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30.4.2010 von Wilhelm Greiner.
Wieso muss man eigentlich als stolzer Besitzer eines PCs, Macs, Notebooks oder Macbooks dauernd irgendetwas installieren, updaten, patchen oder sichern? Liebe Herren Gates, Ballmer, Jobs und Konsorten: Allmählich nervt das!
Ich fürchte, in naher Zukunft updaten und patchen wir nur noch. Arbeit und Hobby können ja dann warten. Das muss doch einfacher gehen, oder?

Zugegeben: Die Anbieter aus den Dunstkreisen von Microsoft und Apple bemühen sich redlich, dem Anwender hier Arbeit abzunehmen: Da gibt es Update-Services, automatische Patch-Suche, im Hintergrund geladene Anti-Virus-Patterns, Software für kontinuierliche Backups etc. pp.
Und dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - hat man oft den Eindruck: Man kann bald einen Rechner nicht mehr starten, ohne erst mal auf einen Installations-Laufbalken mit dem Elan einer komatösen Schnecke zu blicken. Und man kann einen PC kaum mehr herunterfahren, ohne dass es heißt: “Bitte nicht ausschalten. Installiert Update 1 von 10″ (oder so ähnlich - ich schau schon gar nicht mehr hin).
Ansätze, die Desktop- (oder natürlich auch die Laptop-) Nutzung zu vereinfachen, waren ein wichtiges Thema auf dem LANline-Event zur Desktop-Virtualisierung, das ich am 28. April in Düsseldorf moderiert habe. Besonders interessant war dabei die Gegenüberstellung der verschiedenen Ansätze, das Prinzip Client-Rechner zu verschlanken.
Da ist einerseits das zentralisierte Client-Computing, das unter dem Namen Desktop-Virtualisierung oder VDI (Virtual Desktop Infrastructure) in Unternehmen die Verwaltung der Client-Betriebssysteme, Applikationen, Settings und Daten ins Rechenzentrum packen soll. Die Anwender greifen dann übers LAN (die ganz Harten auch übers WAN) auf ihre Desktops zu. Installation, Update, Patching, Backup - das alles findet dann im RZ statt, wo es schließlich auch hingehört.
Andererseits ist da die Idee, den Desktop gleich ganz auszulagern und - Stichwort Cloud Computing - “in die Wolke” zu kippen. Der Desktop ist dann nur noch ein Dienst, den ein Cloud-Provider bereitstellt, weshalb das Konzept auch “Desktop as a Service” oder kurz DaaS heißt. Dieser Ansatz ist natürlich derzeit noch mit einem ganzen Rudel von Problemen behaftet: die Zuverlässigkeit der Anbindung, Latenz beim Fernzugriff, Datensicherheit und Hochverfügbarkeit fallen einem spontan ein. Und was ist, wenn der Cloud-Provider pleite geht? Das kann dann böse ins umwölkte Auge gehen.
Aber schön wär’s schon. Bei den Mobiltelefonen geht’s ja schließlich auch. Und zwar genau so, wie hier für DaaS beschrieben - oder wissen Sie, wo die Anrufdaten Ihres Handy-Anrufbeantworter liegen? Irgendwo in einer Wolke, oder?
Je stärker sich mobiles Computing verbreitet und damit Desktop und Mobiltelefon zusammenwachsen, desto mehr dürfte sich auch die Desktop-Nutzung in die Cloud verschieben. Das wird einige Probleme lösen, und es wird neue Probleme schaffen. Aber es sehr spannend sein, diese Entwicklung zu beobachten. Zumindest spannender, als einem Laufbalken mit der Dynamik einer Kontinentalverschiebung bei der Pilgerreise ans rechte Ende seines Laufbalkenlebens zuzuschauen.
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20.4.2010 von Wilhelm Greiner.
