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Old Spice Guy: in Badeschlappen auf den Social-Media-Olymp

Als IT-Fachjournalist berichtet man eigentlich ungern über so genanntes “virales” Social Media Marketing, also Marketing-Kampagnen, die von der spontanen, vielfachen Weiterverbreitung durch Social-Media-Benutzer leben: Schließlich wird man durch den Bericht über das virale Marketing-Phänomen selbst Teil des Systems sich selbst replizierender Werbung.

Aber manchmal verdient es eine sehr gut gemachte Kampagne eben, dass man sich - sogar recht zeitnah, ohne die beruhigende Distanz des historischen Rückblicks - mit ihr befasst. Und dem US-amerikanischen Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble (P&G) ist eben kürzlich mit seiner Social-Media-Kampagne für Deos und Co. der Marke “Old Spice” ein wahres Kunststück gelungen.

Im Mittelpunkt der Kampagne stand der Schauspieler Isaiah Mustafa, dem US-Publikum bekannt aus einer Serie von Werbespots mit dem Thema “The Man Your Man Could Smell Like” (”Der Mann, wie der Ihr Mann riechen könnte”) - amüsante Spots, deren erster im Web laut dem Blog Mashable.com schon über 19-millionenfach abgerufen wurde.

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P&Gs Social-Marketing-Agentur hatte die Idee, Mustafa an wenigen Tagen eine Unzahl kurzer Videobotschaften senden zu lassen, jeweils in Beantwortung von Fragen oder Kommentaren, die über Social Networks wie Twitter, Facebook oder Reddit gepostet worden waren. Das Setting war dabei stets gleich: Der gut aussehende Mustafa - “I’m just a ridiculously handsome man”, wie er in der letzten der Videoantworten konstatiert - ist in einem Badezimmer zu sehen, badezimmertypisch bekleidet mit nur einem Handtuch um die Hüften (und, wie man vermuten darf, ohne es aber je zu sehen, in Badeschlappen). Mustafa nimmt für P&G in 24 Stunden über 180 Videobotschaften auf, die laut Visible Measures innerhalb weniger Tage millionenfach gesehen werden - der von Marketiers so ersehnte Effekt viraler Verbreitung.

Das Autorenteam trifft in den Videos genau den entspannten, lockeren, amüsanten und so gar nicht reklameartigen Tonfall, der im Web 2.0 beliebt ist - mal richtet Mustafa Botschaften an Prominente, mal erfüllt er die Bitte, er möchte doch im Namen eines Twitter-Nutzers um die Hand von dessen Angebeteter anhalten, mal nimmt er auf Wunsch eines anderen Unbekannten für diesen einen Anrufbeantworter-Text auf. Dies alles immer cool und augenzwinkernd (oder “tongue-in-cheek”, wie die Amerikaner sagen), und stets ganz frisch deodorierter Gentleman (”Monocle smile!”).

Dank Social Media - P&G hat hier die Plattformen wie YouTube und Twitter elegant für sich einzuspannen gewusst - hat eine originelle Idee, die dank hervorragendem Autorenteam und einem genau passenden Schauspieler perfekt umgesetzt wird, heutzutage das Zeug, in Nullkommanichts Teil der nationalen oder gar internationalen Populärkultur zu werden. Diese Kombination aus Originalität, treffsicheren Pointen und schwungvoller Umsetzung würde man sich viel öfter wünschen - gerne auch hierzulande, und gerne auch außerhalb des reinen Produktmarketings. Denn Social Media bieten mehr Raum für originelle und unterhaltsame Kommunikation, als der Begriff “Social Media Marketing” vermuten lässt.


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Java 4-Ever: ein Windows-Shrek geht nach Hollywood

Java ist nicht nur eine indonesische Insel, eine Kaffeesorte und eine Programmiersprache (die seit der Sun-Akquisition nun Oracle gehört); zudem ist Java seit Kurzem auch ein Filmstar - zumindest wenn man dem Trailer von “Java 4-Ever” glauben darf.

Der Trailer handelt von einem Kind, das in einer sehr Windows- und .NET-treuen Familie aufwächst und später als Teenager in Form von Java-Begeisterung revoltiert. Das große “Coming out” hat der Java-Nachwuchsentwickler dann bei einer weihnachtlichen Familienfeier: “”I use Java.” Denn, so der Microsoft-Verweigerer: “I want to use a programming language that doesn’t only run on Windows.” Es bricht großes Getöse aus, die Mutter erleidet einen Heulkrampf (”My son is a monster!”), der Vater nach ausgiebiger Schimpftirade einen tödlichen Herzanfall.

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Bildquelle: http://jz10.java.no/

“Java 4-Ever” gibt es natürlich nicht, die Ankündigung ist ein Fake - eine unterhaltsame und gut gemachte Parodie auf die Trailer handelsüblicher Hollywood-Produktionen: Die von “JavaZone Entertainment” präsentierte “Steven Springberg”-Produktion zitiert so manche bekannte Filmsequenz, enthält - wie es sich für eine ordentliche Hollywood-Großproduktion gehört - sehr offensichtliches Product Placement eines Notebooks mit dem Logo des Steve-Jobs-Shops und prahlt nicht nur mit dem Regisseur von “Javatar”, sondern auch mit seinen Hauptdarstellern Eddie Larrison und Scala Johansson sowie mit Kritiken einschlägiger Magazine (”Truly gripping.” Wired).

