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September 2010
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Archiv der Kategorie Social Software

Social Media Hype: Geht’s bitte auch weniger dramatisch?

Wer heute etwas auf sich hält, hat mindestens so viele Mobiltelefone wie Ohren dabei und weitere zwei bis siebzehn Altgeräte in der “Vielleicht kann man’s ja nochmal brauchen”-Schublade. Wir haben uns - obschon häufig widerwillig - daran gewöhnt, dass allüberall mobiltelefoniert wird, gerne auch sehr laut - das Gegenüber ist schließlich weit weg, da muss man schreien. Fast überall: Natürlich nicht an Bord von Flugzeugen, die bekanntlich jeder mitreisende Terrorist einfach mittels Anruf bei Osama zum Absturz bringen könnte. (Wieso darf man die Dinger eigentlich mit an Bord nehmen? Nur mal so ‘ne Frage. Bin aber ganz froh, dass man in der Enge einer Flugzeugkabine weiterhin seine Ruhe hat.)

Ich kann mich noch erinnern an die Jugendjahre des Mobilfunks als Massenphänomen: In den frühen 1990er-Jahren galten Handy-Besitzer vielen Vertretern der kupferverkabelten und somit erdgebundenen Mehrheit als Angeber, die ja sooo schrecklich wichtig sind, dass sie mit dem Telefonieren nicht mal warten können, bis wieder ein ordentliches Telefon in Reichweite ist. Oder als Leute, die ihre Zeit mit unnötigem Geplapper verschwenden, statt was zu lesen oder sich mal in Ruhe (!) mit was zu beschäftigen.

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Bild: (c) Wolfgang Traub

Was fällt uns da auf? Das sind so ziemlich genau die Vorurteile, die man heute gerne über Benutzer von Social Media hegt: Facebook ist eine Plattform für narzisstische Selbstdarstellungs-Teenager, und Twitter ist sowieso nur was für Leute, die sich nach übermäßigem Konsum von “Deutschland sucht den Superstar” für einen selbigen halten und deshalb ihren “Followern” jedes Detail zwischen Frühstück und Frührente mitteilen wollen.

Am anderen Ende der Skala des Social-Media-Rummels liegen die notorischen Early Adopters ebenso wie die stark wachsende Menge der Unternehmen, die sich aus Goldgräberstimmung oder Herdentrieb aufmachen, auf Facebook ihre Handtücher auf den Strandliegen der digitalen Kundennähe ausbreiten, in der Hoffnung, es mögen viele, viele “Fans” einzusammeln sein. Darunter auch zahlreiche Unternehmen, bei denen man sich unwillkürlich fragt: “Ihr habt Fans? Echt?”

Der Social-Media-Alltag aber liegt zwischen totaler Twitter-Verweigerung einerseits und der von den zahllosen selbsternannten Social-Media-Gurus verordneten Facebook-Fan-Sammelwut andererseits: Letztlich sind die aktuellen Social-Media-Techniken schlicht und ergreifend nützliche Werkzeuge, um mit dem Gegenüber bequem, vergleichsweise informell und vor allem echtzeitnah kommunizieren zu können.

“Echtzeitnah” heißt: eben nicht “in Echtzeit” wie bei der Telefonie, ob mobilgefunkt oder festvernetzt. Zwar gehört in den Social Networks eine zügige Reaktion auf Fragen, Kommentare etc. durchaus zur Netiquette, aber es gibt eben keinen Anspruch auf unverzügliche Antwort. Das ist der eigentliche große Vorteil von Facebook, Twitter und Co.: Sie sind ein großer und nützlicher Schritt vom Konzept des “Real-Time Webs” in Richtung “Right-Time Web”. Die Kommunikation wird beschleunigt, in gewisser Weise aber auch entschleunigt.

Deshalb sei - während Social Media gerade im Landeanflug auf den Status eines Alltagsphänomens sind - den Hochjublern wie den Rumkrittlern gesagt: Die Fluggäste werden gebeten, die Sitzlehnen senkrecht zu stellen und aufzuhören, aus den Ohren zu rauchen. Einfach mal zurücklehnen, tief durchatmen, Emotionen rausnehmen. Dann landet sich’s gleich viel entspannter.


