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7.4.2010 von Wilhelm Greiner.
Meine Social-Networking-Aktivitäten verteilen sich auf diverse Sites, aber echte Begeisterung kommt bei mir nur für einen Dienst auf: für Twitter. Da frage ich mich natürlich als kritischer, ja investigativer Journalist: Woran liegt das?
Als LANline-Redakteur bin ich berufsmäßig, aber außerdem hobby- und generell neugierbedingt auf diversen Social-Networking- und Social-Media-Sites zugange: Natürlich auf meinem Blog metaphorous.com (wenn auch nur mit einer neuen Glosse pro Woche), auf Xing, Linkedin, Facebook, Posterous (nützlich als Aggregator-Site), SlideShare (nützlich für, wer hätt’s gedacht, das Sharing von Slides), Greenaction (Social Network von Greenpeace, daher thematisch stark eingeschränkt) und eben Twitter. Mein Engagement auf diesen Seiten ist mal mehr, mal - OK: meistens - weniger intensiv, Letzteres vor allem dem Umstand geschuldet, dass der Tag leider nur 24 Stunden hat - wenn wir vom Tag der Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit als sprichwörtliche die Regel bestätigende Ausnahme mal absehen.
Wieso also nehme ich mir mehrmals täglich Zeit für Twitter? Erstens liegt das sicher daran, dass zahlreiche IT-Unternehmen inzwischen auf Twitter aktiv sind - vor allem für PR und Marketing - und das Twitter-Netzwerk für die Ankündigung von Pressemitteilungen, Webinaren, White Papers etc. nutzen - eine Art Reuters-Ticker, nur eben als Tweet-Feed. Für die einen ist das Zweckentfremdung, für mich ist es praktisch - aber praktisch für den Journalistenalltag sind schließlich viele Social Networks. Daran allein liegt’s also nicht.
Hinzu kommt, das die Tweets aufgrund der Twitter-”Spielregeln” mit ihren maximal 140 Zeichen - meist weniger, um schnelle Retweets zu ermöglichen - immer angenehm kurz sind. Selbst wenn man die Personen und PR-Teams, denen man folgt, sorgfältig auswählt, gibt es bei Twitter immer einen hohen Pegel an “Grundrauschen” (also Tweets, die mich im Augenblick so überhaupt nicht interessieren) - aber man ist wenigstens schnell drüber weggescrollt. “In der Kürze liegt die Würze”, wie der Volksmund sagt (und, da nur 28 Zeichen lang, auch sehr gut tweeten könnte). Denn damit ist der Info-Kompressionsdienst Twitter immer mal wieder gut für eine Anregung zwischendurch, mal kurz reinschauen, ein bisschen scrollen, und schon hat man wieder etwas Interessantes, Amüsantes, mitunter sogar Nützliches gefunden.
Aber selbst das erklärt den hohen Twitter-macht-süchtig-Koeffizienten nicht. Ich glaube, es liegt an der spielerischen Komponente von Twitter (die der Dienst Foursquare mit seinen vielen Badges, die man erwerben kann, noch viel weiter treibt): Twitter macht Spaß, weil es den Benutzer spielerisch dazu verleitet, Informationen oder zumindest Informationshäppchen, gerne auch mit Links zu weiteren Quellen, mit anderen zu teilen.
Nicht nur das 140-Zeichen-Limit weckt den Spieltrieb (Kann ich das, was ich sagen will, nochmal um 13 Zeichen kürzer formulieren? Das muss doch irgendwie gehen!). Vielmehr muss man zumindest die paar Twitter-üblichen Kürzel und Mechanismen (RT für Retweet, @ für das Markieren eines Benutzernamens, Direct Messages etc.) ebenso kennen wie die Grundregeln der Twitter-Etiquette. Und zudem haben sich ein paar nette Rituale eingebürgert wie der Follow Friday (#ff). Das alles hat etwas von Insider-Mechanismen, “the secret handshake”, ich bin drin und du bist draußen - so funktionieren kurzfristige Modeerscheinungen, aber eben auch soziale Gruppen und damit auch erfolgreiche Social Networks.