Ein wenig Hollywood-untypisch ist lediglich, dass die Dialoge auf Norwegisch gehalten sind, samt den in den USA so unbeliebten englischen Untertiteln. Dies erklärt sich dadurch, dass der Trailer ein Werbefilmchen für die Java-Entwicklerkonferenz JavaZone vom 8. bis 9. September 2010 im norwegischen Oslo ist.

Wie die computeranimierte Trickfilmserie “Shrek” des ehemaligen Disney-Managers Jeffrey Katzenberg die weichgespülte, flurbereinigte Märchenwelt des Disney-Konzerns parodierte (und damit ein Vermögen einspielte), so nutzt die Werbetruppe von JavaZone das Genre des Spielfilm-Trailers für gar shrekliche Seitenhiebe auf die .NET-Gemeinde - bis hin zum Filmtod des Microsoft-treuen Vaters (gespielt von William Windows). Genau so wünscht man sich die Ankündigung einer Java-Konferenz: witzig, respektlos, intelligent gemacht - gelungenes Community-orientiertes Entertainment. Kompliment - oder, wie wir Norweger sagen: Kudos!

Übrigens: Den Trailer sollte man sich auf der JavaZone-Seite ansehen oder aber auf boingboing.net (wo auch recht eifrig drüber diskutiert wurde), denn auf YouTube muss man sich wegen einer im Trailer enthaltenen kurzen Sexszene mit Altersangabe registrieren. Google befürchtet offenbar eine Jugendgefährdung durch die zirka zweisekündige skandinavische Programmierer-Ausschweifung (mit Notebook!). Deshalb die Warnung: Microsoft-feindlich und “not safe for work”!


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Comics transportieren IT-Informationen: Die Rückkehr der Superhelden

In den USA nennt man sie schon längst nicht mehr “Comics”: Das Genre, das Bild und Text für die Erzählung einer Story kombiniert, heißt dort längst “Graphic Novel“. In Deutschland hingegen schaut man - anders als etwa in Frankreich oder Belgien - gerne oft noch geringschätzig auf die “Micky-Maus-Heftchen” herab. Doch allmählich setzt sich auch hier die Erkenntnis durch, dass es sich bei Graphic Novels um eine Literaturgattung handelt, die zwar oft ein Machwerk, oft aber auch gutes Handwerk und mitunter sogar ein Kunstwerk hervorbringt.

Als Vehikel für PR, Marketing oder gar IT-Fachinformation hat sich die Kombination aus Text und gezeichnetem (oder zunehmend oft computergeneriertem) Bild à la Comic und Cartoon allerdings noch nicht wirklich etabliert. Zwar gibt es Gegenbeispiele wie das mit netten Zeichnungen illustrierte Einführungsbuch “Cisco Networking Simplified” von Cisco Press oder die “…for Dummies”-Bücher mit ihren cartoonesken Elementen, aber das sind Ausnahmen. Und so ist auch die LANline nach wie vor das einzige IT-Fachmagazin, das seinen Titel und seine Schwerpunkte mit (übrigens liebevoll handgezeichneten) Cartoons schmückt.

Dabei ist doch die heutige Generation von System- und Netzwerkadministratoren praktisch mit Cartoons und Comics sozialisiert worden. (Und natürlich mit Star-Wars-Filmen. Möge die Macht mit euch sein!) Recht verwunderlich also, diese anhaltende Textlastigkeit, während man gleichzeitig immer stärker auf YouTube-Filmchen setzt (oft durchaus auch in der YouTube-eigenen Low-Tech-Ästhetik).

Neulich ist mir allerdings - Dank an Johannes Liebl von Lewis PR - ein unterhaltsames Beispiel für “IT-Marketing via Comic-Heftchen” auf den Schreibtisch geflattert: Application-Switching-Spezialist Radware, der die Konkurrenzprodukte der Alteon-Serie von Nortel übernommen hatte, hat kürzlich die Geräte der Alteon 4 Series vorgestellt - und dies mit einer eigens konzipierten Comic-Heft-Serie begleitet, die an die guten alten Superhelden-Comics aus dem Hause Marvel erinnert (obwohl die Helden und Bösewichte eher einem Ego-Shooter-oder Adventure-Game entsprungen sein könnten, Lara Croft lässt grüßen).

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Bildquelle: Radware

In dieser Serie verwandelt sich Administrator Cody dank der Superkräfte, die er per Application Switch erhält, in den muskelbepackten Superhelden Alteon, dem die Partnerin DefensePro (der Name von Radwares Security-Switches) im Kampf gegen die “Tyrannizers” beisteht, die die Netzwerkwelt aushebeln wollen. Diese Tyrannizers - jeder, wie in Computerspielen üblich, mit jeweils eigenen Kräften ausgestattet - heißen Bottleneck, Outage, Disconnect, Disarray und Bots. Wie der Kampf ausgeht, weiß ich noch nicht, da ich nur die ersten beiden Folgen gelesen habe; ich bin aber zuversichtlich, dass die Guten gewinnen werden ;-)

Nett: Die Heftchen enthalten Werbung eines fiktiven Application-Switch-Anbieters namens “Mista Bigg”, der für seine Produkte (übersetzt) mit dem Slogan wirbt: “Erhalten Sie mehr, als Sie brauchen, und zahlen Sie mehr, als Sie sollten!” Die Anzeige verspricht, der Gabelstapler für den “Forklift Upgrade” werde gratis zur Verfügung gestellt. :-)

Begleitet wird Radwares Graphic-Novel-Serie von einer Online-Kampagne unter www.alteonisback.com. Dort hält Radware die Episoden als Online-Videos im vertrauten Videoclip-Format vor. Auf www.radwarealteon.com gab es außerdem im März ein Online-Gewinnspiel, nach wie vor ist dort eine (wenn auch kaum besuchte) Community-Site zu den Alteon-Produkten zu finden.

