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Archive für Mai 2010

Möwenschwarzer Twitter-Humor zur BP-Ölkatastrohphe

Die Lage im Golf von Mexiko ist ernst und spitzt sich weiter zu: Auch mehrere Wochen - Stand heute: am Tag 40 - nach dem Sinken der Ölbohrplattform Deepwater Horizon hat es der Konzern BP trotz dreitägiger Anläufe mit dem “Topkill”-Verfahren nicht geschafft, das Ausströmen des Erdöls in den Tiefen des Meeres vor der einmaligen Naturlandschaft Louisianas und angrenzender Regionen einzudämmen. BP muss auf immer riskantere Rettungsmanöver setzen.

Wollte BP allerdings versuchen, die Situation auf Twitter schönzureden, so käme der Konzern zu spät: Ein Twitter-Account namens @BPGlobalPR, der vorgibt, der offizielle PR-Twitter-Kanal von BP zu sein, hat diese Rolle schon längst übernommen - und hat damit damit die Schönrednerei, die nach Katastrophen leider oft Standard ist, schon von vornherein per Karikatur unmöglich gemacht: Ein unbekannter Tweeter kommentiert hier die anhaltend dramatische Lage mit einem so schwarzem Humor, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt - bislang nannte man diesen Humor “rabenschwarz”, aber im Golf trifft diese Bescheibung ja nun vor allem auf die Seevögel zu.

Gerne nimmt der angebliche PR-Tweeter den Tonfall der “Spin Doctors” aufs Korn: “Bitte helfen Sie uns beim Rebranding. Wir nennen es jetzt nicht mehr ‘Ölpest’, sondern ‘Südstaaaten-Fun-Party’.”

Andere “PR-Tweets” führen BP mit blankem Zynismus vor: “Folgendes: Wir haben im Jahr 2009 45 Millionen Dollar Profit PRO TAG gemacht. Das hier ist wirklich nicht so schlimm. #bpcares”

Weitere dieser Tweets kann man unter http://twitter.com/BPGlobalPR am besten selbst nachlesen.

Gerade weil die Situation im Golf von Mexiko so unglaublich traurig und bedrohlich ist, bietet sie einem fähigen Satiriker (und ein solcher ist hier offenbar am Werk) eine, nun ja, sprudelnde Quelle für böse Kommentare. Man sollte die Tweets von @BPGlobalPR unbedingt verfolgen: Sie helfen, sich für die PR-Schlacht zu wappnen, die dem Kampf gegen die Ölpest mit Sicherheit noch jahrelang folgen wird.

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Die Bloggerin Cat Girl hat übrigens einige dieser Tweets zu einer gelungenen Zusammenstellung sehenswerter Persiflagen auf BP-Werbeplakate aufbereitet: http://www.iridetheharlemline.com/twitter-photos/bpglobalpr-billboards/ - unbedingt anschauen!

… und dann sollten wir bitte nicht in Defaitismus verfallen, sondern überlegen, wie wir unsere Abhängigkeit von sinnlos eskalierendem Energieverbrauch ernsthaft eindämmen können. Denn man kann die Schuld an so einem Desaster nicht zu 100 Prozent auf die “böse BP” abwälzen. Und Satire allein ist auch keine Lösung.


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Facebook nutzen trotz Datenschutz-Bedenken

Viele Manager, IT-Leiter und Datenschützer haben starke Vorbehalte gegen Social Networks – und insbesondere Facebook gibt sich seit geraumer Zeit größte Mühe, diese Vorbehalte möglichst zu verstärken: Nicht nur ist nun sogar bei den in puncto Datenschutz oft unbedarften Facebook-Nutzern eine heftige Debatte über die Auswertung und Weitergabe der Anwenderdaten entstanden; begleitet war dies zudem von mehreren Sicherheitspannen des führenden Social Networks. Man konnte deshalb neuerdings vielerorts Tipps lesen, wie man den Datenschutz seines Facebook-Accounts verbessert, und kürzlich sah sich der Facebook-Chef Mark Zuckerberg angesichts heftiger Kritik sogar gezwungen, leichter verwendbare Privacy-Settings zu versprechen - ohne allerdings die Kritiker wirklich zu überzeugen (siehe zum Beispiel hier).