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Google Street View zwischen Datenschutz und depperter Debatte

Als IT-Journalist bin ich zwar intensiver Google-Nutzer, aber dem Anbieter gegenüber dennoch durchaus kritisch eingestellt - wie gegenüber jedem Konzern, der umfassend Daten über Benutzer wie auch deren Verhalten sammelt und auswertet. Deshalb begrüße ich Diskussionen um die Frage des Datenschutzes im Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit, Verfügbarkeit, Analysierbarkeit und Gegen-mich-Verwendbarkeit - wie Google, Facebook und viele andere Anbieter sie geradezu provozieren.

Mein Problem mit Googles derzeit heiß diskutiertem Straßenzüge-Abfotografier-Service Street View, der nun auch für deutsche Städte anlaufen soll, ist aber vor allem: Das Niveau der Debatte um Street View befindet sich auf einem so unterirdischen Niveau, dass selbst BP Mühe hätte, dorthin vorzudringen - von Entlastungsbohrungen ganz zu schweigen.

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Bild: Julian Bleecker

Was ist passiert? Google hat mit auf Autos montierten Rundumsicht-Kameras Straßenzüge abgelichtet, um Besuchern von Google Maps einen Eindruck der Umgebung geben zu können. Und nun schreien vielerorts Hausbesitzer auf: “Gemein, gemein, gemein! Die haben mein Haus fotografiert, das dürfen die nicht!”

Jedoch, liebe Hausbesitzer: Oh Graus, das dürfen sie. Weil’s nämlich nicht verboten ist. Anders als manche Leute zu glauben scheinen, haben nämlich Hauswände kein Recht auf Privatsphäre - weshalb Twitter-Nutzer Mario Sixtus in einem Tweet ironisch eine Grundgesetzänderung forderte: “Die Würde der Hauswand ist unantastbar.”

Ein anderer Twitterer, HerrKaliban, kommentierte trocken: “(Die) Leute jammern, dass Google ihre Straße fotografiert, holen aber das Fernsehen, um das Problem vor Ort zu zeigen.” Und dies, obwohl Google die Gesichter von Personen sowie Nummernschilder von Autos “verpixelt” (per digitaler Nachbearbeitung unkenntlich macht), um dem deutschen Datenschutzgesetz zu entsprechen.

Darüber hinaus können deutsche Hausbesitzer von Google inzwischen sogar eine Unkenntlichmachung ihrer Hausfassade fordern. Hier ein Beispiel für die lustige Logik der Begründung: “Durch den neuen Internetdienst können Kriminelle die Objekte in aller Seelenruhe betrachten. Sie können sehen: Wie ist das Haus gesichert?“, so der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt zur Frankfurter Allgemeinen. Street View aus dieser Motivation heraus einschränken zu wollen, ist ähnlich dumm wie die Idee, den Mobilfunk “bei Bedarf” abzuschalten, um Terroristen die Kommunikation zu erschweren: Man schüttet das Kind mit dem Bade aus.

Der Zeitung gegenüber äußerte der zitierte Polizeifunktionär übrigens anschließend Zweifel, “ob die neuen Möglichkeiten umgekehrt auch von der Polizei genutzt werden können”, denn es sei “rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist”. Eine solche “virtuelle Streifenfahrt” würde allerdings Echtzeit-Aufnahmen voraussetzen; die Google-Bilder hingegen werden einmal veröffentlicht und dann voraussichtlich jahrelang beibehalten. Hoffen wir also, dass die Polizei Streifenfahrten künftig nicht generell auf Google Maps verlagert. Sonst dürfte die Erfolgsquote kriminalistischer Kontrolle ebenfalls auf Tiefseebohrungs-Niveau sinken.

Die wirklich wichtigen Fragen wurden in der Diskussion um Street View hingegen noch nicht einmal angerissen:

* Wo waren all die protestierenden Leute, als die Bundesregierung still und leise das Bankgeheimnis abgeschafft hat?

* Tritt Ilse Aigner jetzt aus Google Maps aus?

* Wenn ich dagegen bin, dass meine Heimatstadt auf der Deutschlandkarte auftaucht - wo stelle ich einen Antrag auf Unkenntlichmachung?

* Kann ein Obdachloser fordern, dass seine Parkbank von Google verpixelt wird?

* Wenn eine scheußliche modernistische Fassade eh schon total verpixelt aussieht (Sie wissen, welche Art Haus ich meine), kann Google dann eine zusätzliche digitale Nachbearbeitung ablehnen?

* Haben, wenn das schon für Häuser gilt, dann auch Gartenzwerge ein Recht auf Anonymität und somit auf Verpixelung? Schrebergärtner aller Länder, vereinigt euch!