Twitter ist im Vergleich zu anderen Social Networks minimalistisch, äußerst reduziert - aber dennoch Community-gerecht und unterhaltsam: Communitainment, dem man sogar vom Handy aus frönen kann. Informationsaustausch, der anregend wirkt und den Spieltrieb weckt - was könnte es Besseres geben?
OK, das war’s. Muss jetzt wieder nach meinem Twitter-Feed schauen.
Geschrieben in Serious Games, Social Networks | 3 Kommentare »
11.1.2010 von Wilhelm Greiner.
Wieso gibt’s eigentlich IT-Management-Software nicht als Computerspiel? Bitte nicht missverstehen: Ich meine hier nicht ein Spiel, bei dem man eine simulierte IT-Infrastruktur managt. Ich rede hier von einem “Serious Game” - einem Computerspiel für’s richtige Leben. Arbeitshypothese: IT-Landschaften werden in Zukunft durch erfolgreiches Spielen gemanagt.
Vermutete Reaktion seitens manch eines geneigten, aber dieser Idee abgeneigten Lesers: Server-, Storage-, Client-Bestände und Netzwerk per Computerspiel verwalten - wer braucht das denn?!?! Gute Frage - aber schauen wir uns doch den Computernachwuchs, also die künftigen Administratoren einmal an: Diese Jugend, ts-ts-ts, dauernd nur am Daddeln, vernachlässigt die Hausaufgaben, hangelt sich aber mit einer affenartigen, für Erwachsene kaum nachvollziehbaren Geschwindigkeit (und dem einen oder anderen Cheat) durch alle möglichen Levels aller möglichen Ballerspiele, bastelt nebenbei an zwei bis siebzehn virtuellen Städten in Online-Zivilisationsspielen, und zur Erholung gibt’s dann ein Massive-Multiplayer-Rollenspiel oder aber ein Autorennen an der Wii-Konsole. Sozialisierung per Joystick.
Die heutige Generation Joystick ist in ein paar Jahren der Admin-Nachwuchs. Hersteller von IT-Management-Software sollten deshalb umdenken und neue Interfaces entwickeln: Der Avatar des Admins verteidigt in einem virtuellen Setting seiner Wahl - gerne genommen: die “postapokalyptische Server-Wüste” und der “Planet der leichtbekleideten Storage-Serverinnen” - die Hard- und Software-Bestände gegen die drohende Invasion schleimiger grüner Viren-Monster, heimtückisch lauernde, stachelige Service-Level-Verletzungen und den jederzeit damoklesschwertartig drohenden Giganto-Gozilla-Stromausfall (der dich mindestens drei Leben kostet, aber mindestens!). Für erfolgreiches IT-Management gibt’s künftig Bonuspunkte und Credits, zusätzliche virtuelle Leben oder Avatare sowie schicke futuristische Super-Waffen. Und mit jeder “9″ nach dem Komma an Hochverfügbarkeit kommt unser Held wieder ein Level höher - im Spiel und wenn’s denn sein muss sogar im Gehalt.
Für die Generation Joystick ist eine Online-Spielumgebung das natürlich Interface - alles andere ist keine artgerechte Teenager-Haltung. Das Multiplayer-Online-Admin-Game - ja, IT-Management ist Teamarbeit, und das Team arbeitet online - ist deshalb die Verwaltungsschnittstelle der Zukunft.
Ist sie das gar schon? Zumindest in Ansätzen? (Also jenseits der Collaboration in virtuellen Umgebungen - ich weiß, dass IBM, Citrix und Co. an virtuellen Welten für die optimierte Team-Zusammenarbeit basteln - my office life is my Second Life…) Bin ich nicht auf dem Laufenden und es gibt schon solche Tendenzen im IT-Management? Dann freue ich mich über Hinweise, die mich als altbacken und so-was-von-nicht-am-Puls-der-Zeit entlarven, aber doch zugleich bestätigen würden
Geschrieben in Serious Games, IT-Management, Interface Design, Basics | 2 Kommentare »