Dennoch ist Facebook derzeit nicht auf dem absteigenden Ast: Obwohl es Bewegungen gab und gibt, um Sammelaustritte aus Facebook anzuregen, ist die Zahl der Facebook-Benutzer trotz aller Debatten und Aktionen gestiegen. Zwischenbilanz: „Ich bin nicht auf Facebook“ ist das neue „Ich schaue kein Unterschichtenfernsehen“ – sprich: Es ist (derzeit) nicht mehrheitsfähig.

Auch manch ein Unternehmen hat sich inzwischen in puncto Social Networks und Social Media engagiert – sei es für das Marketing, die PR, die Personalsuche, das Wissens-Management oder die Kontaktpflege mit Zulieferern. Sind die Weichen einmal in Richtung Social Media gestellt, kann man sich natürlich nicht so einfach wieder verabschieden. Und den Mitarbeitern die private Nutzung von Social Networks pauschal zu untersagen, wäre für viele Verantwortliche nur schwer umsetzbar.

Hinzu kommt, dass es zahlreiche Social Networks gibt, die weit weniger umstritten sind als Facebook, aber je nach Einsatzzweck mindestens ebenso nützlich, zum Beispiel Slideshare, Posterous oder das Infonetzwerk Twitter - das bei den abkürzungsfreudigen Amerikanern sicher „Social Information Network“ hieße, wäre das Akronym dazu nicht „SIN“, als „Sünde“…  ;-)

Nein, trotz aller Patzer und der eklatanten, vorsätzlichen Unübersichtlichkeit der Datenschutzeinstellungen auf Facebook ist der Rückzug aus Social Networks für das Gros der Unternehmen und Privatpersonen sicher nicht die optimale Lösung. Es gilt vielmehr, sich der Risiken bewusst zu sein – und dies auch bei der täglichen Nutzung immer im Hinterkopf zu behalten. Social Networks leben letztlich von „Social Intelligence“, also der Sammlung und Vermarktung der Angaben und Verhaltensmuster der Benutzerschaft. Ist man sich dessen einmal bewusst, kann man sein Social-Networking-Verhalten danach ausrichten.

Um es Unternehmen zu erleichtern, den Blick ihrer Mitarbeiter für die Tücken und Untiefen der Social-Media-Nutzung zu schärfen, haben der LANline-Cartoonist Wolfgang Traub und ich im Rahmen unseres Projekts „Communitainment, Inc“ bereits im März eine kleine, mit Cartoons bebilderte PowerPoint-Slideshow auf Slideshare in einer Version 0.9 veröffentlicht. Sie versammelt zwölf Tipps für die Social-Media-Nutzung und wurde auf Slideshare schon über 380-mal angesehen. Seitdem haben wir fleißig Feedback gesammelt – vielen Dank an dieser Stelle an alle Kommentatoren.

Jetzt ist die Slideshow „12 Social Media Tipps“ in Version 1.0 online. Wir haben vier Bilder gegen besser passende ausgetauscht und auch den Text an mancher Stelle prägnanter gefasst.

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Unternehmen, die ihre Mitarbeiter auf unterhaltsame Weise für den verantwortungsbewussten Umgang mit Social Media sensibilisieren wollen, können ihre Kollegen auf folgenden registrierungsfrei zugänglichen Link verweisen:

http://www.slideshare.net/WilhelmGreiner/12-social-media-tipps

Wir freuen uns auch weiterhin auf konstruktive Kritik. Denn auch eine Version 1.0 ist nicht die „endgültige Fassung“, ist doch im Social-Media-Umfeld nichts jemals wirklich endgültig. In diesem Sinne: Viel Spaß mit der Präsentation - und dann: Augen auf bei der Nutzung von Facebook und Co.!