* Und vor allem: Welche modischen Accessoires sollte man tragen, wenn mal wieder das Google-Auto naht (Stichwort: Street-Wear Optimization, kurz SWO)?

Im Google-Zeitalter muss die dringliche Frage nach dem Ausgleich zwischen Verfügbarkeit nützlicher Informationen einerseits und dem Recht auf Schutz der Privatsphäre andererseits neu verhandelt werden. Aber bitte nicht so.

P.S.: Es gibt auch intelligente Diskussionsbeiträge, zum Beispiel diesen von Anatol Stefanowitsch auf wissenslogs.de.

(((Update 17.8.))) Genau auf den Punkt gebracht hat es heute Twitter-User Volker Weber: “Internetausdrucker können ab heute bei Google ihre Häuser markieren.” Auch die amerikanischen Warn-Labels auf CDs haben schließlich unter anderem bewirkt, dass Teenager Musik mit anstößigen Texten viel leichter finden können…


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Social Media für die Personalsuche nutzen

Der Einsatz von Social Media hat in den Unternehmen schon große Verbreitung gefunden - mal auf “Eigeninitiative” von Mitarbeitern (so neben der Arbeit her und zum Schrecken besorgter Vorgesetzter und Datenschützer), mal gewollt und gezielt als weiterer Baustein für den Informationsaustausch im Unternehmen oder die Kommunikation mit Kunden und Partnern.

Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter werden dabei in aller Regel unter Gesichtspunkten des Marketings und der PR wahrgenommen. Dabei gibt es allerdings noch eine ganze Reihe weiterer denkbarer Einsatzfälle: Diese reichen vom Support via Twitter über Mitgestaltung der Kunden am Produktdesign per Social-Software-Plattform bis hin zur Personalsuche auf Facebook oder Business-orientierten Social Networks wie Xing oder Linkedin.

Ein Best-Practice-Beispiel für Personal-Management und Recruiting via Social Network liefert IBM. Das überrascht nicht wirklich - IBM ist in Social-Media-Belangen in mancherlei Hinsicht Vorreiter, was hier schon mehrmals Thema war.

Auf der letzten CeBIT hatte ich (obschon ich erst jetzt Zeit finde, das mal aufzubereiten), ein nettes Gespräch mit IBM-Vertretern zu diesem Thema. Wie ich erfahren habe, unterhält IBM auf Xing unter dem Namen “Greater IBM Connection in Germany” eine eigene Gruppe speziell und ausschließlich für ehemalige IBM-Mitarbeiter (im Lateinischen wie auch im Englischen “Alumni” genannt), also zum Beispiel frühere Werksstudenten sowie Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben, oder auch IBMer im Ruhestand).

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Interessant sind die beachtlichen Zahlen: Im Frühjahr hatte die Gruppe 9.207 Mitglieder und es gab knapp 800 veröffentlichte Artikel - also weit mehr, als manch andere Xing-Gruppe vorzuweisen hat. Neben der Xing-Gruppe nutzt IBM für den Kontakt mit Ehemaligen auch weitere Social-Plattformen: einen Greater IBM Twitter-Account, einen YouTube-Kanal, Flickr-Bildergalerien sowie einen englischsprachigen Blog.

In einem Blog-Beitrag beschreibt Mitarbeiter Christian Koester die Zielsetzung der Greater IBM Connecntion: “Unsere Vision ist eine Community, die Menschen mit den unterschiedlichsten Potenzialen und Erfahrungen in einem innovativen Dialog verbindet. Unsere Mission ist es, eine Plattform für frühere und aktuelle IMBer zu schaffen, die aktives Networking mit exklusiven Inhalten verknüpft.”

Im Vorfeld hat IBM die Motivation ehemaliger Mitarbeiter, einem Alumni-Netzwerk beizutreten, in Form einer Studie untersucht: “Die wichtigsten Gründe für einen Beitritt waren demnach die Erweiterung des persönlichen Netzwerks, die Kontaktpflege zu ehemaligen Kollegen sowie die Versorgung mit aktuellen und exklusiven Infomationen zur IBM”, so Koester im Blog. Die Greater IBM Connection biete deshalb exklusive, redaktionell aufbereitete Inhalte zu IBM und zur IT-Branche insgesamt sowie zu den Community-internen Aktivitäten. Zudem gebe es moderierte Foren und ein Karriere-Center.