Der LANline-Cartoonist Wolfgang Traub und ich haben übrigens Anfang des Jahres auf Slideshare ebenfalls ein recht zielgerichtetes Communitainment-Comic gepostet: Wir wollen nach wie vor an Green IT uninteressierte PC-Anwender dazu bewegen, die Option der Energieeinstellungen am (Windows XP) PC zu beachten - durch möglichst unterhaltsamen Verweis auf diesen einfachen Weg, die Stromkosten zu senken (statt das Geld den Comic-gerecht “bösen” Stromkonzernen nachzuwerfen). Das Stromspar-Comic findet man hier: http://www.slideshare.net/WilhelmGreiner/7-clicks1

Kennen Sie weitere Beispiele für die Verwendung von Comics und Cartoons für IT-Informations- und Marketing-Zwecke? Dann lassen Sie es mich doch einfach wissen: per Tweet an @wgreiner oder E-Mail an wilhelm.greiner (at) mitteilerei.de. Möge die Graphic-Novel-Macht mit euch sein!


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Cloud Computing: Plädoyer für einen wolkigen Begriff

Kürzlich habe ich den “Virtualisierungs- und Cloud-Computing-Kongress 2010” für die LANline und das Startup-Unternehmen AppSphere moderiert - schöne Veranstaltung, nettes Ambiente (IHK Karlsruhe), interessante Vorträge, gute Stimmung. So weit, so gut.

Zwischendurch habe ich mir dabei Gedanken über das “Cloud Computing” gemacht - nicht nur, weil dies gerade Tagesthema war, und nicht nur, weil “Cloud” gerade als Marketing-Begriff allüberall aufpoppt, sondern auch, weil der Begriff - auf Deutsch ja immerhin “Wolken-Rechnen” - zu allerlei wilden Assoziationen und Wortspielen einlädt. Wie zum Beispiel, ob es bei einem “Cloud Data Center” nicht automatisch um das IT-Pendant zu einem Luftschloss gehen muss… :-)

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Bild: (c) Wolfgang Traub

Das Grundproblem des Wortes “Cloud” ist natürlich, dass es sich derzeit auf der Spitze eines Hype-Cycles tummelt, also im siebten Himmel kurzlebiger Marketing-Beliebtheit schwebt. Heerscharen von IT-Marketiers biegen sich den Begriff zur Zeit so zurecht, wie sie ihn gerade brauchen, wodurch die Cloud von Tag zu Tag “wolkiger” wird.

Dabei gibt es durchaus eine klare Definition von “Cloud Computing” - die sich der IT-Journalist von Welt natürlich aus der Cloud klaubt (genauer: von Wikipedia): “Cloud Computing”, wissen die anonymen, aber weisen Wikipedia-Massen, “bezeichnet primär den Ansatz, abstrahierte IT-Infrastrukturen (z. B. Rechenkapazität, Datenspeicher - siehe IaaS), fertige Programmpakete (siehe SaaS) und Programmierumgebungen (siehe PaaS) dynamisch an den Bedarf angepasst über (ein) Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Die Abrechnung erfolgt dabei nutzungsabhängig, da nur tatsächlich genutzte Dienste bezahlt werden müssen.” Ebenfalls von zentraler Bedeutung für das Konzept sei die vollautomatische Bereitstellung in virtualisierten Rechenzentren mittels Web-Technologie wie Web-Services.

Was hier so einfach klingt, ist technisch gesehen äußerst anspruchsvoll, komplex und facettenreich. Und so schmücken immer mehr Unternehmen ihre Produkte mit dem Aufdruck “Cloud”, bei denen bislang “Rechenzentrum”, “Virtualisierung”, “IT-Management”, “Application Service Provider”, “Internet”, “World Wide Web” und zahlreiche andere Labels - zwischenzeitlich auch mal “Green IT” - auf der Verpackung stand. Die weiteren Aussichten: zunehmend bewölkt.

Dennoch bin ich ein großer Fan des Wortes “Cloud”. Denn irgendeinen Namen muss man dem jüngsten Spross aus der Familie des mit IT Machbaren schließlich geben. Und dann nimmt man doch am besten ein Wort, das kurz und knackig ist, zudem leicht zu merken und auch für den Deutschen problemlos auszusprechen (anders als, sagen wir mal, “Service-Oriented Architecture”).

Noch dazu ist “Cloud” ein sehr bildhafter Ausdruck - schließlich ist er von den kleinen Cartoon-Wolken abgeleitet, die in Netzwerkgrafiken das Weitverkehrsnetz oder das Internet symbolisieren. Bildhafte Ausdrücke sind nützlich, laden sie doch das Gehirn zum Arbeiten ein. Wie schrieb schon Kurt Tucholsky in seinem Kurztext “Zur soziologischen Psychologie der Löcher“: “Wenn der Mensch ‘Loch’ hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an Goebbels.” Und wenn sie “Cloud” hören, denken eben manche an Schäfchenwolken, manche an Luftschlösser und manche an Software as a Service.

Deshalb finde ich den Begriff “Cloud” einfach gut. Oder, wie der Berliner sagen würde: “Cloud Compjuhting is’ echt ‘ne Wolke.”


