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10.3.2010 von Wilhelm Greiner.
Mit der Einführung des Twitter-Konkurrenten Buzz hat sich Google letzten Monat die Entrüstung zahlreicher Benutzer zugezogen, und Datenschützer haben Beschwerden eingereicht. Für jene, die Googles Kopfsprung in den Privacy-Fettnapf ebenso verschlafen haben wie der Suchmaschinen-Gigant einst den Microblogging-Trend: Der Konzern hat Buzz als Standardkomponente von Gmail eingeführt und in typisch Googlescher Statistikverliebtheit einfach die häufigsten E-Mail-Kontakte zu Followern erklärt - ohne die Benutzer zu fragen.
Das hat der “Don’t-do-evil”-Firma nicht nur den Vorwurf von Allmachtsdenken eingebracht (etwa auf spiegel.de), Kritiker wiesen zudem auf eine riskante Datenschutzlücke hin: Die automatisch generierten “Follower” waren via Web öffentlich sichtbar; Demokratieverfechter in Diktaturen könnten so dem Regime ungewollt Kontakte verraten haben. Oder der Chef erfährt, mit welchen Headhuntern man korrespondiert. Eine erzürnte Gmail-Nutzerin schrieb über einen neuen “Follower”: “Wissen Sie, wer mein dritthäufigster Kontakt ist? Mein gewalttätiger Ex-Ehemann.”
Doch nur selten erfolgt der Angriff auf das Recht informationeller Selbstbestimmung so plump, drastisch und offenkundig wie im Fall von Google Buzz. Von der Deutschen Telekom zum Beispiel habe ich (UMTS-Flatrate-Kunde) kürzlich nach dem Kauf einer “Xtra-Card” (Prepaid-Karte) für die Familie einen Xtra-Card-Werbe-Newsletter erhalten - obwohl ich beim Kauf der Karte Werbung vertraglich untersagt hatte. Auf meine schriftliche Anfrage, woher man denn meine E-Mail-Adresse kenne, erklärte ein Call-Center-Mitarbeiter beim Rückruf: Von einer E-Mail, die ich der Deutschesten aller Telekoms Monate zuvor geschrieben hatte - und in der ich jegliche Werbung im Rahmen des UMTS-Vertrags verboten hatte!
Solch ein Verstoß gegen Datenschutzgesetze und anständiges Geschäftsgebaren, obwohl eklatant, verblasst natürlich vor dem Hintergrund großflächiger Googlescher Ignoranz, zeugt aber von der gleichen Mentalität: Wir haben es doch nicht nötig, uns um den Datenschutz zu kümmern!
Deshalb, in den Worten des Wiener Rockmusikers Ostbahn Kurti: “Basst’s auf, seid’s vursichtig und losst’s eich nix gfoin!” (Passt auf, seid vorsichtig und lasst euch nichts gefallen, Anm. des Übersetzers ;-).
Man darf den Datenschutzfressern keine kleinen Happen erlauben, sonst bekommen sie nur Hunger auf größere. Ich jedenfalls kaufe Prepaid-Karten jetzt bei der Telekom-Konkurrenz (ja, die habt ihr, Deutsche Telekom, trotz eurer Monopolistenallüren). Und den UMTS-Vertrag habe ich auch gleich gekündigt.
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4.3.2010 von Wilhelm Greiner.
Letzte Woche habe ich die CeBIT in einem Blog-Eintrag eher am Rande als “Veranstaltungs-Dinosaurier” bezeichnet. Andernorts hat man offenbar eine ähnliche Meinung von dem in Schmuddelwetter ergrauten Hannoveraner Messe-Rentner: Mit “Der Dinosaurier der IT-Messen” war zwei Tage später ein Beitrag auf Zeit.de überschrieben.
Das kann natürlich Zufall sein - wahrscheinlich wird alle 1,7 Sekunden irgendwo im Web irgendetwas auf zwei Websites praktisch zeitgleich als “Dinosaurier” bezeichnet. Kann Zufall sein, muss aber nicht.