Dieses Vorgehen ist ein Beispiel für eine sehr intelligente Nutzung der Möglichkeiten von Xing, Twitter und Co. Denn für ein Unternehmen, das im weltweiten Wettbewerb auf hochqualifiziertes Fachpersonal angewiesen ist, ist ein aktives Alumni-Netzwerk sehr nützlich, um Kontakte zu ehemaligen Kollegen zu erhalten und zu pflegen.

Intelligente Social-Network-Nutzung kann einem Unternehmen im Idealfall die Investition in einen Headhunter ersparen - zumindest, wenn es, wie IBM, in Sachen Social Media über die reine Produktvermarktung hinausdenkt.


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Angriff der Datenschutzfresser

Mit der Einführung des Twitter-Konkurrenten Buzz hat sich Google letzten Monat die Entrüstung zahlreicher Benutzer zugezogen, und Datenschützer haben Beschwerden eingereicht. Für jene, die Googles Kopfsprung in den Privacy-Fettnapf ebenso verschlafen haben wie der Suchmaschinen-Gigant einst den Microblogging-Trend: Der Konzern hat Buzz als Standardkomponente von Gmail eingeführt und in typisch Googlescher Statistikverliebtheit einfach die häufigsten E-Mail-Kontakte zu Followern erklärt - ohne die Benutzer zu fragen.

Das hat der “Don’t-do-evil”-Firma nicht nur den Vorwurf von Allmachtsdenken eingebracht (etwa auf spiegel.de), Kritiker wiesen zudem auf eine riskante Datenschutzlücke hin: Die automatisch generierten “Follower” waren via Web öffentlich sichtbar; Demokratieverfechter in Diktaturen könnten so dem Regime ungewollt Kontakte verraten haben. Oder der Chef erfährt, mit welchen Headhuntern man korrespondiert. Eine erzürnte Gmail-Nutzerin schrieb über einen neuen “Follower”: “Wissen Sie, wer mein dritthäufigster Kontakt ist? Mein gewalttätiger Ex-Ehemann.”

Doch nur selten erfolgt der Angriff auf das Recht informationeller Selbstbestimmung so plump, drastisch und offenkundig wie im Fall von Google Buzz. Von der Deutschen Telekom zum Beispiel habe ich (UMTS-Flatrate-Kunde) kürzlich nach dem Kauf einer “Xtra-Card” (Prepaid-Karte) für die Familie einen Xtra-Card-Werbe-Newsletter erhalten - obwohl ich beim Kauf der Karte Werbung vertraglich untersagt hatte. Auf meine schriftliche Anfrage, woher man denn meine E-Mail-Adresse kenne, erklärte ein Call-Center-Mitarbeiter beim Rückruf: Von einer E-Mail, die ich der Deutschesten aller Telekoms Monate zuvor geschrieben hatte - und in der ich jegliche Werbung im Rahmen des UMTS-Vertrags verboten hatte!

Solch ein Verstoß gegen Datenschutzgesetze und anständiges Geschäftsgebaren, obwohl eklatant, verblasst natürlich vor dem Hintergrund großflächiger Googlescher Ignoranz, zeugt aber von der gleichen Mentalität: Wir haben es doch nicht nötig, uns um den Datenschutz zu kümmern!

Deshalb, in den Worten des Wiener Rockmusikers Ostbahn Kurti: “Basst’s auf, seid’s vursichtig und losst’s eich nix gfoin!” (Passt auf, seid vorsichtig und lasst euch nichts gefallen, Anm. des Übersetzers ;-).

Man darf den Datenschutzfressern keine kleinen Happen erlauben, sonst bekommen sie nur Hunger auf größere. Ich jedenfalls kaufe Prepaid-Karten jetzt bei der Telekom-Konkurrenz (ja, die habt ihr, Deutsche Telekom, trotz eurer Monopolistenallüren). Und den UMTS-Vertrag habe ich auch gleich gekündigt.


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Social Media versus Tyrannosaurus CeBITus

Letzte Woche habe ich die CeBIT in einem Blog-Eintrag eher am Rande als “Veranstaltungs-Dinosaurier” bezeichnet. Andernorts hat man offenbar eine ähnliche Meinung von dem in Schmuddelwetter ergrauten Hannoveraner Messe-Rentner: Mit “Der Dinosaurier der IT-Messen” war zwei Tage später ein Beitrag auf Zeit.de überschrieben.

Das kann natürlich Zufall sein - wahrscheinlich wird alle 1,7 Sekunden irgendwo im Web irgendetwas auf zwei Websites praktisch zeitgleich als “Dinosaurier” bezeichnet. Kann Zufall sein, muss aber nicht.