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Social Media für die Personalsuche nutzen

Der Einsatz von Social Media hat in den Unternehmen schon große Verbreitung gefunden - mal auf “Eigeninitiative” von Mitarbeitern (so neben der Arbeit her und zum Schrecken besorgter Vorgesetzter und Datenschützer), mal gewollt und gezielt als weiterer Baustein für den Informationsaustausch im Unternehmen oder die Kommunikation mit Kunden und Partnern.

Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter werden dabei in aller Regel unter Gesichtspunkten des Marketings und der PR wahrgenommen. Dabei gibt es allerdings noch eine ganze Reihe weiterer denkbarer Einsatzfälle: Diese reichen vom Support via Twitter über Mitgestaltung der Kunden am Produktdesign per Social-Software-Plattform bis hin zur Personalsuche auf Facebook oder Business-orientierten Social Networks wie Xing oder Linkedin.

Ein Best-Practice-Beispiel für Personal-Management und Recruiting via Social Network liefert IBM. Das überrascht nicht wirklich - IBM ist in Social-Media-Belangen in mancherlei Hinsicht Vorreiter, was hier schon mehrmals Thema war.

Auf der letzten CeBIT hatte ich (obschon ich erst jetzt Zeit finde, das mal aufzubereiten), ein nettes Gespräch mit IBM-Vertretern zu diesem Thema. Wie ich erfahren habe, unterhält IBM auf Xing unter dem Namen “Greater IBM Connection in Germany” eine eigene Gruppe speziell und ausschließlich für ehemalige IBM-Mitarbeiter (im Lateinischen wie auch im Englischen “Alumni” genannt), also zum Beispiel frühere Werksstudenten sowie Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben, oder auch IBMer im Ruhestand).

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Interessant sind die beachtlichen Zahlen: Im Frühjahr hatte die Gruppe 9.207 Mitglieder und es gab knapp 800 veröffentlichte Artikel - also weit mehr, als manch andere Xing-Gruppe vorzuweisen hat. Neben der Xing-Gruppe nutzt IBM für den Kontakt mit Ehemaligen auch weitere Social-Plattformen: einen Greater IBM Twitter-Account, einen YouTube-Kanal, Flickr-Bildergalerien sowie einen englischsprachigen Blog.

In einem Blog-Beitrag beschreibt Mitarbeiter Christian Koester die Zielsetzung der Greater IBM Connecntion: “Unsere Vision ist eine Community, die Menschen mit den unterschiedlichsten Potenzialen und Erfahrungen in einem innovativen Dialog verbindet. Unsere Mission ist es, eine Plattform für frühere und aktuelle IMBer zu schaffen, die aktives Networking mit exklusiven Inhalten verknüpft.”

Im Vorfeld hat IBM die Motivation ehemaliger Mitarbeiter, einem Alumni-Netzwerk beizutreten, in Form einer Studie untersucht: “Die wichtigsten Gründe für einen Beitritt waren demnach die Erweiterung des persönlichen Netzwerks, die Kontaktpflege zu ehemaligen Kollegen sowie die Versorgung mit aktuellen und exklusiven Infomationen zur IBM”, so Koester im Blog. Die Greater IBM Connection biete deshalb exklusive, redaktionell aufbereitete Inhalte zu IBM und zur IT-Branche insgesamt sowie zu den Community-internen Aktivitäten. Zudem gebe es moderierte Foren und ein Karriere-Center.

Dieses Vorgehen ist ein Beispiel für eine sehr intelligente Nutzung der Möglichkeiten von Xing, Twitter und Co. Denn für ein Unternehmen, das im weltweiten Wettbewerb auf hochqualifiziertes Fachpersonal angewiesen ist, ist ein aktives Alumni-Netzwerk sehr nützlich, um Kontakte zu ehemaligen Kollegen zu erhalten und zu pflegen.

Intelligente Social-Network-Nutzung kann einem Unternehmen im Idealfall die Investition in einen Headhunter ersparen - zumindest, wenn es, wie IBM, in Sachen Social Media über die reine Produktvermarktung hinausdenkt.


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Möwenschwarzer Twitter-Humor zur BP-Ölkatastrohphe

Die Lage im Golf von Mexiko ist ernst und spitzt sich weiter zu: Auch mehrere Wochen - Stand heute: am Tag 40 - nach dem Sinken der Ölbohrplattform Deepwater Horizon hat es der Konzern BP trotz dreitägiger Anläufe mit dem “Topkill”-Verfahren nicht geschafft, das Ausströmen des Erdöls in den Tiefen des Meeres vor der einmaligen Naturlandschaft Louisianas und angrenzender Regionen einzudämmen. BP muss auf immer riskantere Rettungsmanöver setzen.

Wollte BP allerdings versuchen, die Situation auf Twitter schönzureden, so käme der Konzern zu spät: Ein Twitter-Account namens @BPGlobalPR, der vorgibt, der offizielle PR-Twitter-Kanal von BP zu sein, hat diese Rolle schon längst übernommen - und hat damit damit die Schönrednerei, die nach Katastrophen leider oft Standard ist, schon von vornherein per Karikatur unmöglich gemacht: Ein unbekannter Tweeter kommentiert hier die anhaltend dramatische Lage mit einem so schwarzem Humor, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt - bislang nannte man diesen Humor “rabenschwarz”, aber im Golf trifft diese Bescheibung ja nun vor allem auf die Seevögel zu.