Denn wenn man - wie ich als IT-Redakteur am Dienstag und Mittwoch praktisch gezwungenermaßen - über das CeBIT-Gelände läuft, dominiert vor allem ein Eindruck: Die CeBIT ist sehr, sehr groß. Nicht sehr, sehr nützlich oder sehr, sehr spannend, je nach Halle auch nicht mal sehr, sehr voll - nur eben sehr, sehr groß.
Die CeBIT bläht sich jedes Jahr - dieses Jahr durch Hinzunahme einer Musik-Show - bis zum Maximum auf - auch wenn hier die Messlatte zu Zeiten des E-Business-Booms schon mal um ein paar Tausend Aussteller höher lag. Monströse Größe um ihrer selbst willen. Saurier eben.
Der Zeit-online-Artikel kommt zu dem Schluss, dass diese Veranstaltung ihre besten Zeiten hinter sich hat. Andere Messen werden wichtiger: Ein Mobile World Congress in Barcelona für die Mobilfunkbranche, eine Computex in Taipeh für die Hardwarehersteller und -zulieferer. Ähnliches gilt für die ITSA in Nürnberg in der deutschen IT-Security-Szene oder auch Branchenmessen.
Auf all diesen Messen scharen sich die Aussteller um ein zentrales Thema. So einen klaren Fokus kann die CeBIT nicht aufweisen, will sie doch stets die nach wie vor beachtliche Größe möglichst halten. Und so laviert man ziellos zwischen Consumer- und Fachmesse - ein Schlingerkurs, der im Jahr 2008 schon die Münchner Regionalmesse Systems ins Aus führte.
Zeitgleich florieren die Hausmessen großer Hersteller wie Cisco und HP, die sich den Hannoveraner Trubel schon längst nicht mehr antun wollen. Auch mit Produktneuheiten wartet heute kaum ein Hersteller noch eine CeBIT ab, um sich dort - Tahdah! - als Innovator zu präsentieren. Dazu sind die Produktzyklen zu schnelllebig geworden.
Und dabei haben wir noch nicht mal vom bösen Konkurrenten Internet gesprochen: Dank Web, Web 2.0 und Social Media kann heute jedes Unternehmen jederzeit für seine Kunden und Partner Anlaufstelle und Ansprechpartner sein. Wer schlau ist, schart seine Community um sich, hält sie rund ums Jahr mit aktueller Information, intensiver Kundenbindung und Communitainment bei Laune - und sorgt mit User-Group-Treffen, Stammtischen und regionalen Hausmessen für den durchaus nach wie vor immens wichtigen persönlichen Kontakt. Think global social networking, act locally.
Dennoch werden die CeBIT-Veranstalter auch dieses Jahr wieder stolz Aussteller- und Besucherzahlen verkünden. Man wird zufrieden feststellen, wie hoch der Anteil des Fachpublikums war - obwohl die Aussteller immer wieder spotten über all die “Entscheider”, die in Schulklassenstärke durch die Gänge schlurfen und sich mit glasklarem Insider-Fachjargon (”Ham Sie Kugelschreiber?”) nach technischen Innovationen erkundigen.
Auch zwei Messetage voller interessanter Gespräche, netter Treffen und teils sogar Sonnenschein statt typischen CeBIT-Wetters haben deshalb meine Einschätzung bestärkt: Die CeBIT ist ein Restposten aus früheren Zeiten, ein Überbleibsel. Sie hat sich überlebt.
Man kann die CeBIT wohl einfach nur deshalb nicht zu Grabe tragen kann, weil sie dafür zu groß ist. Die Sargträger würden sich am Tyrannosaurus CeBITus einen Bruch heben. Größe um ihrer selbst willen verhindert hier den sinnvollen Neuanfang. Jenseits von Hannover/Laatzen geht nicht zuletzt dank Social Media die Evolution weiter.
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26.1.2010 von Wilhelm Greiner.
Barack Obama gilt als der erste US-Präsident, der es verstanden hat, das Web 2.0 für seinen Wahlkampf zu nutzen. Presse, Websites und Blogger äußerten sich damals gerne lobend zum Beispiel über seine Präsenz auf Facebook (wo El Presidente heute knapp eine halbe Million Fans hat, dazu weit über sieben Millionen Fans auf der Seite seiner Grassroots-Bewegung “Organizing for America“).
