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27.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Letzte Woche hatte ich ein ausführliches und spannendes Gespräch mit Nikos Drakos, der als Research Director beim Marktforschungshaus Gartner für die Themen Social Software und Collaboration zuständig ist. Nach einer längeren Diskussion um die Best Practices bei der Einführung von Social Software in Unternehmen kam die Sprache auf die Motivation für Mitarbeiter, sich aktiv in ein firmeninternes Social Network einzubringen.
Gartner-Analyst Nikos Drakos. Bild: Gartner
“Die Teilnahme muss einen Sinn ergeben”, so Drakos, “und man muss einen Einblick in das Ergebnis erhalten.” Denn letztlich wünsche der Mitarbeiter, dass sein Beitrag in der Community mit seiner Leistung im Unternehmen verknüpft wird - sprich: dass sie honoriert wird, auf die eine oder andere Weise.
Als wichtiges Incentive für die Teilhabe an einer Community nannte der Analyst spontan: “Reziprozität”. Zu recht. Denn so fremd und sperrig dieser Latinismus wirkt, so vertraut ist er uns aus dem Alltag, bezeichnet er doch schlicht den gegenseitigen Nutzen einer sozialen Interaktion: Gibst du mir etwas, gebe ich dir etwas.
Jeder kennt das: Wenn man etwas geschenkt bekommt, fühlt man sich unterschwellig automatisch verpflichtet, dem Schenkenden etwas zurückzugeben. Ich glaube, es war Jacques Derrida, der deshalb argumentiert hat, die kleinste ökonomische Transaktion sei nicht die Gabe, sondern der Tausch - ein Geschenk sei also immer nur der erste Teil eines impliziten Handels. (Kann mich aber irren, ist schon lange her…)
Dieses Prinzip der Reziprozität ist ein zentraler Pfeiler menschlichen Miteinanders: Könnten wir bei einem Tausch nicht davon ausgehen, für das Gegebene etwas zurückzuerhalten, würde unser Zusammenleben nicht funktionieren, sondern in Misstrauen und Missgunst versinken. Insofern ist der Begriff “Social Network” durchaus gut gewählt: Das Funktionsprinzip einer Social Community ist das gleiche wie im Offline-Alltag, nur eben mit Web-2.0-Mitteln ins Online-Zeitalter transponiert.
In Consumer-Netzwerken ist einer der wichtigsten Benefits, die man aus einem Social Network zieht, das Entertainment. Und dies wird, da bin ich mir sicher, im Rahmen der allgegenwärtigen “Consumerization” des beruflichen IT-Alltags auch in Social Networks innerhalb eines Unternehmens ein wichtiger Motivator sein: Es muss unterhaltsam sein, an einer Firmen-Community mitzuwirken.
Weitere Faktoren sind, so Nikos Drakos, allerdings mindestens ebenso wichtig für die Motivation. Drakos erinnerte sich in unserer Diskussion an die Frage eines Risikokapitalgebers, der um Venture Capital Anfragende mit der Frage konfrontierte, welche der sieben Todsünden ihr Geschäft für Kunden attraktiv mache: Habgier? Eitelkeit? Faulheit? Neid? …?
In Social Communities reicht das Spektrum motivierender Ingredienzien somit von einer Befriedigung der Eitelkeit (Popularität aufgrund vieler Abrufe oder Demonstration von Kompetenz, angezeigt durch ein hohes Rating für eigene Postings etc.) über die der Genusssucht (Entertainment-Elemente) bis zur Erfüllung der Habgier (finanzielle Kompensation). Je stärker ein Social Network also Entertainment-Elemente bietet und Popularität oder auch Kompetenz deutlich sichtbar macht, desto eher dürfte wohl zumindest ein Teil der Mitarbeiter zu bewegen sein, selbst ohne finanzielle Anreize etwas beizutragen. (OK, mit Geld geht’s trotzdem leichter…)
Wichtig ist es laut dem Gartner-Analysten aber in jedem Fall für die Unternehmen, bei der Einführung von Social Software in Vorleistung zu gehen, um den Mechanismus der Reziprozität in Gang zu setzen: Ein Mitarbeiter muss auf den ersten Blick erkennen, dass ihm dieses Netzwerk Vorteile verschafft - sonst wird er nur sehr schwer dazu zu motivieren sein, selbst etwas beizutragen.