Eine gute und eine schlechte Nachricht zum Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, der die europäischen Flugzeugflotten per Aschepartikel-Knockout zu Boden geschickt hat - die schlechte zuerst: Der Vulkan mit dem unhandlichen Namen hat den Passagier- und Frachtfliegern nun schon seit Tagen kontinuierliche Bodenhaftung verordnet, was nicht nur die Airlines und Flughäfen viel Geld kostet, sondern auch die Just-in-Time-Produktion zahlreicher Branchen in eine Much-too-late-Logistik verwandelt, was weitere Einbußen verursacht.
So musste zum Beispiel das BMW-Werk in Dingolfing wegen ganz und gar nicht “in time” gelieferter Elektrobauteile eine Produktion stoppen, und man hörte sogar Gerüchte, in Münchner Schicki-Lokalen könnte der Hummer knapp werden (das Krustentier, nicht der hässliche Geländewagen).
Die gute Nachricht: Da die Flugindustrie laut Analysten für zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich zeichnet, ist die erzwungene Erholungspause laut Klimaforschern letztlich sogar gut für die Umwelt. Dies hat zum Beispiel das britische Blatt The Guardian berichtet, und auf informationisbeautiful.net war auch eine sehr anschauliche Grafik zum Vergleich des CO2-Ausstoßes des Vulkans mit dem der europäischen Luftfahrtindustrie zu finden:
Bild: http://informationisbeatiful.net
Aber auch auf die IT-Industrie wirkt sich der Vulkanausbruch aus. So habe ich kurz nach der Eruption mit meinen Kollegen in der Redaktion gewettet, dass wir nun einen Schwall von Pressemitteilungen erhalten werden, in denen die Anbieter von Lösungen für Web-Collaboration und Video-Conferencing eilig vermelden: Wer unsere Tools einsetzt, ist jetzt fein raus, weil er nicht auf Flüge angewiesen ist.
Und hast du nicht geseh’n: Von der Cisco-Tochter Webex kam die Pressemitteilung “Online gegen Vulkanasche: Sechs Tipps für den Einsatz von Webkonferenzen”, Easynet rückte seine Videokonferenz-Angebote unter der Überschrift “Telepresence statt Flugausfall” ins rechte Licht, und Polycom meldete: “Unterbrechung des Flugverkehrs sorgt für Aufwind bei der Nutzung von Videokonferenz- und Telepresence-Lösungen” - um nur einige Pressetexte zu nennen. Der Carrier Telefónica hatte immerhin die nette Idee, seinen Firmenkunden während des Flugverbots kostenlose Telepresence-Services anzubieten.
Die einschlägigen Anbieter werden ab sofort sicherlich nicht mehr nur die Zeit- und Kostenersparnis oder Green IT - den Beitrag zum Umweltschutz durch weniger Dienstreisen - in den Mittelpunkt rücken. Per Eruption hinzugekommen ist nun das Thema “Business Continuity”, also der unterbrechungsfreie Geschäftsbetrieb in Krisenzeiten. Und diese Anbieter haben damit schlicht und einfach recht. Allerdings ist die IT-Industrie nach wie vor gefordert, ihren eigenen CO2-Ausstoß deutlich unter den der Luftfahrtindustrie zu drücken - laut der erwähnten Gartner-Meldung lagen beide Industriezweige 2007 nämlich noch gleichauf.
Man darf hoffen, dass die bedrohliche Aschewolke den Unternehmen als Weckruf dient, künftig tatsächlich stärker auf umweltfreundliche Web-Collaboration- und Video-Conferencing-Technik zu setzen. Dann hätte das isländische Rauchzeichen wenigstens einen langfristigen Nutzen - für die Unternehmen und für die Umwelt.
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15.4.2010 von Wilhelm Greiner.
Wie ich kürzlich schon gepostet habe, bin ich ein ausgesprochener Fan von Twitter. Denn dieser Social-Media-Service liegt so ziemlich genau auf halbem Weg zwischen einem News-Ticker und einem Social Network wie etwa Facebook. Für mich als IT-Journalisten ist das ebenso angenehm wie nützlich - besser wird’s nicht.