Heute nutzt die offizielle Site des US-Präsidenten www.whitehouse.gov das auch für Web-2.0-Szenarien beliebte Open Source CMS (Content Management System) Drupal, was für große Freude in der Drupal-Community gesorgt hat (siehe dazu hier). Das Weiße Haus twittert natürlich auch, die Tweets erreichen knapp 1,7 Millionen Followers.
Jetzt fehlt bloß noch, dass Obama auch noch seine eigene iPhone-App … upps, sorry: fehlt nicht! Auf seinem Blog meldete das Weiße Haus kürzlich, dass man die Neuigkeiten und neuen Inhalte auf whitehouse.gov nun auch via iPhone-App mitverfolgen kann, die in Apples App Store kostenlos verfügbar ist.
Obama eroberte das coole Szene-Handy
Das Weiße Haus bloggt, twittert, facebookt, postet Multimedia-Material, hat eine iPhone-App, man kann die whitehouse.gov-Einträge taggen und sharen, man kann die Updates als RSS-Feed bestellen (und natürlich auch ganz konventionell als E-Mail-Newsletter). Also alles Obama 2.0?
Was man auf whitehouse.gov vermisst, sind die in Social Networks üblichen Feedback-Mechanismen, etwa Kommentare zu den Blog-Einträgen, Ratings oder Diskussionsforen. Auch die iPhone-App ist ein reiner Output-Mechanismus ohne Feedback-Kanal, wie die US-Site Fastcompany.com bemängelte, die das Appchen dann auch gleich als Propaganda abtat … als ob eine White-House-Software unparteiisch sein müsste. Und als ob es in der US-amerikanischen Politik irgend einen anderen Kommunikationsstil gäbe als den kontinuierlichen Propaganda-Schlagabtausch, gerne auch mal unter die Gürtellinie, da kennen insbesondere republikanische Hardliner keine Grenze nach unten. (Einfach mal danach googeln - oder besser nicht.)
Wäre whitehouse.gov tatsächlich eine vollwertige Web-2.0-Site, böte sie die Plattform für die wahrscheinlich übelste Propaganda-Schlammschlacht seit… tja, seit dem letzten US-Präsidenten-Wahlkampf: Diffamierung 24×7, Politparolen rund um’s Jahr. Fastcompany meint zwar: “Bevor man argumentiert, dass solche Feedback-Möglichkeiten schnell in kleinliche parteiische Beschimpfungen abdriften würden, sollte man sich in Erinnerung rufen: Wenn irgend jemand in der Lage ist, ein Team von Forum-Moderatoren anzuheuern, um die Diskussionen zu überwachen, dann ist es das Weiße Haus.” Tja, und wenn für den ganzen Zirkus irgend jemand aufkommen muss, dann ist es der Steuerzahler.
Nicht jeder Einsatzfall ist für das Web 2.0 gleich gut geeignet, und kein Mensch braucht Extreme Schlammschlachting 2.0. Vielleicht ist es ja manchmal einfacher und möglicherweise sogar eleganter, sich ganz “Web 2.0″ zu geben - um sich dann aber mit Web 1.5 zufriedenzugeben.
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17.1.2010 von Wilhelm Greiner.
Reden wir über “Social Intelligence”. Der Ausdruck klingt erst mal nach IQ und EQ - logische Intelligenz, emotionale Intelligenz, soziale Intelligenz. Aber: falsch geraten, Sie fallen runter auf 500 Euro!
“Social” meint nicht “sozial” im Sinne von “karitativ”, sondern schlicht das Online-Miteinander von Web-Nutzern: “Social” wie in “Social Network”, “Social Media”, “Social Software”, “Social (hier ein beliebiges Wort einfügen, muss aber englisch klingen)”. Und “Intelligence” bedeutet hier auch nicht “Intelligenz”, sondern “Datensammlung”: CIA statt IQ. (Der US-Geheimdienst heißt schließlich nicht “Central Intelligence Agency”, weil die Leute dort so wahnsinnig intelligent sind, sondern weil sie Daten jagen und sammeln.)