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23.11.2009 von Wilhelm Greiner.
In meiner Rolle als Inhaber des Redaktionsbüros Mitteilerei habe ich zusammen mit dem Atelier Wolfgang Traub in Staufen das gemeinschaftliche Projekt “Communitainment, Inc” ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, neue oder bestehende Communities zu beraten und mit Communtainment-Maßnahmen und -Materialien zu unterstützen, um das Interesse am jeweiligen Projekt und die Motivation von Community-Mitgliedern und -Neulingen zu fördern.
Unsere Ausgangsthese: Diejenigen Unternehmen und Organisationen werden sich am besten im Markt positionieren können, denen es gelingt, ihre eigenen Mitarbeiter, Partner, Kunden und Interessenten als Community zu verstehen, zu behandeln und zu organisieren. Denn der Trend geht zum Community-orientierten Arbeiten.
Zahlreiche Projekte - so zum Beispiel die Einführung von Social Software, aber ebenso Security Awareness, IT-Service-Management oder der ressourcenschonende Einsatz von IT-Infrastruktur (Green IT) - erfordern motivierte Mitarbeiter, Partner und Kunden, die sich freiwillig einbringen und gemeinsam zu einer Sache beitragen.
Community-Bewusstsein, Interesse und Motivation gilt es aber zunächst aufzubauen und gezielt zu fördern: durch Information, Anreize, Kommunikationsangebote und eben auch durch Unterhaltung. Es sollte eine Freude sein, an einer Community mitzuwirken. Dies zu fördern, dazu dient Communitainment. Denn Motivation und Freude am Mitmachen lassen sich nicht per Dekret verordnen oder per Richtlinie festschreiben.
Nachhaltiges Interesse an einer Community entsteht unter anderem durch:
* Neugier: Worum geht es da?
* einen klar erkennbaren Nutzen oder Mehrwert: Was bringt mir das?
* Möglichkeiten produktiver Interaktion: Wie kann ich mich mitteilen?
* Reputation: Wie finde ich Anerkennung?
* “In-crowd”-Denken: Wie kann ich dazugehören?
* kontinuierliche Aktualität: Was gibt es heute Neues?
* Reziprozität: Was bringt es mir, mich einzubringen?
* und nicht zuletzt Unterhaltungswert: Macht es Spaß, mit dabei zu sein?
Das gemeinschaftliche Projekt “Communitainment, Inc” der Mitteilerei hat des Ateliers Wolfgang Traub hilft Unternehmen und Organisationen dabei, diese Faktoren beim Aufbau oder Ausbau ihrer Communities gezielt aufzusetzen und zu stärken. Community-Orientierung wollen wir mit individuell konzipierten und erarbeiteten Communtainment-Maßnahmen und -Materialien unterstützen.
So erreichen Sie uns:
Mitteilerei Dr. Wilhelm Greiner
Pfarrweg 2
D-81539 München
Tel.: 0176/6294-6553
E-Mail: wilhelm.greiner@mitteilerei.de
Web: www.mitteilerei.de
Atelier Wolfgang Traub
Auf dem Graben 22a
D-79219 Staufen
Tel.: 07633/9233980
E-Mail: mail@wolfgangtraub.de
Web: www.wolfgangtraub.de
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13.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Die Chicago Tribune brachte vor Kurzem einen netten Artikel über das so genannte “Rotnem”-Programm eines Unternehmens: “Rotnem” ist das Wort “Mentor” rückwärts buchstabiert und beschreibt den Umstand, dass jüngere Mitarbeiter den älteren Kollegen und Vorgesetzten den Umgang mit den schicken neuen Software-Tools wie Blogging und Twitter näherbringen.