Im Umfeld seiner ersten Entwicklerkonferenz namens Chirp in San Francisco hat die Twitter-Führungsriege nun kürzlich eine ganze Reihe von News verkündet - darunter auch einige, die entweder die Benutzerschaft oder aber das Entwicklerumfeld, von dem das Social-Info-Netzwerk hochgradig lebt, verunsichert haben. Schauen wir uns das also näher an.
Erste große Neuigkeit: Twitter, Inc. hat sich nach langem Anlauf zu einem Geschäftsmodell durchgerungen - nachdem vor genau einem Jahr das von mir hoch geschätzte Magazin brand eins noch gespöttelt hatte, Twitters Verhältnis von investiertem Wagniskapital zum Ertrag (in Dollar) sei 35.000.000 zu 0.
Jetzt will Twitter “Promoted Tweets” einführen, also von Werbetreibenden bezahlte Einträge in Suchergebnissen. Das lukrative Prinzip hat man von Google abgeschaut, wo man das schon längst praktiziert.
Zahlreiche Tweeter äußerten sich verärgert darüber, in ihrem Twitter-Feed Werbung vorfinden zu sollen, während Marktkenner sich angetan zeigten, dass die beliebte Plattform nun einen Plan hat, wie künftig (jenseits von Partnerschaften mit Google und Microsoft) die Kohle reinkommen soll. Ich persönlich hätte nichts gegen solche “Sponsored Tweets” einzuwenden, solange sie klar als solche gekennzeichnet sind und nicht überhand nehmen. Beides hat Twitter auf der Chirp zugesichert.
Noch wesentlich höhere Wellen haben andere Schachzüge der Chefzwitscherer gesorgt: So hat das Unternehmen kürzlich einen offiziellen Twitter-Client für Blackberry vorgestellt und Atebits, den Entwickler des laut Fachleuten besten iPhone-Clients Tweetie, aufgekauft. Ein Android-Client ist laut Twitter in Vorbereitung. Denn um seine Promoted Tweets an den Tweeter und die Tweeterin zu bringen, glauben die San-Franziskaner offenbar, den “Vertriebsweg” kontrollieren zu müssen. Das Problem: Mit jedem “offiziellen” Stück Twitter-Software fürchten Entwickler aus Twitters Ökosystem um ihre eigenen Geschäftsmodelle.
Twitter ist im Kern eine spartanische Microblogging-Plattform, aber eben - ein zentrales Element - mit einer API (Programmierschnittstelle), die Abertausenden von Entwicklern Zugriff auf die Twitter-Funktionalität bietet. Das heißt, der Twitter-Führung steht nun ein Balanceakt bevor: links des Drahtseils die ökonomischen Interessen eines gewinnorientierten Unternehmens, rechts davon das Ökosystem der Entwickler-Community, die das Fundament für den enormen Erfolg der Twittersphere gelegt hat und legt.
Auf “maximal 140 Zeichen” gepolt, hat es das Team um CEO Evan Williams offenbar nur mit Müh’ und Not geschafft, die Community wieder zu beruhigen. Inzwischen aber hat man eine eigene Enwickler-Site gelauncht sowie betont, dass nach wie vor großer Bedarf für Zusatzapplikationen besteht - und dass man die Sponsoring-Gewinne mit den Entwicklungspartnern teilen werde, die Promoted Tweets in ihren Applikationen nutzen (statt sie zu blocken, was sicher auch eine Produktgattung werden wird).
Man darf gespannt sein, wie Twitter in puncto “tragfähiges Geschäftsmodell” den Sprung von 0 auf 1 schaffen wird. Und das alles, wie ebenfalls endlich bekanntgegeben, vor dem Hintergrund dramatischen Wachstums bei den Benutzerzahlen: Denn laut Twitter gibt es schon über 105 Millionen registrierte Benutzer, die täglich 3 Mrd. Requests und 600 Mio. Suchanfragen absetzen - und jeden Tag kommen 300.000 weitere Anwender hinzu.