Und wieso muss uns das interessieren? Weil Social Intelligence der wirtschaftliche Motor im weltweiten Web ist, insbesondere in seiner heutigen, “Web 2.0″ oder auch “Mitmach-Web” genannten Social-Dingsbums-Ausprägung: Jene Firmen machen im Web 2.0 so richtig Reibach, denen es gelingt, das Verhalten, die Beziehungen und die Beiträge von Benutzern einer Online-Community von vorn bis hinten zu überwachen und auszuwerten. Beispiele gefällig? Social Intelligence ist das Kerngeschäft von Google wie auch von Amazon. (”Benutzer, die beim CIA arbeiten, haben sich auch für folgende Abhörgeräte interessiert…”)
Insbesondere Google - de facto die SIA (Social Intelligence Agency) des Web-2.0-Zeitalters - steht deshalb immer wieder im Kreuzfeuer der Datenschützer und kritischer Journalisten. So hat kürzlich der Spiegel (Ausgabe vom 11.1.10, S. 58ff) in einem ausführlichen, gründlichen Artikel namens “Ende der Privatheit” Selbiges beklagt: “Die eifrigsten Nutzer der (Google-) Dienste geben ihr halbes Leben preis”, warnen die Spiegel-Autoren. “Jede Website, die sie besuchen, jede Werbung, auf die sie klicken, verrät etwas über sie.” Der Spiegel fordert ein Recht auf Privatsphäre: “Kontrolle über das, was publik wird und was nicht”.
Nostalgisch reminiszierend heißt es dann: “Früher war das leicht. Da war - außer auf dem Dorf - zunächst mal alles privat”; lediglich “hie und da” habe man selbst etwas öffentlich gemacht. Im Web sei dieses Prinzip nun auf den Kopf gestellt: “Alles ist publik, es sei denn, man macht sich die Mühe, es zu verbergen.”
“Früher”? Wann genau? 1984? Damals, als man sich noch nicht ums Internet sorgte (das noch in den Kinderschuhen steckte), sondern gegen die Volkszählung, Videokameras an Bahnhöfen und die Speicherung von Telefonverbindungsdaten protestierte? Ja, was waren das glückliche Zeiten, als Orwells Big Brother noch ein klares Feindbild lieferte…
Bei uns in Bayern - ich geb’s zu, ich bin ein Münchner Eingeborener - ist das nostalgisch verklärte Früher aber nicht das herrlich anonyme Großstadtleben der 1980er-Jahre: Der gemeine wertkonservative Bayer (CSU-Wähler, katholisch, auf dem Land lebend und vor allem nicht zugereist) schwärmt in solchen Fällen vielmehr vom ausgehenden 19. Jahrhundert, von der “guten alten Zeit”, als das Tempo noch gemächlich, Bayern noch Monarchie und überhaupt die Welt noch in Ordnung war. Nicht München 1984, sondern Miesbach 1884.
Der entscheidende Punkt ist deshalb der vom Spiegel verschämt eingeschobene Zusatz “außer auf dem Dorf”: Damals auf’m Dorf, zu Zeiten von Ludwig dem II. (Gott hab ihn selig), da war das Ende der Privatheit sehr schnell erreicht: Dank neugieriger Nachbarn, Klatsch und Tratsch wusste man alles übereinander. Sich entziehen? Ja mei, … schwierig.
Google, Amazon und Co. transportieren genau diese oft nostalgisch verklärte Dorfgemeinschaft ins Web. Drum heißt’s ja auch “Global Village” und nicht “Global Metropolis”. Und wie sich “damals” die Leute nicht aussuchen konnten, in welchem Dorf sie aufwuchsen, ebenso wenig kann sich der heutige Web-Nutzer das globale Dorf aussuchen. Eben weil’s global ist: Es gibt nur das eine.
Und auf dem Land war’s schon immer so: Wer Privatheit wollte, musste sie sich selbst verschaffen. Das wusste auch Benjamin Franklin, einer der führenden Intellektuellen der US- Gründerzeit, der als Autor und Verleger in einer damals noch stark ländlich geprägten Welt lebte, in der man manuelle Arbeit schätzte und das Lesen (außer das der Bibel) oft suspekt fand. Was also machte Franklin? Er schob tagsüber immer mal wieder eine Schubkarre übern Hof, damit es für die Nachbarn so aussah, als arbeite er hart - und abends zog er dann die Vorhänge zu, um heimlich bei Kerzenschein an seinen Texten und Almanachen zu schreiben.