Der Artikel “Younger employees help senior executives unlock social media mystery” umreißt, wie ein solches Rotnem-Programm den Austausch von Wissen zwischen den Generationen bidirektionaler gestaltet, die Kommunikation im Unternehmen damit produktiver macht und zugleich Hierarchien abbaut (”senior” heißt im Englischen schließlich sowohl “älter” als auch “vorgesetzt”).
Als Beispiel für das Rückwärts-Lernprogramm dient der Zeitung ausgerechnet die lokale PR-Agentur Edelman, die sich in Sachen Social Media sehr profiliert zeigt - und die hier somit einen netten PR-Coup in Sachen Social Media gelandet hat.
Social Software stellt insbesondere (wenn auch längst nicht nur) ältere Mitarbeiter (”Digital Immigrants”) vor die Herausforderung, den Umgang mit neuen Werkzeugen der Kommunikation erlernen zu müssen - während häufig die jüngeren Kollegen als “Digital Natives” mit den Tools geübter umgehen als mit Messer und Gabel (McDonald’s sei dank).
Im Beitrag kommentiert Edelman-Managerin Janet Cabot ihre anfängliche Lernsituation: “Man fühlt sich dumm. Und wenn man mal ein bestimmtes Alter erreicht hat, will man sich nicht dumm fühlen.” Natürlich kommt der Beitrag zu dem Schluss, dass solche Programme sinnvoll und nützlich sind, gerade weil sie diese Wissenslücken überwinden helfen.
Ein Reverse-Mentoring-Programm ist damit sicherlich ein nützlicher Ansatz, um den “Knowledge Gap” zwischen den Einwanderern und den Eingeborenen der Web-2.0-Welt zu schließen. Aber vielleicht gibt es ja weitere Vorgehensweisen, bei denen sich die einwandernden Mitarbeiter nicht gleich ganz so dumm fühlen? Oder frisst hier nur die Hierarchiedenke ihre Kinder?
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4.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Das Analystenhaus Gartner prophezeite kürzlich, dass bis zum Jahr 2013 ganze 80 Prozent aller Collaboration-Plattformen in Unternehmen Browser-basierte Web-2.0-Technik nutzen werden: Gegenüber bisherigen Tools, deren Workflows die Dokumente in den Mittelpunkt gestellt hatten/stellen, wird laut den IT-Auguren die Browser-basierte Echtzeit-Kommunikation und die gemeinsame Arbeit an Projekten die Oberhand gewinnen. Als einen hauptsächlichen Treiber sieht Gartner, dass Zusammenarbeit im Wiki-Stil sich etablieren wird und dadurch Web-2.0-Ansätze wichtiger werden.
Die Berater warnen, dass dieser Wandel von der Fokussierung auf die einzelne Datei (inklusive Sicherung, Sicherheit und Compliance) hin zum Web 2.0 die Unternehmen vor Probleme stellen wird: “Es bestehen fundamentale Unterschiede zwischen jenen Arbeitsstilen, die dateiorientiert und dokumentenbasiert sind, und jenen, die Web-2.0- und Browser-basiert sind“, so Jeff Mann, Research Vice President des Hauses. Der Umgang mit diesen Differenzen werde über den Erfolg der Einführung neuer Collaboration-Plattformen entscheiden.
Neben diesen beiden konkurrierenden “Mind-Sets” sehen die Gartners aber auch Hybridlösungen als gangbaren Weg: Einige Lösungen - hier fällt mir etwa Lotus Connections 2.5 ein - verbinden beide Welten, während andere Tools wie Google Apps klar Web-2.0-basiert seien, aber dennoch die (Offline-) Arbeit mit Dokumenten umfassen.