Denn wenn man - wie ich als IT-Redakteur am Dienstag und Mittwoch praktisch gezwungenermaßen - über das CeBIT-Gelände läuft, dominiert vor allem ein Eindruck: Die CeBIT ist sehr, sehr groß. Nicht sehr, sehr nützlich oder sehr, sehr spannend, je nach Halle auch nicht mal sehr, sehr voll - nur eben sehr, sehr groß.

Die CeBIT bläht sich jedes Jahr - dieses Jahr durch Hinzunahme einer Musik-Show - bis zum Maximum auf - auch wenn hier die Messlatte zu Zeiten des E-Business-Booms schon mal um ein paar Tausend Aussteller höher lag. Monströse Größe um ihrer selbst willen. Saurier eben.

Der Zeit-online-Artikel kommt zu dem Schluss, dass diese Veranstaltung ihre besten Zeiten hinter sich hat. Andere Messen werden wichtiger: Ein Mobile World Congress in Barcelona für die Mobilfunkbranche, eine Computex in Taipeh für die Hardwarehersteller und -zulieferer. Ähnliches gilt für die ITSA in Nürnberg in der deutschen IT-Security-Szene oder auch Branchenmessen.

Auf all diesen Messen scharen sich die Aussteller um ein zentrales Thema. So einen klaren Fokus kann die CeBIT nicht aufweisen, will sie doch stets die nach wie vor beachtliche Größe möglichst halten. Und so laviert man ziellos zwischen Consumer- und Fachmesse - ein Schlingerkurs, der im Jahr 2008 schon die Münchner Regionalmesse Systems ins Aus führte.

Zeitgleich florieren die Hausmessen großer Hersteller wie Cisco und HP, die sich den Hannoveraner Trubel schon längst nicht mehr antun wollen. Auch mit Produktneuheiten wartet heute kaum ein Hersteller noch eine CeBIT ab, um sich dort - Tahdah! - als Innovator zu präsentieren. Dazu sind die Produktzyklen zu schnelllebig geworden.

Und dabei haben wir noch nicht mal vom bösen Konkurrenten Internet gesprochen: Dank Web, Web 2.0 und Social Media kann heute jedes Unternehmen jederzeit für seine Kunden und Partner Anlaufstelle und Ansprechpartner sein. Wer schlau ist, schart seine Community um sich, hält sie rund ums Jahr mit aktueller Information, intensiver Kundenbindung und Communitainment bei Laune - und sorgt mit User-Group-Treffen, Stammtischen und regionalen Hausmessen für den durchaus nach wie vor immens wichtigen persönlichen Kontakt. Think global social networking, act locally.

Dennoch werden die CeBIT-Veranstalter auch dieses Jahr wieder stolz Aussteller- und Besucherzahlen verkünden. Man wird zufrieden feststellen, wie hoch der Anteil des Fachpublikums war - obwohl die Aussteller immer wieder spotten über all die “Entscheider”, die in Schulklassenstärke durch die Gänge schlurfen und sich mit glasklarem Insider-Fachjargon (”Ham Sie Kugelschreiber?”) nach technischen Innovationen erkundigen.

Auch zwei Messetage voller interessanter Gespräche, netter Treffen und teils sogar Sonnenschein statt typischen CeBIT-Wetters haben deshalb meine Einschätzung bestärkt: Die CeBIT ist ein Restposten aus früheren Zeiten, ein Überbleibsel. Sie hat sich überlebt.

Man kann die CeBIT wohl einfach nur deshalb nicht zu Grabe tragen kann, weil sie dafür zu groß ist. Die Sargträger würden sich am Tyrannosaurus CeBITus einen Bruch heben. Größe um ihrer selbst willen verhindert hier den sinnvollen Neuanfang. Jenseits von Hannover/Laatzen geht nicht zuletzt dank Social Media die Evolution weiter.


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Obama zwischen Web 2.0 und Schlammschlacht 1.0

Barack Obama gilt als der erste US-Präsident, der es verstanden hat, das Web 2.0 für seinen Wahlkampf zu nutzen. Presse, Websites und Blogger äußerten sich damals gerne lobend zum Beispiel über seine Präsenz auf Facebook (wo El Presidente heute knapp eine halbe Million Fans hat, dazu weit über sieben Millionen Fans auf der Seite seiner Grassroots-Bewegung “Organizing for America“).