Umständlich, zugegeben, aber effektiv. Deshalb: Schubkarre her, Vorhänge zu! Wer im globalen Dorf neugierige Nachbarn abwehren will, muss selber verschleiern, verheimlichen und vertuschen. Das nimmt einem niemand ab - da hilft kein Jammern über das Idyll von Anno 1984.
PS: Benutzer, die blickdichte Vorhänge gekauft haben, interessierten sich auch für folgende Schubkarren…
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29.12.2009 von Wilhelm Greiner.
Rob Cottingham hat einen sehr witzigen Slidecast zusammengestellt, der das Thema “2009 in Social Media” - und dabei vor allem die Rolle von Social Media im Jahr 2009 - in einer Reihe treffender Cartoons Revue passieren lässt.
Die Slideshow präsentiert allerlei Highlights von der Einführung des iPhone OS 3.0 (”jetzt mit Cut and Paste!”) über den Social-Media-PR-GAU von United Airlines und den Versuch von Facebook, den Anwendern neue Benutzungs-Bestimmungen (sprich: die Lizenz zur totalen Überwachung) unterzujubeln, bis hin zum ersten Schwappen der Google Wave.
Mein Lieblings-Cartoon aus der Serie betrifft das Thema Augmented Reality (also um aus dem Web bezogene Inhalte und Informationen angereicherte Realität) und stellt dazu fest: “Die ersten Augmented-Reality-Apps sind da. Sie haben sich weniger als ‘Minority Report’ denn vielmehr als ‘Home Shopping Network’ erwiesen.”
Tja, so isses, das augmentierte richtige Leben: wenig Thriller, viel Werbegesülze …
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15.12.2009 von Wilhelm Greiner.
Branchenriese IBM, laut Gartner einer der drei Marktführer im Bereich Social Software, nutzt für das Marketing seiner Social-Software-Lösung Lotus Connections die Social-Media-Plattform YouTube sehr begeistert - wie sich das füreinen Social-Software-Anbieter schließlich gehört. Ein amüsantes Beispiel ist der Clip “The Man Who Should Have Used Lotus Connections“.
In diesem gut acht Minuten langen Trickfilm erzählt uns der Protagonist, wie umständlich und mit welchem Aufwand er in seinem Unternehmen eine Konferenz vorbereitet hat. Als Keynote-Sprecher hat er einen Auskenner eingeladen, der dann natürlich ausgerechnet über Lotus Connections referiert - wodurch sich die ganzen Vorbereitungsmühen als völlig unnötig erweisen. Nettes Script, und zudem mit einer putzigen Schlusspointe (die hier nicht verraten sei).
IBM ist in Sachen Social-Software-Nutzung in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter, was auch hier schon Thema war. Der Clip schreibt dies auf witzige Weise fort. Kudos!
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14.12.2009 von Wilhelm Greiner.
Auf ReadWriteWeb findet sich eine Best-of-Liste von Echtzeit-Tools. Gemeint sind also Hilfsmittel, die sich in unseren beschleunigungsfixierten Zeiten für das zeitnahe Social Networking als durchaus nützlich erweisen dürften. Die Liste der “Top Ten Real-Time Technologies of 2009″ findet sich hier.
Ebenfalls ein Lesetipp: “Ten Ways Social Media Will Change in 2010“. Hier schreibt Consultant Ravit Lichtenberg über die Entwicklungen im Social-Software-Umfeld. Seine These: Ab nächstem Jahr werde Social Media eine in sich geschlossene “Benutzererfahrung” werden, die in unseren Alltag integriert ist: Nächstes Jahr werde es also vorrangig um Integrationsfragen gehen und somit darum, eine durchgängige, medienübergreifende Social-Software-Nutzung zu ermöglichen.
Eine weitere Prognose, die sicher gute Chancen darauf hat, in Erfüllung zu gehen: Unternehmen werden die nächste Generation des Social-Media-Geschehens prägen. In der Tat: Zahlreiche Anbieter - IBM, Microsoft, Jive, Open Text, EMC, Novell, blueKiwi, Socialtext, Lithium, Mzinga und diverse andere - machen derzeit gute Geschäfte mit dem Vorhaben, das aus der Consumer-Welt bekannte Social Networking immer tiefer in die Unternehmenswelten zu integrieren.