Es bleibt anzumerken, dass dieser Wandel nicht allein auf die Auswahl und Nutzung der Werkzeuge begrenzt bleiben wird: Es geht hier um unterschiedliche Kommunikationskulturen - “alles meins” versus “alles unseres”. In diesem Kontext müssen die Unternehmen entweder Vorbereitungen treffen, um einen “Culture Clash” zu vermeiden, also zum Beispiel Community-Manager etablieren und mit entsprechenden Befugnissen ausstatten - oder aber sie müssen den “Kampf der Kulturen” eben aushalten.
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24.10.2009 von Wilhelm Greiner.
* In wenigen Jahren (für Deutschland: in fünf; für die USA: in zwei bis drei) wird das Software-Interface, an dem ein Anwender eines fortschrittlichen Unternehmens seinen Arbeitstag verbringt, zugleich sein Community-Interface sein.
* Zögerliche Unternehmer werden befürchten, dass die Community-Aspekte die Mitarbeiter von der Arbeit abhalten. Schlaue Unternehmer werden diese Community-Aspekte so zu steuern verstehen, dass sie das Geschäft bestmöglich fördern.
* Die Verschmelzung beruflicher Collaboration mit (ursprünglich privater) Community-Teilnahme ist die logische Fortsetzung der „Consumerization“ (Gartner) der Arbeitswelt und des rapide wachsenden Einflusses (Forrester: „Groundswell“) der Web-2.0-Communities.
* Um von dieser Bewegung zu profitieren, müssen Unternehmen Community-gerechter - also offener, transparenter, dialogorientierter - kommunizieren und dabei auch die Consumer- und Entertainment-Aspekte der Online-Communities berücksichtigen. Diesen Ansatz Community-gerechter Kommunikation nenne ich „Communitainment“.
* Je besser ein Unternehmen seine Geschäftsprozesse mit flexibler Kommunikation, multimedialer Team-Collaboration, Community-Orientierung sowie Entertainment-Elementen verschmelzen kann, desto produktiver und erfolgreicher wird es in seinem Markt agieren.
* Informationsbeschaffung wird in Communities stattfinden. Vermarktung und Verkauf werden in Communities stattfinden. Support wird in Communities stattfinden. Personalentwicklung wird in Communities stattfinden. Produktentwicklung wird in Communities stattfinden. Outsourcing wird ersetzt durch Crowdsourcing.
* Marketing-Manager werden Community-Manager sein.
* PR-Manager werden Community-Manager sein.
* Channel-Manager werden Community-Manager sein.
* Sales-Manager werden Community-Manager sein.
* Support-Leiter werden Community-Manager sein.
* Entwicklungsleiter werden Community-Manager sein.
* Personalentwickler werden Community-Manager sein.
* Vorgesetzte werden Community-Manager sein.
* Erfolgreiche Unternehmen werden nicht abwarten, dass die relevanten Communities sich in Social Networks formieren, sondern werden das Community-Management selbst in die Hand nehmen.
* Optimaler Zeitpunkt, um mit dem Aufbau des Community-Managements zu beginnen: jetzt.
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25.9.2009 von Wilhelm Greiner.
Vor lauter Begeisterung über die schicken neuen Kommunikations-Werkzeuge Social Media und Social Software vergisst man allzu leicht, wie wichtig nach wie vor das persönliche Miteinander - offline - im “richtigen” Leben - für den Austausch und die Meinungsbildung ist, warnt ein Forrester-Report vom 11.09.09.
“Schlaue Interactive-Marketiers wissen, dass Konsumenten einander mehr vertrauen als den Dingen, die sie von Unternehmens- und Medienseite hören - aber die meisten nehmen trotzdem nicht wahr, dass Offline-Einflussnahme von Angesicht zu Angesicht sowohl verbreiteter als auch wirkungsvoller ist als Online-Einflussnahme”, so Forrester-Analyst Nate Elliott in seinem Thesenpapier “The Analog Groundswell”. Social Media, merkt Elliott an, hätten sich dabei aber als sehr nützliche Hilfsmittel zur Organisation und zur Verstärkung der Wirkung von Offline-Events erwiesen. Zudem rät der Marktforscher: “Marketiers können interaktive Tools auch dazu nutzen, um Offline-Botschafter der Marke zu identifizieren und zu mobilisieren.”