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5 Datenschutz-Strategien für das Social-Media-Zeitalter

Das Social Network Facebook hat wieder mal durch offenbar gezielt laschen Umgang mit der Privatsphäre seiner Mitglieder von sich reden gemacht - und das auch noch begleitet von klassischen Datenschutzpannen. Sogar in den USA - wo viele Leute die Themen Datenschutz und Privatsphäre nicht allzu ernst nehmen - wächst deshalb die Kritik an Facebook, es gibt sogar unter den Facebook-Nutzern eine zumindest kleine Austrittswelle (La Ola Ex-Facebookiana).

Betrachten wir deshalb doch mal ganz distanziert, aus Marsmännchen-Perspektive sozusagen, welche Strategien eine Einzelperson heutzutage zum Schutz ihrer Privatsphäre verfolgen könnte:

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1. Lifecasting: Am einen Ende der Skala finden wir den Ansatz, Datenschutz sei “von gestern” oder “heute sowieso nicht mehr zu gewährleisten”. Wer es sich in dieser defaitistischen Ecke erst mal gemütlich gemacht hat, kann fröhlich dem Lifecasting (der kontinuierlichen Mitteilung über eigene Aktivitäten und Ansichten in Social Networks) frönen - mit all den Risiken und Nachteilen, derenthalben alle Datenschützer beim Thema Lifecasting die Hände kollektiv über den Köpfen zusammenschlagen (La Ola Privatsphäriana).  Kann aber, wenn konsequent und mit Hirn umgesetzt, durchaus ein Geschäftsmodell sein, etwa für Promis (inklusive B-Promis, wir nennen hier mal keine Namen) oder auch für Tech-Blogger wie Robert Scoble (der unter dem Nickname @scobleizer fleißig dauertwittert). Derzeit groß im Kommen: das Ganze mittels des Online-Spiels Foursquare auch noch mit Geolokationsdaten kombinieren und per Tweet verbreiten. Sollte man mit Bedacht nutzen, wenn man sich in der Arbeit gerade krankgemeldet hat.

2. Totalverweigerung: Das andere Extrem bildet die Position, Social Media und Social Networks aufgrund von Bendenken wegen des Datenschutzes überhaupt nicht zu nutzen. Das mag in der Tat für viele Leute ein gangbarer Weg sein, wäre für mich als selbstständigen Journalisten und digital vernetzten Information Worker allerdings von Tag zu Tag schwieriger umzusetzen. Klassisches Gegenargument: Dann dürfte man auch keine Kreditkarten benutzen. Oder sich in kameraüberwachten Flughäfen rumtreiben. Oder in Kaufhäusern. Oder oder oder. Wir leben in einer Überwachungs-, Vermarktungs- und Auswertungs-Gesellschaft, aus der ein totaler Rückzug kaum mehr möglich ist. Was viele in den Punkt 1 treibt.

3. Granulare Kontrolle: Der Versuch, die Oberhand zu behalten über all die Informationen, die über einen selbst im Netz stehen. Wieder zurück zum Eingangsbeispiel: Facebook bietet dem Benutzer eine ganze Fülle an Kontrollmöglichkeiten - so detailliert, dass es schon wieder unübersichtlich ist. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, muss zweierlei im Hinterkopf behalten: Erstens posten auch andere Leute über mich, und das zu monitoren oder gar zu kontrollieren, ist - wie auch im Offline-Leben - nicht praktikabel. Und zweitens kann Facebook jederzeit - wie schon mehrmals vorexerziert - erneut an den Privacy -Einstellungen rumschrauben, und dann steht man blöd da und darf von vorn anfangen. Da hilft nur, ein Social Network nach klarer Trennung von privat und öffentlich auszusuchen. Beispiel Twitter: Hier gibt es Tweets, Nachrichten an einzelne Empfänger und Direct Messages (DMs). Tweets sind öffentlich, Punkt. Nachrichten an Einzelpersonen erreichen zwar nur den Empfänger, sind aber per Timeline des Senders ebenfalls öffentlich - somit also nicht privater, als mitten in einer Menschenmenge zu telefonieren. Das weiß man, und damit ist es gut. DMs schließlich sind schlicht privat. Sollte Twitter DMs eines Tages öffentlich zugänglich machen, dann können sie jedes Geschäftsmodell beerdigen, also kann man davon ausgehen, dass DMs auch privat bleiben. Die PIN fürs Bankkonto sollte man aber besser trotzdem nicht per DM schicken. Granularer sollte es jedenfalls nicht sein, das macht’s nur unnötig kompliziert.

