliegt irgendwann der Reiz, auf gez-meine-meinung.de Flames zu posten, und es kommt mit einigem Zeitverzug doch noch ein Debättchen in Gang, wenngleich in einem ramponierten Glashaus.

Sinnvoller wäre es jedenfalls gewesen, die GEZ hätte sich in den diversen bestehenden Foren auf die sowieso schon längst laufende Diskussion mit den Web-2.0-Anwendern eingelassen. Natürlich nur werktags von 8 bis 22 Uhr (außer an NRW-Feiertagen).


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Das Splinternet: Entzieht Facebook Google den Boden?

“Sozial ist, was Arbeit schafft”, so das altbekannte Mantra mancher Politiker. Im Web gilt derzeit: Sozial (Verzeihung: “Social”) ist, was Arbeit behindert - nämlich die der Suchmaschinen.

Social-Network-Betreiber Facebook war lange - völlig berechtigt - im Kreuzfeuer der Kritik, weil er Anwender dazu verleitet hatte, allzu viel über sich und ihr Umfeld preiszugeben. Diesen Misstand hat Facebook inzwischen zum guten Teil behoben: Häufig wird man darauf hingewiesen, dass man diesen Status-Update oder jenes Foto nicht öffentlich machen muss, sondern auch nur seinen Freunden mitteilen kann. Wer dann außen vor bleibt, ist nicht nur die große weite unbefreundete Welt, sondern auch Herr Google und seine Kollegen. Dann sind die Inhalte nämlich nicht mehr für Googles Crawler abgreifbar.

Aus Datenschutzsicht ist dieser Ansatz richtig, wichtig und löblich. Aus der Sicht einer Suchmaschine wie Google (”Ich weiß mehr über euch als ihr selbst, und jetzt bringe ich auch noch Mobiltelefone mit Geolocation unters Volk!”) bedeutet das aber, dass die Masse der Informationen, die für jeden per bequemer Schlagwortsuche zugänglich sind, bald deutlich kleiner ausfallen könnte: “Gooogle” statt “Gooooooooogle” (Spaß mit Fußzeilen).

Im Extremfall könnte das heißen, dass das weltweite Web in viele kleine Community-weite Webs zerbröselt. Diesen Zustand nennen die Forrester-Analysten Josh Bernoff und Shar van Boskirk im gleichnamigen Report von Ende Januar das “Splinternet” (Spaß mit Wortspielen). Neben den Social Networks sehen die Forrester-Forscher als weitere Treiber dieser Entwicklung in Richtung “Splitternetz” Medienbarone, die Online-Inhalte nur noch zahlenden Abonnenten anbieten wollen, und Software-Monopolisten wie Apple, die über App Stores Zahl und Auswahl der verfügbaren Anwendungen kontrollieren.

In der Tat erwägen dieser Tage manche Verlagshäuser mal wieder das Prinzip “Paid Content” (Bezahlinhalte), wie dies zum Beispiel das Wall Street Journal handhabt. Und in der Tat finden “Apps”, wie es für das iPhone schon über 100.000 gibt, zunehmende Verbreitung. Ja, der Begriff “App”, im Grunde nur die Abkürzung für “Application”, bürgert sich immer mehr als Synonym für jene Art von Mobiltelefon-Anwendungen ein, mit denen der User von Welt heute durch sein persönliches Web-2.0-Universum surft - was aber eben nur mit dem Kleinstcomputer dieses einen Herstellers geht. Solche proprietären Benutzerumgebungen werden laut Bernoff und van Boskirk “überall im Web auftauchen”.

Recht melodramatisch schreiben die beiden Analysten (deren Report sich vorrangig damit befasst, wie die Online-Marketiers auf diese Entwicklung reagieren sollten), die “Unschuld des Internets” sei damit verloren: “Schwelgen Sie nur in Erinnerungen, aber das goldene Zeitalter des Internets ist vorbei.” Der König ist tot, lang lebe die Herde kleiner Community-, Content- und App-Store-Fürsten.

Ganz so (melo-)dramatisch wird’s aber wohl (hoffentlich!) nicht werden. Denn auch in den Social Networks gibt es zahlreiche Benutzer, die Informationen über sich öffentlich zugänglich machen wollen. Dieser Tage gibt es insbesondere in den USA geradezu einen Run von Firmen auf die Facebook-Plattform, und die werden ihre Social-Network-Präsenzen sicher nicht vor Google verstecken, will man doch viele, viele Friends, Fans und Followers einsammeln.