Wie so viele seiner Kollegen bei Forrester befasst sich Elliott hier ebenfalls mit den Möglichkeiten und Auswirkungen von Social Software und Social Media vorrangig aus der Perspektive der Vermarktung und des Verkaufsförderung. Seine nützlichen Ratschläge aus der Marketing-Ecke sind aber durchaus übertragbar auf andere Projekte - etwa wenn es darum geht, eine im Unternehmen neu eingeführte Social Software zu propagieren, aber genauso gut für Security-Awareness- oder Service-Management-Vorhaben. Es gilt, mittels Social Software Menschen zu finden, die auch offline die jeweilige Sache verfechten - und dieses Engagement lässt sich dann sehr schön wieder in Social-Media-Kanäle zurückspielen. So könnte ein Unternehmen in seinem Blog auf Offline-Events zum Thema Security Awareness hinweisen, um dann später die dort offline geleistete Motivations- und Überzeugungsarbeit wiederum online - im Blog oder per Video-Clip - zu dokumentieren. Greifen diese Mechanismen elegant ineinander, fördern sie die Diskussion zum Thema wirkungsvoll.
Informations- und Motivationskampagnen sollten die Mitarbeiter im Unternehmen offline wie online ansprechen. Im Idealfall ergänzen sich die erzielten Effekte und schaukeln sich gegenseitig auf.
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24.9.2009 von Wilhelm Greiner.
“Plug and pray” (”einstecken und beten”) nennen Skeptiker und Scherzbolde die Automatismen zur Anbindung von PC-Peripherie, die man aus Datenblättern und Marketing-Broschüren eigentlich als “Plug and play” kennt (”einstecken und spielen” im Sinne von “einstecken und loslegen”). Was beim Anschluss zum Beispiel von USB-Geräten gut klappt - die Verwendung ohne jegliche Vorbereitung und mit geringem Aufwand -, ist bei der Einführung von Social Software laut Gartner-Analyst Anthony Bradley ein großer Fehler: “Provide and pray” (”bereitstellen und beten”) ist laut Bradley eine denkbar schlechte Vorgehensweise (”worst practice”). Sie bestehe darin, “einfach Zugang zu einem Social-Software-Tool zu ermöglichen und dann zu beten, dass etwas Wertvolles daraus entsteht.”
Dieses genaue Gegenteil einer Best Practice (also einem Erfolgsrezept, einer in der Praxis optimierten Vorgehensweise, wie es sie in vielen Bereichen der IT gibt) ist bei Social-Software-Rollouts laut Bradley sehr stark verbreitet: “Beinahe jedes Unternehmen, mit dem ich gesprochen habe, hat schon unter dem ‘Provide and pray’-Vorgehen gelitten. Sogar jene, die letztlich mit Social Media Erfolg hatten. Es scheint schon fast ein notwendiger Schritt im Reifeprozess zu sein.” Dieses Vorgehen erhöhe den Anteil von Social-Media-Projekten, die im Graben landen, deutlich.
Dass Bradley eine Social-Software-Einführung auf gut Glück als Worst Practice einstuft, untermauert eine hier schon mehrmals geäußerte These: IT-Projekte, die die Unternehmenskultur berühren, müssen kommunikativ begleitet werden. Insbesondere wenn man darauf abzielt, eine Community anzusprechen oder gar zu etablieren, muss ein Unternehmen in Vorleistung gehen. Communitainment kann hier ein nützliches Werkzeug sein: Das bedeutet in diesem Kontext, die Menschen ernst zu nehmen, sie Community-gerecht - also nicht von oben herab oder “ex cathedra” anzusprechen und als Initiator einer Community-Plattform Gesprächsangebote zu machen - mit motivierenden, informativen, nützlichen und nicht zuletzt auch unterhaltsamen Inhalten.