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Heute nutzt die offizielle Site des US-Präsidenten www.whitehouse.gov das auch für Web-2.0-Szenarien beliebte Open Source CMS (Content Management System) Drupal, was für große Freude in der Drupal-Community gesorgt hat (siehe dazu hier). Das Weiße Haus twittert natürlich auch, die Tweets erreichen knapp 1,7 Millionen Followers.

Jetzt fehlt bloß noch, dass Obama auch noch seine eigene iPhone-App … upps, sorry: fehlt nicht! Auf seinem Blog meldete das Weiße Haus kürzlich, dass man die Neuigkeiten und neuen Inhalte auf whitehouse.gov nun auch via iPhone-App mitverfolgen kann, die in Apples App Store kostenlos verfügbar ist.

Obama eroberte das coole Szene-Handy mit perfektem Timing: gerade rechtzeitig vor seiner großen Ansprache, der State of the Union Address, weshalb diese auf dem White-House-Blog auch umgehend als “State of the Union 2.0” angekündigt wurde.

Das Weiße Haus bloggt, twittert, facebookt, postet Multimedia-Material, hat eine iPhone-App, man kann die whitehouse.gov-Einträge taggen und sharen, man kann die Updates als RSS-Feed bestellen (und natürlich auch ganz konventionell als E-Mail-Newsletter). Also alles Obama 2.0?

Was man auf whitehouse.gov vermisst, sind die in Social Networks üblichen Feedback-Mechanismen, etwa Kommentare zu den Blog-Einträgen, Ratings oder Diskussionsforen. Auch die iPhone-App ist ein reiner Output-Mechanismus ohne Feedback-Kanal, wie die US-Site Fastcompany.com bemängelte, die das Appchen dann auch gleich als Propaganda abtat … als ob eine White-House-Software unparteiisch sein müsste. Und als ob es in der US-amerikanischen Politik irgend einen anderen Kommunikationsstil gäbe als den kontinuierlichen Propaganda-Schlagabtausch, gerne auch mal unter die Gürtellinie, da kennen insbesondere republikanische Hardliner keine Grenze nach unten. (Einfach mal danach googeln - oder besser nicht.)

Wäre whitehouse.gov tatsächlich eine vollwertige Web-2.0-Site, böte sie die Plattform für die wahrscheinlich übelste Propaganda-Schlammschlacht seit… tja, seit dem letzten US-Präsidenten-Wahlkampf: Diffamierung 24×7, Politparolen rund um’s Jahr. Fastcompany meint zwar: “Bevor man argumentiert, dass solche Feedback-Möglichkeiten schnell in kleinliche parteiische Beschimpfungen abdriften würden, sollte man sich in Erinnerung rufen: Wenn irgend jemand in der Lage ist, ein Team von Forum-Moderatoren anzuheuern, um die Diskussionen zu überwachen, dann ist es das Weiße Haus.” Tja, und wenn für den ganzen Zirkus irgend jemand aufkommen muss, dann ist es der Steuerzahler.

Nicht jeder Einsatzfall ist für das Web 2.0 gleich gut geeignet, und kein Mensch braucht Extreme Schlammschlachting 2.0. Vielleicht ist es ja manchmal einfacher und möglicherweise sogar eleganter, sich ganz “Web 2.0″ zu geben - um sich dann aber mit Web 1.5 zufriedenzugeben.


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Neugierige Nachbarn im digitalen Dorf

Reden wir über “Social Intelligence”. Der Ausdruck klingt erst mal nach IQ und EQ - logische Intelligenz, emotionale Intelligenz, soziale Intelligenz. Aber: falsch geraten, Sie fallen runter auf 500 Euro!

“Social” meint nicht “sozial” im Sinne von “karitativ”, sondern schlicht das Online-Miteinander von Web-Nutzern: “Social” wie in “Social Network”, “Social Media”, “Social Software”, “Social (hier ein beliebiges Wort einfügen, muss aber englisch klingen)”. Und “Intelligence” bedeutet hier auch nicht “Intelligenz”, sondern “Datensammlung”: CIA statt IQ. (Der US-Geheimdienst heißt schließlich nicht “Central Intelligence Agency”, weil die Leute dort so wahnsinnig intelligent sind, sondern weil sie Daten jagen und sammeln.)