Und die Apps? Die Monopolmacht der App-Store-Betreiber ist in der Tat bedenklich, aber auch diesseits von iPhone und Co. sind Applikationen häufig proprietär; plattformübergreifende Open-Source-Software wie Firefox und Thunderbird sind da eher die Ausnahme. (Schon mal versucht, eine Keynote-Präsentation mit Powerpoint zu öffnen?) Auch in der PC-Welt herrscht oft ein rauer Wind beim Kampf um die Vorherrschaft auf Applikationsebene. Microsoft steht schließlich im Ruf, dem Monopolistentum nicht gänzlich abhold zu sein - und trotzdem konnte man zwar Netscape abservieren, nicht aber Firefox verhindern.

Die Verleger wiederum sollten sich heutzutage eher darüber Sorgen machen, dass immer mehr Informationsaustausch in Online-Communities stattfindet, statt den Umweg über die hauptamtlichen Journalisten zu nehmen. Da werden sie es sich genau überlegen müssen, ob sie mutwillig noch mehr potenzielle Leser aussperren - auch wenn manch einer das sicher versuchen wird im Streben nach Web-1.0-Geschäftsmodellen in einer Web-2.0-Welt.

In gewisser Weise haben die Forrester-Analysten sicher recht, wenn sie das “Ausfransen” des Internets proklamieren (”The standardized Internet is fraying.”) Das Internet ist ständig im Wandel, es franst ständig aus, und aus den Fransen wird dann weltweit wieder Neues gewoben (… oder sagt man “weltweit gewebt”? Spaß mit Konjugationen).

Die Web-Gemeinde wird Wege finden, über News zu diskutieren, auch außerhalb des Reichs von Murdoch und Co. Die App-Anwender werden APIs fordern, um ihre Informationen auch vom PC, Netbook oder eBook-Reader aus abzurufen, so wie auch Twitter dank Schnittstellen zu Linkedin oder Tweetdeck erst so richtig nützlich ist. Und der arme, ausgesperrte Search-König Google hat mit Google Buzz gerade ein eigenes Social Network vorgestellt.

Ein fröhliches Fransen allerorten. Das schafft Arbeit.

(Update 12.02.10) Laut Techcrunch übernimmt Google zudem die Social-Search-Plattform Aardvark. Google wird also praktisch täglich “sozial vernetzter”. ;-)


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Social-Networking-Richtlinien: Notwendig, übel oder notwendiges Übel?

Der deutsche Ableger des US-Analystenhauses IDC hat kürzlich ein Thesenpapier zum Umgang der Unternehmen mit dem Phänomen Social Networking herausgebracht: “Soziale Netzerke (gemeint ist: Netzwerke) im Web 2.0 Zeitalter (gemeint ist: heute)”. Der auffallend skeptische Untertitel: “Notwendiges Übel oder unvermeidbare Notwendigkeit?” Streichen wir aus dieser Gegenüberstellung auf beiden Seiten das “notwendig” heraus, dann stellt sich für die Analysten offenbar die Frage: Ist Social Networking für Unternehmen schädlich ist oder einfach nicht zu vermeiden? Dass Social Networking für die Business-Welt auch einen Fortschritt darstellen könnte, dieser Gedanke drängt sich bei der IDC-Formulierung nicht sonderlich stark in den Vordergrund.

Woher rührt diese Skepsis seitens IDC (während das konkurrierende Analystenhaus Forrester seit Jahren eifrig den Unternehmenseinsatz von Social Networks, Social Software und Social Media predigt)? IDC hat letztes Jahr in den USA eine Umfrage durchgeführt, die ergab, dass dieses Thema den CIOs erhebliche Kopfschmerzen bereitet. Denn: “Man muss inzwischen davon ausgehen, dass Mitarbeiter - jedenfalls bis zu einem bestimmten Grad - ihr privates und berufliches Leben auf diesen Seiten vermischen.” Unter Bezug auf eine Umfrage unter 390 Mitarbeitern mittelgroßer und großer US-Unternehmen heißt es dann: “Nahezu 90 Prozent der Befragten vermischen private und berufliche Interaktionen innerhalb einer Sitzung (Session) auf Linkedin.” Bei Facebook und Twitter seien es immerhin noch über 60 Prozent.