Gerne nimmt der angebliche PR-Tweeter den Tonfall der “Spin Doctors” aufs Korn: “Bitte helfen Sie uns beim Rebranding. Wir nennen es jetzt nicht mehr ‘Ölpest’, sondern ‘Südstaaaten-Fun-Party’.”

Andere “PR-Tweets” führen BP mit blankem Zynismus vor: “Folgendes: Wir haben im Jahr 2009 45 Millionen Dollar Profit PRO TAG gemacht. Das hier ist wirklich nicht so schlimm. #bpcares”

Weitere dieser Tweets kann man unter http://twitter.com/BPGlobalPR am besten selbst nachlesen.

Gerade weil die Situation im Golf von Mexiko so unglaublich traurig und bedrohlich ist, bietet sie einem fähigen Satiriker (und ein solcher ist hier offenbar am Werk) eine, nun ja, sprudelnde Quelle für böse Kommentare. Man sollte die Tweets von @BPGlobalPR unbedingt verfolgen: Sie helfen, sich für die PR-Schlacht zu wappnen, die dem Kampf gegen die Ölpest mit Sicherheit noch jahrelang folgen wird.

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Die Bloggerin Cat Girl hat übrigens einige dieser Tweets zu einer gelungenen Zusammenstellung sehenswerter Persiflagen auf BP-Werbeplakate aufbereitet: http://www.iridetheharlemline.com/twitter-photos/bpglobalpr-billboards/ - unbedingt anschauen!

… und dann sollten wir bitte nicht in Defaitismus verfallen, sondern überlegen, wie wir unsere Abhängigkeit von sinnlos eskalierendem Energieverbrauch ernsthaft eindämmen können. Denn man kann die Schuld an so einem Desaster nicht zu 100 Prozent auf die “böse BP” abwälzen. Und Satire allein ist auch keine Lösung.


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Facebook nutzen trotz Datenschutz-Bedenken

Viele Manager, IT-Leiter und Datenschützer haben starke Vorbehalte gegen Social Networks – und insbesondere Facebook gibt sich seit geraumer Zeit größte Mühe, diese Vorbehalte möglichst zu verstärken: Nicht nur ist nun sogar bei den in puncto Datenschutz oft unbedarften Facebook-Nutzern eine heftige Debatte über die Auswertung und Weitergabe der Anwenderdaten entstanden; begleitet war dies zudem von mehreren Sicherheitspannen des führenden Social Networks. Man konnte deshalb neuerdings vielerorts Tipps lesen, wie man den Datenschutz seines Facebook-Accounts verbessert, und kürzlich sah sich der Facebook-Chef Mark Zuckerberg angesichts heftiger Kritik sogar gezwungen, leichter verwendbare Privacy-Settings zu versprechen - ohne allerdings die Kritiker wirklich zu überzeugen (siehe zum Beispiel hier).

Dennoch ist Facebook derzeit nicht auf dem absteigenden Ast: Obwohl es Bewegungen gab und gibt, um Sammelaustritte aus Facebook anzuregen, ist die Zahl der Facebook-Benutzer trotz aller Debatten und Aktionen gestiegen. Zwischenbilanz: „Ich bin nicht auf Facebook“ ist das neue „Ich schaue kein Unterschichtenfernsehen“ – sprich: Es ist (derzeit) nicht mehrheitsfähig.

Auch manch ein Unternehmen hat sich inzwischen in puncto Social Networks und Social Media engagiert – sei es für das Marketing, die PR, die Personalsuche, das Wissens-Management oder die Kontaktpflege mit Zulieferern. Sind die Weichen einmal in Richtung Social Media gestellt, kann man sich natürlich nicht so einfach wieder verabschieden. Und den Mitarbeitern die private Nutzung von Social Networks pauschal zu untersagen, wäre für viele Verantwortliche nur schwer umsetzbar.

Hinzu kommt, dass es zahlreiche Social Networks gibt, die weit weniger umstritten sind als Facebook, aber je nach Einsatzzweck mindestens ebenso nützlich, zum Beispiel Slideshare, Posterous oder das Infonetzwerk Twitter - das bei den abkürzungsfreudigen Amerikanern sicher „Social Information Network“ hieße, wäre das Akronym dazu nicht „SIN“, als „Sünde“…  ;-)

Nein, trotz aller Patzer und der eklatanten, vorsätzlichen Unübersichtlichkeit der Datenschutzeinstellungen auf Facebook ist der Rückzug aus Social Networks für das Gros der Unternehmen und Privatpersonen sicher nicht die optimale Lösung. Es gilt vielmehr, sich der Risiken bewusst zu sein – und dies auch bei der täglichen Nutzung immer im Hinterkopf zu behalten. Social Networks leben letztlich von „Social Intelligence“, also der Sammlung und Vermarktung der Angaben und Verhaltensmuster der Benutzerschaft. Ist man sich dessen einmal bewusst, kann man sein Social-Networking-Verhalten danach ausrichten.

Um es Unternehmen zu erleichtern, den Blick ihrer Mitarbeiter für die Tücken und Untiefen der Social-Media-Nutzung zu schärfen, haben der LANline-Cartoonist Wolfgang Traub und ich im Rahmen unseres Projekts „Communitainment, Inc“ bereits im März eine kleine, mit Cartoons bebilderte PowerPoint-Slideshow auf Slideshare in einer Version 0.9 veröffentlicht. Sie versammelt zwölf Tipps für die Social-Media-Nutzung und wurde auf Slideshare schon über 380-mal angesehen. Seitdem haben wir fleißig Feedback gesammelt – vielen Dank an dieser Stelle an alle Kommentatoren.