Wenn Twitter nicht nochmal patzt, dann sind das also durchaus rosige Aussichten. Please retweet.
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7.4.2010 von Wilhelm Greiner.
Meine Social-Networking-Aktivitäten verteilen sich auf diverse Sites, aber echte Begeisterung kommt bei mir nur für einen Dienst auf: für Twitter. Da frage ich mich natürlich als kritischer, ja investigativer Journalist: Woran liegt das?
Als LANline-Redakteur bin ich berufsmäßig, aber außerdem hobby- und generell neugierbedingt auf diversen Social-Networking- und Social-Media-Sites zugange: Natürlich auf meinem Blog metaphorous.com (wenn auch nur mit einer neuen Glosse pro Woche), auf Xing, Linkedin, Facebook, Posterous (nützlich als Aggregator-Site), SlideShare (nützlich für, wer hätt’s gedacht, das Sharing von Slides), Greenaction (Social Network von Greenpeace, daher thematisch stark eingeschränkt) und eben Twitter. Mein Engagement auf diesen Seiten ist mal mehr, mal - OK: meistens - weniger intensiv, Letzteres vor allem dem Umstand geschuldet, dass der Tag leider nur 24 Stunden hat - wenn wir vom Tag der Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit als sprichwörtliche die Regel bestätigende Ausnahme mal absehen.
Wieso also nehme ich mir mehrmals täglich Zeit für Twitter? Erstens liegt das sicher daran, dass zahlreiche IT-Unternehmen inzwischen auf Twitter aktiv sind - vor allem für PR und Marketing - und das Twitter-Netzwerk für die Ankündigung von Pressemitteilungen, Webinaren, White Papers etc. nutzen - eine Art Reuters-Ticker, nur eben als Tweet-Feed. Für die einen ist das Zweckentfremdung, für mich ist es praktisch - aber praktisch für den Journalistenalltag sind schließlich viele Social Networks. Daran allein liegt’s also nicht.
Hinzu kommt, das die Tweets aufgrund der Twitter-”Spielregeln” mit ihren maximal 140 Zeichen - meist weniger, um schnelle Retweets zu ermöglichen - immer angenehm kurz sind. Selbst wenn man die Personen und PR-Teams, denen man folgt, sorgfältig auswählt, gibt es bei Twitter immer einen hohen Pegel an “Grundrauschen” (also Tweets, die mich im Augenblick so überhaupt nicht interessieren) - aber man ist wenigstens schnell drüber weggescrollt. “In der Kürze liegt die Würze”, wie der Volksmund sagt (und, da nur 28 Zeichen lang, auch sehr gut tweeten könnte). Denn damit ist der Info-Kompressionsdienst Twitter immer mal wieder gut für eine Anregung zwischendurch, mal kurz reinschauen, ein bisschen scrollen, und schon hat man wieder etwas Interessantes, Amüsantes, mitunter sogar Nützliches gefunden.
Aber selbst das erklärt den hohen Twitter-macht-süchtig-Koeffizienten nicht. Ich glaube, es liegt an der spielerischen Komponente von Twitter (die der Dienst Foursquare mit seinen vielen Badges, die man erwerben kann, noch viel weiter treibt): Twitter macht Spaß, weil es den Benutzer spielerisch dazu verleitet, Informationen oder zumindest Informationshäppchen, gerne auch mit Links zu weiteren Quellen, mit anderen zu teilen.