Und wieso muss uns das interessieren? Weil Social Intelligence der wirtschaftliche Motor im weltweiten Web ist, insbesondere in seiner heutigen, “Web 2.0″ oder auch “Mitmach-Web” genannten Social-Dingsbums-Ausprägung: Jene Firmen machen im Web 2.0 so richtig Reibach, denen es gelingt, das Verhalten, die Beziehungen und die Beiträge von Benutzern einer Online-Community von vorn bis hinten zu überwachen und auszuwerten. Beispiele gefällig? Social Intelligence ist das Kerngeschäft von Google wie auch von Amazon. (”Benutzer, die beim CIA arbeiten, haben sich auch für folgende Abhörgeräte interessiert…”)

Insbesondere Google - de facto die SIA (Social Intelligence Agency) des Web-2.0-Zeitalters - steht deshalb immer wieder im Kreuzfeuer der Datenschützer und kritischer Journalisten. So hat kürzlich der Spiegel (Ausgabe vom 11.1.10, S. 58ff) in einem ausführlichen, gründlichen Artikel namens “Ende der Privatheit” Selbiges beklagt: “Die eifrigsten Nutzer der (Google-) Dienste geben ihr halbes Leben preis”, warnen die Spiegel-Autoren. “Jede Website, die sie besuchen, jede Werbung, auf die sie klicken, verrät etwas über sie.” Der Spiegel fordert ein Recht auf Privatsphäre: “Kontrolle über das, was publik wird und was nicht”.

Nostalgisch reminiszierend heißt es dann: “Früher war das leicht. Da war - außer auf dem Dorf - zunächst mal alles privat”; lediglich “hie und da” habe man selbst etwas öffentlich gemacht. Im Web sei dieses Prinzip nun auf den Kopf gestellt: “Alles ist publik, es sei denn, man macht sich die Mühe, es zu verbergen.”

“Früher”? Wann genau? 1984? Damals, als man sich noch nicht ums Internet sorgte (das noch in den Kinderschuhen steckte), sondern gegen die Volkszählung, Videokameras an Bahnhöfen und die Speicherung von Telefonverbindungsdaten protestierte? Ja, was waren das glückliche Zeiten, als Orwells Big Brother noch ein klares Feindbild lieferte…

Bei uns in Bayern - ich geb’s zu, ich bin ein Münchner Eingeborener - ist das nostalgisch verklärte Früher aber nicht das herrlich anonyme Großstadtleben der 1980er-Jahre: Der gemeine wertkonservative Bayer (CSU-Wähler, katholisch, auf dem Land lebend und vor allem nicht zugereist) schwärmt in solchen Fällen vielmehr vom ausgehenden 19. Jahrhundert, von der “guten alten Zeit”, als das Tempo noch gemächlich, Bayern noch Monarchie und überhaupt die Welt noch in Ordnung war. Nicht München 1984, sondern Miesbach 1884.

Der entscheidende Punkt ist deshalb der vom Spiegel verschämt eingeschobene Zusatz “außer auf dem Dorf”: Damals auf’m Dorf, zu Zeiten von Ludwig dem II. (Gott hab ihn selig), da war das Ende der Privatheit sehr schnell erreicht: Dank neugieriger Nachbarn, Klatsch und Tratsch wusste man alles übereinander. Sich entziehen? Ja mei, … schwierig.

Google, Amazon und Co. transportieren genau diese oft nostalgisch verklärte Dorfgemeinschaft ins Web. Drum heißt’s ja auch “Global Village” und nicht “Global Metropolis”. Und wie sich “damals” die Leute nicht aussuchen konnten, in welchem Dorf sie aufwuchsen, ebenso wenig kann sich der heutige Web-Nutzer das globale Dorf aussuchen. Eben weil’s global ist: Es gibt nur das eine.

Und auf dem Land war’s schon immer so: Wer Privatheit wollte, musste sie sich selbst verschaffen. Das wusste auch Benjamin Franklin, einer der führenden Intellektuellen der US- Gründerzeit, der als Autor und Verleger in einer damals noch stark ländlich geprägten Welt lebte, in der man manuelle Arbeit schätzte und das Lesen (außer das der Bibel) oft suspekt fand. Was also machte Franklin? Er schob tagsüber immer mal wieder eine Schubkarre übern Hof, damit es für die Nachbarn so aussah, als arbeite er hart - und abends zog er dann die Vorhänge zu, um heimlich bei Kerzenschein an seinen Texten und Almanachen zu schreiben.

Umständlich, zugegeben, aber effektiv. Deshalb: Schubkarre her, Vorhänge zu! Wer im globalen Dorf neugierige Nachbarn abwehren will, muss selber verschleiern, verheimlichen und vertuschen. Das nimmt einem niemand ab - da hilft kein Jammern über das Idyll von Anno 1984.