Jetzt ist die Slideshow „12 Social Media Tipps“ in Version 1.0 online. Wir haben vier Bilder gegen besser passende ausgetauscht und auch den Text an mancher Stelle prägnanter gefasst.

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Unternehmen, die ihre Mitarbeiter auf unterhaltsame Weise für den verantwortungsbewussten Umgang mit Social Media sensibilisieren wollen, können ihre Kollegen auf folgenden registrierungsfrei zugänglichen Link verweisen:

http://www.slideshare.net/WilhelmGreiner/12-social-media-tipps

Wir freuen uns auch weiterhin auf konstruktive Kritik. Denn auch eine Version 1.0 ist nicht die „endgültige Fassung“, ist doch im Social-Media-Umfeld nichts jemals wirklich endgültig. In diesem Sinne: Viel Spaß mit der Präsentation - und dann: Augen auf bei der Nutzung von Facebook und Co.!


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5 Datenschutz-Strategien für das Social-Media-Zeitalter

Das Social Network Facebook hat wieder mal durch offenbar gezielt laschen Umgang mit der Privatsphäre seiner Mitglieder von sich reden gemacht - und das auch noch begleitet von klassischen Datenschutzpannen. Sogar in den USA - wo viele Leute die Themen Datenschutz und Privatsphäre nicht allzu ernst nehmen - wächst deshalb die Kritik an Facebook, es gibt sogar unter den Facebook-Nutzern eine zumindest kleine Austrittswelle (La Ola Ex-Facebookiana).

Betrachten wir deshalb doch mal ganz distanziert, aus Marsmännchen-Perspektive sozusagen, welche Strategien eine Einzelperson heutzutage zum Schutz ihrer Privatsphäre verfolgen könnte:

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1. Lifecasting: Am einen Ende der Skala finden wir den Ansatz, Datenschutz sei “von gestern” oder “heute sowieso nicht mehr zu gewährleisten”. Wer es sich in dieser defaitistischen Ecke erst mal gemütlich gemacht hat, kann fröhlich dem Lifecasting (der kontinuierlichen Mitteilung über eigene Aktivitäten und Ansichten in Social Networks) frönen - mit all den Risiken und Nachteilen, derenthalben alle Datenschützer beim Thema Lifecasting die Hände kollektiv über den Köpfen zusammenschlagen (La Ola Privatsphäriana).  Kann aber, wenn konsequent und mit Hirn umgesetzt, durchaus ein Geschäftsmodell sein, etwa für Promis (inklusive B-Promis, wir nennen hier mal keine Namen) oder auch für Tech-Blogger wie Robert Scoble (der unter dem Nickname @scobleizer fleißig dauertwittert). Derzeit groß im Kommen: das Ganze mittels des Online-Spiels Foursquare auch noch mit Geolokationsdaten kombinieren und per Tweet verbreiten. Sollte man mit Bedacht nutzen, wenn man sich in der Arbeit gerade krankgemeldet hat.

2. Totalverweigerung: Das andere Extrem bildet die Position, Social Media und Social Networks aufgrund von Bendenken wegen des Datenschutzes überhaupt nicht zu nutzen. Das mag in der Tat für viele Leute ein gangbarer Weg sein, wäre für mich als selbstständigen Journalisten und digital vernetzten Information Worker allerdings von Tag zu Tag schwieriger umzusetzen. Klassisches Gegenargument: Dann dürfte man auch keine Kreditkarten benutzen. Oder sich in kameraüberwachten Flughäfen rumtreiben. Oder in Kaufhäusern. Oder oder oder. Wir leben in einer Überwachungs-, Vermarktungs- und Auswertungs-Gesellschaft, aus der ein totaler Rückzug kaum mehr möglich ist. Was viele in den Punkt 1 treibt.

3. Granulare Kontrolle: Der Versuch, die Oberhand zu behalten über all die Informationen, die über einen selbst im Netz stehen. Wieder zurück zum Eingangsbeispiel: Facebook bietet dem Benutzer eine ganze Fülle an Kontrollmöglichkeiten - so detailliert, dass es schon wieder unübersichtlich ist. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, muss zweierlei im Hinterkopf behalten: Erstens posten auch andere Leute über mich, und das zu monitoren oder gar zu kontrollieren, ist - wie auch im Offline-Leben - nicht praktikabel. Und zweitens kann Facebook jederzeit - wie schon mehrmals vorexerziert - erneut an den Privacy -Einstellungen rumschrauben, und dann steht man blöd da und darf von vorn anfangen. Da hilft nur, ein Social Network nach klarer Trennung von privat und öffentlich auszusuchen. Beispiel Twitter: Hier gibt es Tweets, Nachrichten an einzelne Empfänger und Direct Messages (DMs). Tweets sind öffentlich, Punkt. Nachrichten an Einzelpersonen erreichen zwar nur den Empfänger, sind aber per Timeline des Senders ebenfalls öffentlich - somit also nicht privater, als mitten in einer Menschenmenge zu telefonieren. Das weiß man, und damit ist es gut. DMs schließlich sind schlicht privat. Sollte Twitter DMs eines Tages öffentlich zugänglich machen, dann können sie jedes Geschäftsmodell beerdigen, also kann man davon ausgehen, dass DMs auch privat bleiben. Die PIN fürs Bankkonto sollte man aber besser trotzdem nicht per DM schicken. Granularer sollte es jedenfalls nicht sein, das macht’s nur unnötig kompliziert.