Nicht nur das 140-Zeichen-Limit weckt den Spieltrieb (Kann ich das, was ich sagen will, nochmal um 13 Zeichen kürzer formulieren? Das muss doch irgendwie gehen!). Vielmehr muss man zumindest die paar Twitter-üblichen Kürzel und Mechanismen (RT für Retweet, @ für das Markieren eines Benutzernamens, Direct Messages etc.) ebenso kennen wie die Grundregeln der Twitter-Etiquette. Und zudem haben sich ein paar nette Rituale eingebürgert wie der Follow Friday (#ff). Das alles hat etwas von Insider-Mechanismen, “the secret handshake”, ich bin drin und du bist draußen - so funktionieren kurzfristige Modeerscheinungen, aber eben auch soziale Gruppen und damit auch erfolgreiche Social Networks.
Twitter ist im Vergleich zu anderen Social Networks minimalistisch, äußerst reduziert - aber dennoch Community-gerecht und unterhaltsam: Communitainment, dem man sogar vom Handy aus frönen kann. Informationsaustausch, der anregend wirkt und den Spieltrieb weckt - was könnte es Besseres geben?
OK, das war’s. Muss jetzt wieder nach meinem Twitter-Feed schauen.
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1.4.2010 von Wilhelm Greiner.
Ein Schreckgespenst geht um in deutschen Firmen: das Mitmach-Web, also Plattformen wie Blogs, Social Networks, YouTube oder Twitter - mithin alles, was man diese Saison gerne unter dem Begriff “Social Media” zusammenfasst. User-Generated Content allerorten - da sorgen sich viele Unternehmenslenker um ihre Firmengeheimnisse, den guten Ruf des Unternehmens oder auch um die Konzentration der Mitarbeiter auf das Kerngeschäft. Social Media Guidelines sollen’s nun richten.
Immer mehr Menschen nutzen Social Media privat ebenso wie beruflich, und eine klare Grenzziehung ist schon längst nicht mehr möglich. Somit gibt es im Wesentlichen vier Bereiche, in denen Social Media für Unternehmen relevant sind:
* Berufliche Nutzung in der Arbeitszeit. Einerseits gibt es immer mehr hausinterne Social-Software-Plattformen mit der Zielsetzung “Enterprise 2.0″ (also elegantere und schnellere Zusammenarbeit auf der Basis von Web-2.0-Technik), andererseits gehört das Bloggen und Twittern zum Berufsalltag zum Beispiel von PR- und Marketing-Mitarbeitern.
* Berufliche Nutzung in der Freizeit. Für viele Mitarbeiter endet die Arbeitszeit schon längst nicht mehr mit dem Verlassen des Unternehmensgeländes, nicht mal mehr mit dem Zuklappen des Notebooks im Home Office: Dank iPhone, Blackberry und Co. ist man auch unterwegs und letztlich sogar rund um die Uhr erreichbar. (Und wieso kapiert der Kollege in Kalifornien eigentlich nicht, dass es nicht nur die vier US-Zeitzonen gibt? Seufz!)
* Private Nutzung in der Arbeitszeit. Da gibt es vor allem das Chatten, Twittern und YouTube-Gucken im Büro, das so viele Vorgesetzte fürchten - und bei dessen Bekämpfung sie dank zunehmender Verbreitung von Smartphones auf verlorenem Posten stehen, auch wenn sie’s oft noch nicht zugeben wollen. (Kleiner Trost: Jene Mitarbeiter, die Arbeitszeit mit Social Media verdaddeln, bekämen dies auch ohne YouTube, Twitter und Co. genausogut hin - das ist kein Technikproblem, sondern eines der Arbeitseinstellung!) Außerdem gibt es aber im Enterprise 2.0 auch durchaus Ansätze, dass Mitarbeiter auf unternehmenseigenen Collaboration-Plattformen durchaus Privates einbringen können und sollen - denn auch das dient der Unternehmenskultur und kann den intellektuellen Austausch über Team- und Abteilungsgrenzen hinweg fördern.