Zudem haben übrigens laut Bradley gar viele Unternehmen keine aussagekräftigen Metriken, um den Erfolg ihrer Social-Software-Projekte zu messen - und wissen somit nicht einmal, was das Projekt gebracht hat. Dies gelte insbesondere für Versuche, den Erfolg von Social-Software-Einführungen in harter Währung auszudrücken: Eine Umfrage von Mzinga und Babson Executive Education vom August 2009 habe ergeben, dass 84% der Befragten den ROI (Return on Investment, Investitionsrendite) ihrer Social-Media-Initiativen nicht messen. Ob eine solche ROI-Berechnung sinnvoll ist, sei einmal dahingestellt - eine dialogorientiertere Unternehmenskultur dürfte für viele Unternehmen schon für sich genommen einen Gewinn darstellen. Wie gut ein solcher Kulturwandel Raum greift, merkt man auch ohne ROI-Metriken.
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21.9.2009 von Wilhelm Greiner.
In ihrer interessanten und stellenweise amüsanten Präsentation “Your Social Media Strategy Won’t Save You” geht die Verfasserin Tara “Missrogue” Hunt mit dem Social-Media-Hype angenehm kritisch ins Gericht. Ihr Fokus liegt - wie beim meisten, was dieser Tage zu Social Media und Social Networks geschrieben wird - auf den Themen Vermarktung und Vertrieb.
Hunt ermahnt ihrer Zuschauerschaft, sich vom Social-Media-Rummel, der zur Zeit in Marketierskreisen tobt, nicht infizieren zu lassen: Von den schicken neuen Medien und Werkzeugen seien nämlich keine Massen neuer Käufer oder Kunden zu erwarten.
Hunts Hauptkritikpunkte: 1. Social Media skalieren nicht - wie wahr. 2. Social Media sind nur ein Heftpflaster, ein Workaround - sprich: Social Media leisten wenig von dem, was Vermarkter und Kunden-Manager benötigen. Denn 3.: Social Media sind für das soziale Miteinander gedacht - Marketiers, die ihre Kunden per Twitter umwerben, missbrauchen mithin ein Consumer-Medium genauso wie jene Unternehmen, die Twitter für den Kunden-Support nutzen. Wobei Support via Twitter durchaus seinen Reiz haben kann, geht es doch beim Support-Fall um Dialog - die Frage ist eben nur auch hier, wie effektiv der Dialog dann für den hilfebedürftigen Kunden ist. Für nervtötend ergebnislose Zeitverschwendung gibt’s ja schon die Telefon-Warteschleife. (”Wenn Sie jetzt am liebsten aus dem Fenster springen würden, drücken Sie die 9…”)
Hunt zieht eine Umfrage heran, laut der 89 Prozent der befragten Erwachsenen und 91 Prozent der Teenager Online-Netze (Social Networks) vorrangig dazu nutzen, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. “Interessante neue Produkte zu finden” sei hingegen alles andere als an der Spitze dieser Liste, warnt Hunt.
Außerdem sei 4. das Vertrauen der Menschen auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. Dies stellt Hunt dem Hype um die “Influencers” (Beeinflusser, also angesehene Multiplikatoren) entgegen, auf die viele Social-Marketiers blind vertrauen oder zumindest hoffen.
Statt auf Social Software zu setzen empfiehlt Hunt eine grundlegende strategische Neuausrichtung - die aber soooo neu dann auch wieder nicht ist: Sie rät zu einer kundenorientierten Business-Strategie, Fokussierung auf die Zufriedenheit des Kunden, zum Setzen auf begeisterte Kunden statt auf “Influencers”, zu Lernkurven- statt Kampagnendenken und zu offenem, ehrlichem, respektvollem Umgang mit den Web-2.0-Communities - etwas, das sie den “Whuffie”-Faktor nennt. So heißt ganz zufällig ihr Buch, das sie gegen Ende der Präsentation promotet.