4. Social-Media-Stream als Lebenslauf: Bei einem Online-Brainstorming (”Innovation Jam”) von IBM hat jemand - ich weiß leider nicht mehr, wer - auf das generelle Risiko in der Social-Media-Welt hingewiesen, dass Posts “gegen einen verwendet werden”; Folgerung: deshalb solle man seine Social-Media-Aktivitäten am besten als einen digitalen, global verteilten Lebenslauf betrachten. Faustregel also: Poste nur, was du auch gegenüber potenziellen Arbeitgebern vertreten kannst - alles andere bleibt offline. Folgt man diesem Ansatz, spricht beispielsweise nichts dagegen, “Gehe heute Mountain-Bike fahren” zu posten, wenn man sich selbst als sportlichen Menschen sieht, der dies auch gerne kommuniziert.  Selektives Lifecasting sozusagen, mit dem Nebeneffekt, dass man die verbleibenden, wirklich privaten Dinge schützt. Social Media als Eigenwerbung, das Individuum als Marke. An sich eine zeitgemäße, vernünftige Idee, die allerdings voraussetzt, dass man mit (sagen wir mal) 15 Jahren schon weiß, was einem mit 30 oder 40 Jahren peinlich sein wird und was nicht. Schwierig. Außerdem rein zweckorientiert und damit ein bisschen spießig. Aber das Prinzip “öffentlicher Lebenslauf” bewahrt einen immerhin vor grobem Datenklau - wenn schon nicht vor Social-Engineering-Angriffen oder vor Werbung (”Sie lieben Mountain Bikes? Dann besuchen Sie uns auf www…”).

5. Peter-Pantertum: Wer in Social Networks auch über Dinge bloggen, posten und tweeten möchte, die dem normkonformen Social-Media-Dauerlebenslauf nicht entsprechen, der sollte auf ein Alias ausweichen - oder gar auf mehrere. (Literarischer Exkurs: Der Autor Kurt Tucholsky war in den 1920-er Jahren so eifrig für die Zeitschrift “Schaubühne” tätig, dass er sich diverse Pseudonyme ausdenken musste, damit nicht unter jedem Beitrag “Kurt Tucholsky” steht. Und so entstanden die Schaubühne-Autoren Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser. Diese Aliasse sind kürzlich im NRW-Wahlkampf als Blogger-Nicknames wieder aufgetaucht, ebenfalls mit dem Ziel der Verschleierung von Identitäten. Klammer zu.) Die Maskierung per Alias ist die mächtigste Waffe des Einzelnen im Kampf gegen Dauerüberwachung und Invasion der Privatsphäre. Problem: Wie bei jeder Maskerade muss auch die Social-Media-Maske gut sitzen, sprich: Man muss seine Identitäten sauber trennen, um Rückschlüsse vom einen Alias auf ein anderes zu unterbinden. Und diese Trennung muss man dauerhaft aufrechterhalten, sonst funktioniert’s nicht. Gut kombinierbar mit Punkt 3 und 4.

Im Social-Media-Zeitalter gilt: Nur wer mit Rollen und Identitäten geschickt sein Spiel zu treiben versteht, wird nicht selbst als Marionette auf der Bühne der globalen Auswertung von “Social-Intelligence”-Daten enden.


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Wolkiger Arbeitsplatz: Desktop as a Service

Wieso muss man eigentlich als stolzer Besitzer eines PCs, Macs, Notebooks oder Macbooks dauernd irgendetwas installieren, updaten, patchen oder sichern? Liebe Herren Gates, Ballmer, Jobs und Konsorten: Allmählich nervt das!

Ich fürchte, in naher Zukunft updaten und patchen wir nur noch. Arbeit und Hobby können ja dann warten. Das muss doch einfacher gehen, oder?

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Zugegeben: Die Anbieter aus den Dunstkreisen von Microsoft und Apple bemühen sich redlich, dem Anwender hier Arbeit abzunehmen: Da gibt es Update-Services, automatische Patch-Suche, im Hintergrund geladene Anti-Virus-Patterns, Software für kontinuierliche Backups etc. pp.

Und dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - hat man oft den Eindruck: Man kann bald einen Rechner nicht mehr starten, ohne erst mal auf einen Installations-Laufbalken mit dem Elan einer komatösen Schnecke zu blicken. Und man kann einen PC kaum mehr herunterfahren, ohne dass es heißt: “Bitte nicht ausschalten. Installiert Update 1 von 10″ (oder so ähnlich - ich schau schon gar nicht mehr hin).

Ansätze, die Desktop- (oder natürlich auch die Laptop-) Nutzung zu vereinfachen, waren ein wichtiges Thema auf dem LANline-Event zur Desktop-Virtualisierung, das ich am 28. April in Düsseldorf moderiert habe. Besonders interessant war dabei die Gegenüberstellung der verschiedenen Ansätze, das Prinzip Client-Rechner zu verschlanken.

Da ist einerseits das zentralisierte Client-Computing, das unter dem Namen Desktop-Virtualisierung oder VDI (Virtual Desktop Infrastructure) in Unternehmen die Verwaltung der Client-Betriebssysteme, Applikationen, Settings und Daten ins Rechenzentrum packen soll. Die Anwender greifen dann übers LAN (die ganz Harten auch übers WAN) auf ihre Desktops zu. Installation, Update, Patching, Backup - das alles findet dann im RZ statt, wo es schließlich auch hingehört.