* Last but not least: die private Nutzung in der Freizeit. Da könnte man erst mal denken: Das geht doch den Arbeitgeber nichts an - würde die “Consumerization” (also die Grenzverwischung zwischen beruflicher und privater IT-Nutzung) nicht in beide Richtungen wirken. Wenn jemand privat unter seinem richtigen Namen postet und twittert (statt unter einem Alias oder Pseudonym), woher soll das Gegenüber dann wissen, dass dieses Posting nun eben nicht vom Unternehmenshandy abgesetzt wurde sondern vom privat erworbenen Gadget? Wie privat kann ein Blog-Post sein, wenn ich weiß, er stammt von einem hochrangigen Mitarbeiter der Firma XYZ? Hinzu kommt, dass zum Beispiel auch private Tweets öffentlich sind - was schon manchen über den Chef schimpfenden Tweeter seinen Job gekostet hat.
Die Sorge um unangebrachte, unbedachte oder auch exzessive Nutzung von Social Media ist häufig berechtigt, und darum geben immer mehr Unternehmen Social-Media-Guidelines heraus (was auch hier schon Thema war, siehe “Social-Networking-Richtlinien: Notwendig, übel oder notwendiges Übel?“). Um dies zu fördern, hat zum Beispiel die Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft BVDW e.V. kürzlich einen eigenen Gratis-Leitfaden namens “Social Media Richtlinien: 10 Tipps für Unternehmen und ihre Mitarbeiter” vorgestellt, der als Grundlage für unternehmenseigene Handlungsvorgaben dienen soll.
Anders als bei den vielen Vorschriften, Richtlinien und Verhaltenskodizes der Business-Welt verkompliziert sich die Lage in Fall der Social-Web-Techniken dadurch, dass es sich - wie oben beschrieben - eben nicht um eine rein firmeninterne Angelegenheit handelt. Deshalb müssen Unternehmen - wie etwa auch im Fall der Security-Awareness - besonders darauf achten, ihre Mitarbeiter zum verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien zu motivieren, statt die mit Verboten, Vorschriften und dem Androhen von Konzequenzen zu verprellen.
Im Prinzip wissen das die Unternehmen - daher die Vorliebe für Richtlinien, Guidelines und Handlungsanleitungen statt für pauschale Verbote. Dennoch sind die Guidelines häufig im Stil eines “Hauptsache, wir haben’s mal schwarz auf weiß mitgeteilt” gehalten, wie zum Beispiel die Richtlinen des britischen Fernsehsenders BBC.
Manchmal stößt man zum Glcük auf Beweise, dass es auch anders geht. Ein zurecht gern zitiertes Beispiel dafür ist die Social-Media-Broschüre von Kodak: Sie ist nicht nur kompetent zusammengestellt, sondern auch sehr ansprechend aufbereitet - nicht nur nützlich, sondern auch motivierend.
Um den Unternehmen nicht nur eine Basis für die inhaltliche Diskussion zu geben (dafür findet man im Web bereits zahlreiche Beispiele), sondern zudem eine Anregung, wie man Social-Media-Guidelines freundlich und mit einem kleinen Augenzwinkern darstellen kann, haben der LANline-Cartoonist Wolfgang Traub und ich unter Verwendung diverser LANline-Titelgrafiken einen kleinen Social-Media-Leitfaden erstellt, der auf Slideshare kostenlos abrufbar ist. Mit solchem “Communitainment” können Unternehmen ihre Mitarbeiter hoffentlich eher dazu anregen, sich aus intrinsischer Motivation heraus verantwortungsvoll zu verhalten. Hier ein Beispiel für einen unserer Tipps:
Da Fachleute wie zum Beispiel Prof. Michael Koch von der Universität der Bundeswehr in München/Neubiberg dazu raten, solche Guidelines kurz und knapp zu halten (siehe mein Interview mit Prof. Koch), haben wir uns auf 12 Tipps beschränkt. Dennoch oder gerade deshalb hier die Frage: Fehlt etwas? Muss ein Punkt noch unbedingt mit rein? Ich freue mich auf Feedback!
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