Dazu kommen dann noch virtuelle Welten, “Augmented Reality” (also die Vermischung von Online- und Offline-Aspekten), Geo-Tagging, Twitter360, etc. pp. - das Ausmaß und das Tempo der Neuerungen sind enorm. 2010 wird mit Sicherheit für den Social-Software-Markt ein sehr spannendes Jahr werden.
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27.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Letzte Woche hatte ich ein ausführliches und spannendes Gespräch mit Nikos Drakos, der als Research Director beim Marktforschungshaus Gartner für die Themen Social Software und Collaboration zuständig ist. Nach einer längeren Diskussion um die Best Practices bei der Einführung von Social Software in Unternehmen kam die Sprache auf die Motivation für Mitarbeiter, sich aktiv in ein firmeninternes Social Network einzubringen.
Gartner-Analyst Nikos Drakos. Bild: Gartner
“Die Teilnahme muss einen Sinn ergeben”, so Drakos, “und man muss einen Einblick in das Ergebnis erhalten.” Denn letztlich wünsche der Mitarbeiter, dass sein Beitrag in der Community mit seiner Leistung im Unternehmen verknüpft wird - sprich: dass sie honoriert wird, auf die eine oder andere Weise.
Als wichtiges Incentive für die Teilhabe an einer Community nannte der Analyst spontan: “Reziprozität”. Zu recht. Denn so fremd und sperrig dieser Latinismus wirkt, so vertraut ist er uns aus dem Alltag, bezeichnet er doch schlicht den gegenseitigen Nutzen einer sozialen Interaktion: Gibst du mir etwas, gebe ich dir etwas.
Jeder kennt das: Wenn man etwas geschenkt bekommt, fühlt man sich unterschwellig automatisch verpflichtet, dem Schenkenden etwas zurückzugeben. Ich glaube, es war Jacques Derrida, der deshalb argumentiert hat, die kleinste ökonomische Transaktion sei nicht die Gabe, sondern der Tausch - ein Geschenk sei also immer nur der erste Teil eines impliziten Handels. (Kann mich aber irren, ist schon lange her…)
Dieses Prinzip der Reziprozität ist ein zentraler Pfeiler menschlichen Miteinanders: Könnten wir bei einem Tausch nicht davon ausgehen, für das Gegebene etwas zurückzuerhalten, würde unser Zusammenleben nicht funktionieren, sondern in Misstrauen und Missgunst versinken. Insofern ist der Begriff “Social Network” durchaus gut gewählt: Das Funktionsprinzip einer Social Community ist das gleiche wie im Offline-Alltag, nur eben mit Web-2.0-Mitteln ins Online-Zeitalter transponiert.
In Consumer-Netzwerken ist einer der wichtigsten Benefits, die man aus einem Social Network zieht, das Entertainment. Und dies wird, da bin ich mir sicher, im Rahmen der allgegenwärtigen “Consumerization” des beruflichen IT-Alltags auch in Social Networks innerhalb eines Unternehmens ein wichtiger Motivator sein: Es muss unterhaltsam sein, an einer Firmen-Community mitzuwirken.
Weitere Faktoren sind, so Nikos Drakos, allerdings mindestens ebenso wichtig für die Motivation. Drakos erinnerte sich in unserer Diskussion an die Frage eines Risikokapitalgebers, der um Venture Capital Anfragende mit der Frage konfrontierte, welche der sieben Todsünden ihr Geschäft für Kunden attraktiv mache: Habgier? Eitelkeit? Faulheit? Neid? …?