Andererseits ist da die Idee, den Desktop gleich ganz auszulagern und - Stichwort Cloud Computing - “in die Wolke” zu kippen. Der Desktop ist dann nur noch ein Dienst, den ein Cloud-Provider bereitstellt, weshalb das Konzept auch “Desktop as a Service” oder kurz DaaS heißt. Dieser Ansatz ist natürlich derzeit noch mit einem ganzen Rudel von Problemen behaftet: die Zuverlässigkeit der Anbindung, Latenz beim Fernzugriff, Datensicherheit und Hochverfügbarkeit fallen einem spontan ein. Und was ist, wenn der Cloud-Provider pleite geht? Das kann dann böse ins umwölkte Auge gehen.

Aber schön wär’s schon. Bei den Mobiltelefonen geht’s ja schließlich auch. Und zwar genau so, wie hier für DaaS beschrieben - oder wissen Sie, wo die Anrufdaten Ihres Handy-Anrufbeantworter liegen? Irgendwo in einer Wolke, oder?

Je stärker sich mobiles Computing verbreitet und damit Desktop und Mobiltelefon zusammenwachsen, desto mehr dürfte sich auch die Desktop-Nutzung in die Cloud verschieben. Das wird einige Probleme lösen, und es wird neue Probleme schaffen. Aber es sehr spannend sein, diese Entwicklung zu beobachten. Zumindest spannender, als einem Laufbalken mit der Dynamik einer Kontinentalverschiebung bei der Pilgerreise ans rechte Ende seines Laufbalkenlebens zuzuschauen.


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Vulkanausbruch spielt der IT-Industrie in die Hände

Eine gute und eine schlechte Nachricht zum Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, der die europäischen Flugzeugflotten per Aschepartikel-Knockout zu Boden geschickt hat - die schlechte zuerst: Der Vulkan mit dem unhandlichen Namen hat den Passagier- und Frachtfliegern nun schon seit Tagen kontinuierliche Bodenhaftung verordnet, was nicht nur die Airlines und Flughäfen viel Geld kostet, sondern auch die Just-in-Time-Produktion zahlreicher Branchen in eine Much-too-late-Logistik verwandelt, was weitere Einbußen verursacht.

So musste zum Beispiel das BMW-Werk in Dingolfing wegen ganz und gar nicht “in time” gelieferter Elektrobauteile eine Produktion stoppen, und man hörte sogar Gerüchte, in Münchner Schicki-Lokalen könnte der Hummer knapp werden (das Krustentier, nicht der hässliche Geländewagen).

Die gute Nachricht: Da die Flugindustrie laut Analysten für zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich zeichnet, ist die erzwungene Erholungspause laut Klimaforschern letztlich sogar gut für die Umwelt. Dies hat zum Beispiel das britische Blatt The Guardian berichtet, und auf informationisbeautiful.net war auch eine sehr anschauliche Grafik zum Vergleich des CO2-Ausstoßes des Vulkans mit dem der europäischen Luftfahrtindustrie zu finden:

planes_volcanos.png

Bild: http://informationisbeatiful.net

Aber auch auf die IT-Industrie wirkt sich der Vulkanausbruch aus. So habe ich kurz nach der Eruption mit meinen Kollegen in der Redaktion gewettet, dass wir nun einen Schwall von Pressemitteilungen erhalten werden, in denen die Anbieter von Lösungen für Web-Collaboration und Video-Conferencing eilig vermelden: Wer unsere Tools einsetzt, ist jetzt fein raus, weil er nicht auf Flüge angewiesen ist.

Und hast du nicht geseh’n: Von der Cisco-Tochter Webex kam die Pressemitteilung “Online gegen Vulkanasche: Sechs Tipps für den Einsatz von Webkonferenzen”, Easynet rückte seine Videokonferenz-Angebote unter der Überschrift “Telepresence statt Flugausfall” ins rechte Licht, und Polycom meldete: “Unterbrechung des Flugverkehrs sorgt für Aufwind bei der Nutzung von Videokonferenz- und Telepresence-Lösungen” - um nur einige Pressetexte zu nennen. Der Carrier Telefónica hatte immerhin die nette Idee, seinen Firmenkunden während des Flugverbots kostenlose Telepresence-Services anzubieten.

Die einschlägigen Anbieter werden ab sofort sicherlich nicht mehr nur die Zeit- und Kostenersparnis oder Green IT - den Beitrag zum Umweltschutz durch weniger Dienstreisen - in den Mittelpunkt rücken. Per Eruption hinzugekommen ist nun das Thema “Business Continuity”, also der unterbrechungsfreie Geschäftsbetrieb in Krisenzeiten. Und diese Anbieter haben damit schlicht und einfach recht. Allerdings ist die IT-Industrie nach wie vor gefordert, ihren eigenen CO2-Ausstoß deutlich unter den der Luftfahrtindustrie zu drücken - laut der erwähnten Gartner-Meldung lagen beide Industriezweige 2007 nämlich noch gleichauf.

Man darf hoffen, dass die bedrohliche Aschewolke den Unternehmen als Weckruf dient, künftig tatsächlich stärker auf umweltfreundliche Web-Collaboration- und Video-Conferencing-Technik zu setzen. Dann hätte das isländische Rauchzeichen wenigstens einen langfristigen Nutzen - für die Unternehmen und für die Umwelt.


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