4. Social-Media-Stream als Lebenslauf: Bei einem Online-Brainstorming (”Innovation Jam”) von IBM hat jemand - ich weiß leider nicht mehr, wer - auf das generelle Risiko in der Social-Media-Welt hingewiesen, dass Posts “gegen einen verwendet werden”; Folgerung: deshalb solle man seine Social-Media-Aktivitäten am besten als einen digitalen, global verteilten Lebenslauf betrachten. Faustregel also: Poste nur, was du auch gegenüber potenziellen Arbeitgebern vertreten kannst - alles andere bleibt offline. Folgt man diesem Ansatz, spricht beispielsweise nichts dagegen, “Gehe heute Mountain-Bike fahren” zu posten, wenn man sich selbst als sportlichen Menschen sieht, der dies auch gerne kommuniziert.  Selektives Lifecasting sozusagen, mit dem Nebeneffekt, dass man die verbleibenden, wirklich privaten Dinge schützt. Social Media als Eigenwerbung, das Individuum als Marke. An sich eine zeitgemäße, vernünftige Idee, die allerdings voraussetzt, dass man mit (sagen wir mal) 15 Jahren schon weiß, was einem mit 30 oder 40 Jahren peinlich sein wird und was nicht. Schwierig. Außerdem rein zweckorientiert und damit ein bisschen spießig. Aber das Prinzip “öffentlicher Lebenslauf” bewahrt einen immerhin vor grobem Datenklau - wenn schon nicht vor Social-Engineering-Angriffen oder vor Werbung (”Sie lieben Mountain Bikes? Dann besuchen Sie uns auf www…”).

5. Peter-Pantertum: Wer in Social Networks auch über Dinge bloggen, posten und tweeten möchte, die dem normkonformen Social-Media-Dauerlebenslauf nicht entsprechen, der sollte auf ein Alias ausweichen - oder gar auf mehrere. (Literarischer Exkurs: Der Autor Kurt Tucholsky war in den 1920-er Jahren so eifrig für die Zeitschrift “Schaubühne” tätig, dass er sich diverse Pseudonyme ausdenken musste, damit nicht unter jedem Beitrag “Kurt Tucholsky” steht. Und so entstanden die Schaubühne-Autoren Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser. Diese Aliasse sind kürzlich im NRW-Wahlkampf als Blogger-Nicknames wieder aufgetaucht, ebenfalls mit dem Ziel der Verschleierung von Identitäten. Klammer zu.) Die Maskierung per Alias ist die mächtigste Waffe des Einzelnen im Kampf gegen Dauerüberwachung und Invasion der Privatsphäre. Problem: Wie bei jeder Maskerade muss auch die Social-Media-Maske gut sitzen, sprich: Man muss seine Identitäten sauber trennen, um Rückschlüsse vom einen Alias auf ein anderes zu unterbinden. Und diese Trennung muss man dauerhaft aufrechterhalten, sonst funktioniert’s nicht. Gut kombinierbar mit Punkt 3 und 4.

Im Social-Media-Zeitalter gilt: Nur wer mit Rollen und Identitäten geschickt sein Spiel zu treiben versteht, wird nicht selbst als Marionette auf der Bühne der globalen Auswertung von “Social-Intelligence”-Daten enden.


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