PS: Benutzer, die blickdichte Vorhänge gekauft haben, interessierten sich auch für folgende Schubkarren…


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Slidecast “2009 in Social Media” (oder umgekehrt)

Rob Cottingham hat einen sehr witzigen Slidecast zusammengestellt, der das Thema “2009 in Social Media” - und dabei vor allem die Rolle von Social Media im Jahr 2009 - in einer Reihe treffender Cartoons Revue passieren lässt.

Die Slideshow präsentiert allerlei Highlights von der Einführung des iPhone OS 3.0 (”jetzt mit Cut and Paste!”) über den Social-Media-PR-GAU von United Airlines und den Versuch von Facebook, den Anwendern neue Benutzungs-Bestimmungen (sprich: die Lizenz zur totalen Überwachung) unterzujubeln, bis hin zum ersten Schwappen der Google Wave.

Mein Lieblings-Cartoon aus der Serie betrifft das Thema Augmented Reality (also um aus dem Web bezogene Inhalte und Informationen angereicherte Realität) und stellt dazu fest: “Die ersten Augmented-Reality-Apps sind da. Sie haben sich weniger als ‘Minority Report’ denn vielmehr als ‘Home Shopping Network’ erwiesen.”

Tja, so isses, das augmentierte richtige Leben: wenig Thriller, viel Werbegesülze … :-)

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Witziges Werbevideo für Lotus Connections

Branchenriese IBM, laut Gartner einer der drei Marktführer im Bereich Social Software, nutzt für das Marketing seiner Social-Software-Lösung Lotus Connections die Social-Media-Plattform YouTube sehr begeistert - wie sich das füreinen Social-Software-Anbieter schließlich gehört. Ein amüsantes Beispiel ist der Clip “The Man Who Should Have Used Lotus Connections“.

In diesem gut acht Minuten langen Trickfilm erzählt uns der Protagonist, wie umständlich und mit welchem Aufwand er in seinem Unternehmen eine Konferenz vorbereitet hat. Als Keynote-Sprecher hat er einen Auskenner eingeladen, der dann natürlich ausgerechnet über Lotus Connections referiert - wodurch sich die ganzen Vorbereitungsmühen als völlig unnötig erweisen. Nettes Script, und zudem mit einer putzigen Schlusspointe (die hier nicht verraten sei).
IBM ist in Sachen Social-Software-Nutzung in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter, was auch hier schon Thema war. Der Clip schreibt dies auf witzige Weise fort. Kudos!


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Nützliche Social-Networking-Werkzeuge und Trends für 2010

Auf ReadWriteWeb findet sich eine Best-of-Liste von Echtzeit-Tools. Gemeint sind also Hilfsmittel, die sich in unseren beschleunigungsfixierten Zeiten für das zeitnahe Social Networking als durchaus nützlich erweisen dürften. Die Liste der “Top Ten Real-Time Technologies of 2009″ findet sich hier.

Ebenfalls ein Lesetipp: “Ten Ways Social Media Will Change in 2010“. Hier schreibt Consultant Ravit Lichtenberg über die Entwicklungen im Social-Software-Umfeld. Seine These: Ab nächstem Jahr werde Social Media eine in sich geschlossene “Benutzererfahrung” werden, die in unseren Alltag integriert ist: Nächstes Jahr werde es also vorrangig um Integrationsfragen gehen und somit darum, eine  durchgängige, medienübergreifende Social-Software-Nutzung zu ermöglichen.

Eine weitere Prognose, die sicher gute Chancen darauf hat, in Erfüllung zu gehen: Unternehmen werden die nächste Generation des Social-Media-Geschehens prägen. In der Tat: Zahlreiche Anbieter - IBM, Microsoft, Jive, Open Text, EMC, Novell, blueKiwi, Socialtext, Lithium, Mzinga und diverse andere - machen derzeit gute Geschäfte mit dem Vorhaben, das aus der Consumer-Welt bekannte Social Networking immer tiefer in die Unternehmenswelten zu integrieren.

Dazu kommen dann noch virtuelle Welten, “Augmented Reality” (also die Vermischung von Online- und Offline-Aspekten), Geo-Tagging, Twitter360, etc. pp. - das Ausmaß und das Tempo der Neuerungen sind enorm. 2010 wird mit Sicherheit für den Social-Software-Markt ein sehr spannendes Jahr werden.


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