Für Deutschland dürften solche Zahlen deutlich niedriger liegen, da Trends ja immer ein paar Jahre brauchen, bis sie aus den USA zu uns herüberschwappen. Aber richtig - und gar nicht einmal etwas Neues - ist: Die Grenze zwischen privater und beruflicher IT-Nutzung löst sich auf. Weil es möglich ist, weil es praktisch ist, weil es Zeit spart - und weil es oft genug Arbeitsabläufe vereinfacht: Noch ein weiteres Analystenhaus, nämlich die Experton Group, verwies kürzlich auf eine (Fremd-)Studie, laut der 81 Prozent der Befragten angaben, Social Networking könne für Unternehmen ein Segen sein, da es ihnen erlaubt, leichter mit Kunden in Kontakt zu treten und Markenbildung zu betreiben.

Trotzdem haben viele Unternehmenslenker die oft sicher nicht unberechtigte Sorge, ihre Mitarbeiter könnten durch Extreme Facebooking und Power-Tweeting wertvolle Arbeitszeit verplempern - und dabei vielleicht sogar noch der Marke schaden oder Firmengeheimnisse ausplaudern. Bei diesem Szenario stellen sich einem Firmenchef natürlich die Nackenhaare auf, und über seinem Kopf bilden sich dunkle Gewitterwolken. Sein Justiziar wiederum läuft rot an und beginnt, deutlich vernehmbar zu hyperventilieren, denkt er doch an die möglichen rechtlichen Konsequenzen.

Oliver Tuszik, seines Zeichens Chef von Computacenter, brachte dies kürzlich im Gespräch mit mir auf die Formel: “Compliance-Anforderungen erzeugen beim Social-Software-Einsatz in Unternehmen ein Spannungsverhältnis: einerseits ein manchmal schon fast fatalistischer Vertrauensvorschuss der Digital Natives, andererseits die rechtlichen Verpflichtungen der Unternehmen etwa zum Datenschutz.”

Deshalb raten viele Fachleute den Unternehmenslenkern schon aus rechtlichen Gründen dazu, ihren Mitarbeitern für den Umgang mit Social Networks durch Richtlinien klare Grenzen zu setzen. Auch IDC führt im erwähten Thesenpapier zehn Richtlinien auf, die allerdings reichlich plakativ ausfallen: “Respektieren Sie den Datenschutz und die Geheimhaltung”, “Unterstreichen Sie Ihre Meinung mit Fakten”, “Geben Sie einen Fehler zu und korrigieren Sie diesen” - solche Tipps sind nie falsch, online wie offline.

So wichtig sinnvoll formulierte Richtlinien sein mögen - für Unternehmen, die Social Software hausintern oder für den Umgang mit Kunden und Partnern nutzen wollen, um ihre Produktivität oder Kundenansprache zu verbessern, bedeuten solche Policies ein böse Zwickmühle: Denn hohe Reglementierung hat häufig den Effekt, Mitarbeiter zu demotivieren - oder sie sogar völlig vor der Social-Software-Nutzung abzuhalten. Dann ist es schnell vorbei mit der Social Collaboration im Hause oder der raschen Reaktion auf Tweets von Kundenseite.

Manche Fachleute vertreten deshalb eine konträre Position. So rät zum Beispiel David Nüscheler, der CTO des Web-Content-Management-Anbieters Day Software: “Nur eingreifen, wenn es Probleme gibt.” Verfechter dieser Position neigen dazu, im Bezug auf Social Networking und Social Software in erster Linie an den gesunden Menschenverstand zu appellieren: Einfach beim Twittern, Bloggen, Chatten, auf Xing, Linkedin oder Facebook das Hirn nicht ausschalten und nichts posten, tweeten oder schreiben, was man nicht auch anderweitig - etwa dem Chef, der Konkurrenz, dem Kunden gegenüber - öffentlich kundtun würde. Ende der Durchsage.

Selbst Nüscheler gibt zwar zu: Für den Notfall braucht man eine Plattform, um zumindest auf der eigenen Website voreilig oder anstößig Gepostetes schnell wieder löschen zu können. Dennoch sei ein vertrauensvoller, vernünftiger Umgang mit den Mitarbeitern unterm Strich effektiver als ein umfangreiches Regelwerk, von dem die meisten Kollegen nicht einmal wissen, wo es überhaupt zu finden ist.

Fazit: Social Software eignet sich nur für Unternehmen mit einer auf Vertrauen und Wertschätzung der Mitarbeiter beruhenden Unternehmenskultur - alle anderen haben ein Problem.

Kollege Meier, hör’n Sie doch mal kurz auf mit der Twitterei und holen Sie einen Schluck Wasser - unser Herr Justiziar hyperventiliert schon wieder! Dass das aber auch so schwierig sein muss mit diesem Social-Gelumpe…!


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