Angenehm und nützlich jedoch ist auf jeden Fall, dass Hunt die sozialen Medien auf das reduziert, was sie sind: schlicht und ergreifend Mittel zum Zweck - in diesem Fall zum schnelleren und intensiveren Dialog (und dies übrigens nicht nur zu Marketing-Zwecken! Die Communities, mit denen Unternehmen in den produktiven Dialog treten sollten, sind weit vielfältiger als nur “Kunden” oder “Prospects”, und sie sind auch nicht unbedingt alle “always online” - dies ist eine der Kernaussagen der Beiträge auf Metaphorous).
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19.9.2009 von Wilhelm Greiner.
Zumindest wenn es um Consumer-Marketing geht, ziehen inzwischen bekannte Marken alle Register des Einsatzes von Social Software. Aktuelles Beispiel: Microsofts Countdown zum Start von Windows 7.
Große Teile der Windows-Anwender-Community - und hier wohl insbesondere die Vista-Benutzer - erwarten den Start von Windows 7 sowieso schon mit Spannung. Um der W7-Markteinführung noch größeren Schwung zu geben, setzt der Redmonder Software-Riese nun auch auf die Services des Dienstleisters House Party.
House Party bietet genau das, was der Name verspricht (bzw. androht): Dank Web und Social Software transportiert das Unternehmen die Werbe-Methoden des Plastikdosen-Produzenten Tupperware ins Web-2.0-Zeitalter. Der Vermittlungsdienst ermöglicht es Kunden, im Auftrag eines Unternehmens eine Hausparty zu einem gerade beworbenen Produkt zu veranstalten.
Wie aus den guten alten Tupperware-Zeiten bekannt (”… und dann gibt es die Dose noch in diesem praktischen Format…”), richtet der Anwender zu Hause eine Feier aus, der Hersteller des jeweiligen Produkts liefert Party-Materialien und Incentives zum Mitmachen. House Party hat für das Tupperware-2.0-Konzept - genauer: für eine Kampagne im Auftrag des Süßwaren-Herstellers Hershey’s - übrigens 2008 einen Groundswell Award gewonnen.
So altbacken das Prinzip in der Old Economy wirkt: Im Web 2.0 ist es noch vergleichsweise unverbraucht. Deshalb interessieren sich Endanwender-orientierte Marken dafür - und nun eben auch der Herrscher über 93 Prozent der PC-Betriebssysteme.
Wer sich am 22. Oktober als Gastgeber für eine Windows-7-Party einspannen lassen will, kann sich hier registrieren. Aber vielleicht sollte man sicherheitshalber vorher die Satire durchlesen, die auf The Register dazu erschienen ist.
[Update 25.09.09] Microsoft hat dazu auch ein Video auf YouTube gepostet. Kommentar von Mercedes Bunz im Guardian: “Strahlende glückliche Menschen, die einen recht grusligen Spaß haben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich zu ihrer Party eingeladen sein möchte.”
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18.9.2009 von Wilhelm Greiner.
Eine Umfrage unter 350 deutschen Managern zum Thema “Social Web” kommt laut einem Bericht auf cio.de vom 16.09.09 zu “niederschmetternden Ergebnissen”: Über die Hälfte der Befragten sei laut der Studie in Sachen Web 2.0 unbeleckt und plane dementsprechend auch keinen Einsatz im Unternehmen. “So können - Hype hin, Hype her - gerade einmal 59 Prozent der Befragten mit den Begriffen ‘Web 2.0′ und ‘Social Media’ etwas anfangen”, so der Artikel.