In Social Communities reicht das Spektrum motivierender Ingredienzien somit von einer Befriedigung der Eitelkeit (Popularität aufgrund vieler Abrufe oder Demonstration von Kompetenz, angezeigt durch ein hohes Rating für eigene Postings etc.) über die der Genusssucht (Entertainment-Elemente) bis zur Erfüllung der Habgier (finanzielle Kompensation). Je stärker ein Social Network also Entertainment-Elemente bietet und Popularität oder auch Kompetenz deutlich sichtbar macht, desto eher dürfte wohl zumindest ein Teil der Mitarbeiter zu bewegen sein, selbst ohne finanzielle Anreize etwas beizutragen. (OK, mit Geld geht’s trotzdem leichter…)
Wichtig ist es laut dem Gartner-Analysten aber in jedem Fall für die Unternehmen, bei der Einführung von Social Software in Vorleistung zu gehen, um den Mechanismus der Reziprozität in Gang zu setzen: Ein Mitarbeiter muss auf den ersten Blick erkennen, dass ihm dieses Netzwerk Vorteile verschafft - sonst wird er nur sehr schwer dazu zu motivieren sein, selbst etwas beizutragen.
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21.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Social Software hat nun endgültig Einzug ins Weiße Haus gehalten: Wie Drupal.org meldete, hat das Executive Office of the President of the United States of America die Website whitehouse.gov auf eine Drupal-Plattform umgestellt. Drupal ist im Kern eine Open-Source-Lösung für das Content-Management, bietet aber dank weitläufiger Plug-in-Landschaft auch zahlreiche Features für das Social Networking.
Whitehouse.gov umfasst neben umfangreicher klassischer Content-Präsentation auch diverse Web-2.0-Angebote, darunter Blog-Seiten mit thematisch geordneten Texten, Bildern und Videos, Multimedia-Inhalte inklusive Live-Streams und Podcasts, RSS-Feeds sowie Links zu weiteren Social-Media-Kommunikationskanälen des Weißen Hauses wie etwa zur Twitter-Präsenz @whitehouse.
Whitehouse.gov auf Drupal-Basis ist damit natürlich ein großer PR-Gewinn für Drupals Open-Source-Community (”Das Weiße Haus nutzt Open Source!”). Zugleich aber ist die Social-Site ein Indiz dafür, dass nach Barack Obamas bekanntlich stark mit Web-2.0-Mitteln geführtem Wahlkampf das Thema Social Networking nun dauerhaft als Front-end für den Kontakt mit den US-Bürgern verankert ist.
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19.11.2009 von Wilhelm Greiner.
Der CRM-Anbieter Salesforce.com - der immer wieder gern als Referenz genannt wird, wenn es um Software as a Service (SaaS) oder Platform as a Service (PaaS) geht - ergänzt sein Portfolio um eine Social-Computing-Plattform: “Chatter” (auf Deutsch: “Geschwätz”, aber auch “Zähneklappern”) heißt das neue Angebot, dem Salesforce als Logo ein albernes Klapper-Gebiss verpasst hat. War wohl witzig gemeint.
Chatter, das im Laufe des nächsten Jahres verfügbar werden soll, wird auf der der hauseigenen PaaS-Plattform Force.com aufsetzen und soll dann so ziemlich alles bieten, was man heute von einer Social Software im Privatumfeld kennt und deshalb im Unternehmensumfeld erwartet: Social Profiles, Status-Update, Gruppen von Kontakten, Feeds, Social Content, ergänzende Social Apps, ein Sicherheits- und Berechtigungsmodell sowie APIs für die Kommunikation mit externen Social-Software-Lösungen. An Google, Facebook und Twitter will man ebenfalls gleich direkt andocken.
Damit sollen Social-Software-Features für alle Anwendungen verfügbar werden, die auf Force.com laufen - also sowohl für die hauseigenen Anwendungen als auch für die Lösungen aus Salesforce’ umfangreichen Partnerumfeld. Die Social-Komponente soll natürlich die Zielsetzung unterstützen, die Kundenbindung der Salesforce-CRM- und angrenzender Partnerlösungen durch all die schicken neuen Web-2.0-Mechanismen intensiver und effektiver zu gestalten.
Jedenfalls hat Salesforce verstanden, dass Enterprise-Lösungen und Social Computing zusammenwachsen.
Chatter hat das Potenzial, die Salesforce-Community einen großen Schritt nach vorn zu bringen. Die vielen kleinen Anbieter von Social Software erhalten damit einen weiteren mächtigen Konkurrenten. Das wird spannend.
P.S.: Danke an Michael Frohn von salesfactory42 für den Hinweis!
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