Die Cologne Business School hat die besagte Studie im ersten Halbjahr 2009 zusammen mit Markforschern von Brain Injection durchgeführt. Leitende Angestellte, Vorstände, Geschäftsführer und Inhaber wurden zu ihrem Social-Media-Wissensstand und ihren Plänen in dieser Richtung befragt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer an der Umfrage lag bei 42 Jahren - wichtig zu wissen, da die Social-Media-Nutzung unter jüngeren Leuten deutlich stärker verbreitet ist als unter älteren. Manche Marktbeobachter sprechen hier sogar von einem Generationensprung wie damals, als Rock’n'Roll aufkam.
Eigene Erfahrung mit Web-2.0-Technik habe jedenfalls nur eine Minderheit der Führungskräfte: Zwar seien 34 Prozent der Befragten zum Beispiel in Xing unterwegs, 40 Prozent hingegen seien in keiner Community mit eigenem Profil vertreten.
Nur schlappe zehn Prozent der Unternehmen nutzen Blogs fürs Business. 12 Prozent wüssten nicht einmal, was ein Blog ist. (Twitter? … besser nicht fragen!)
Kommentar von cio.de zum Prinzip “User-Generated Content”, auf dem die Web-2.0- bzw. Social-Media-Anwendungen basieren: “Diese Art der Befüllung von Webseiten und Portalen unterscheidet sich von traditionellen Medien fundamental. Es wird Zeit, dass das mal jemand auch den Unternehmen sagt.” Denn Web-2.0-Werkzeuge wie Blogs, Wikis und Twitter eigneten sich schließlich für zahlreiche Einsatzfälle in der Unternehmenswelt. Ein erheblicher Anteil der interviewten Führungskräfte zählt aber offenbar zu jener Gattung, die der Nachwuchs 42-jähriger Manager gerne “Festnetztelefonierer” nennt, und unterschätzt das Social-Media-Potenzial dementsprechend sträflich.
Die mageren Ergebnisse decken sich mit der Studie von Forrester, die hier bereits vorgestellt wurde. Auch Forresters Untersuchung hatte ergeben, dass Deutschland in puncto Web-2.0-Nutzung nicht nur den USA, sondern sogar dem europäischen Durchschnitt hinterhertrödelt.
Amüsante Resultate bringen Studien stets, wenn man Leute zu einem Thema befragt, von dem sie wenig Ahnung haben. Auch cio.de weist genüsslich auf manch ein unsinniges Studienergebnis hin: “Mit 51 Prozent sagt […] mehr als Hälfte aller Befragten, dass es Social Media bei ihnen niemals geben wird. Das ist umso bemerkenswerter, weil gleichzeitig 56 Prozent der Befragten die Meinung vertreten, dass man mit Social Media den Verkauf ankurbeln könnte.” Spaß mit Umfragen.
“Eins aber wissen die Verantwortlichen auf jeden Fall: Für die IT-Abteilung ist das Web 2.0 nichts”, so cio.de-Autor Thomas Pelkmann. Denn 86 Prozent der Befragten würden (mit der Option von Mehrfachnennungen) das Thema Social Media bei den Kollegen von Marketing und PR ansiedeln - ein weiteres eklatantes Indiz dafür, wie sehr man das Potenzial von Social Media für die Zusammenarbeit im Unternehmen unterschätzt.
Die Fachleute von Forrester raten hingegen zu einer Social-Networking-Organisation nach dem Prinzip “Nabe und Speiche”: Forrester empfiehlt den Unternehmen also durchaus Social-Network-Verantwortliche in den Fachabteilungen (nicht nur im Marketing!), zudem aber auch eine zentrale Steuerungsinstanz durch einen Community-Manager bzw. ein Community-Management-Team.
Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wenn ja wie schnell (oder langsam) deutsche Unternehmen Anschluss an die Möglichkeiten effizienter Zusammenarbeit finden - und in welchem Maße Skeptiker zu Experimenten mit den neuen dialogorientierten Werkzeugen motivierbar sein werden.
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