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4.10.2009 von Wilhelm Greiner.
Die Site www.slideshare.net ist im Grunde ein höchst eigenartiges Tierchen: Sie bündelt viele schöne (und weniger schöne) PowerPoint-Präsentationen und hält sie als große virtuelle Lagerhalle zum jederzeitigen Abruf vor. Das Eigenartige, aber auch der Reiz dieses Prinzips: Der Betrachter erhält hier (außer bei so genannten Slidecasts und Videoslides) lediglich die Präsentationsfolien - der Vortrag läuft im Kopf des Betrachters ab. Slideshare liefert im Wesentlichen also Bilderbücher zum online Durchblättern - visuelles Communitainment für die Social-Media-Community.
Gestaltete man diese Slides streng nach den Vorgaben von Präsentations-Päpsten wie Garr Reynolds oder Seth Godin (”No more than six words on a slide. EVER.”), dann wären die geposteten Vorträge sicher nicht verständlich. Schließlich raten Seth Godin und Garr Reynolds, wie hier schon einmal aufgeführt, explizit dazu, die Vortragsbebilderung von der Dokumentation des Gesagten strikt zu trennen: Der Vortragende soll schließlich sein Publikum nicht dadurch langweilen, dass er die auf den Folien zu lesenden Sätze dröge herunterbetet (wie dies leider allzu oft der Fall ist).
Auf Slideshare entfällt dieses Risiko - anders übrigens als bei Pecha-Kucha-Events, die ebenfalls sozusagen eine Zweckentfremdung des Prinzips PowerPoint-Präsentation darstellen, indem sie es zu klar strukturierten Wettbewerben umfunktionieren. Für Slideshare gelten eher die Regeln des Bilderbuchs oder des Comics: klare Aussage, klare Linie, stringenter Spannungsbogen, überraschende Wendungen, Emotion und idealerweise auch Witz in der Bildgestaltung - und vor allem: Niemals langweilen!
Präsentationen werden aus unterschiedlichsten Motiven auf Slideshare eingestellt: zur Promotion eines bestimmten Projekts oder Produkts, zur Information, zur Selbstdarstellung, für Werbung, aus Jux und Dollerei etc. pp. Das gestalterische Niveau variiert dementsprechend stark - es finden sich aber auch zahlreiche Perlen gepflegter PowerPoint-Kultur, wie die geniale Aneinanderreihung überraschender Zahlen zu unserem Planeten in Shift Happens oder auch der hier schon einmal vorgestellte Vortrag der IBM-Mitarbeiterin Sacha Chua zur Bedeutung von Social Networks. Gelungene Beispiele, was auf Slideshare möglich ist, bietet auch der Überblick über die Gewinner des “World’s Best Presentation Contest 2009“, den Slideshare von August bis September dieses Jahres ausgerichtet hat.
Inzwischen nutzen auch immer mehr Unternehmen Slideshare als Plattform für ihre Firmen-, Produkt- und Schulungspräsentationen. Warum schließlich sollte man all die für die Öffentlichkeit bestimmten PPTs selbst hosten, wenn Slideshare das für einen übernimmt?
Unternehmen können sich somit bei Slideshare nicht nur viele nützliche Anregungen holen, wie ansprechend eine PowerPoint-Präsentation aussehen könnte, wenn man sich über die Bullet Points der Microsoft-Templates hinauswagt; auch als Output-Kanal ist die PPT-Sharing-Site sehr nützlich - vor allem weil ein Posting auf Slideshare die Messlatte für ein PPT höher legt: Die Präsentation ist dann schließlich nicht nur für einen kleinen Kreis bestimmt, sondern für das große weltweite Web-Publikum, und man befindet sich in Konkurrenz zu Präsenationen, bei denen viel Arbeit in Konzept und Design geflossen ist. Wenn das mal nicht motiviert, die eigenen Präsentationen Community-gerechter aufzubereiten…
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27.9.2009 von Wilhelm Greiner.
Pünktlich zum Klimagipfel der Vereinten Nationen von 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen (COP15) will Google seine beliebte Geografie-Software Google Earth um Features zur Visualisierung und Simulation des Klimawandels erweitern. Dies ist zumindest einem Video zur Ankündigung der neuen Funktionen zu entnehmen, für das Google den Ex-US-Vizepräsidenten und renommierten Umweltaktivisten Al Gore gewonnen hat. Das Promo-Video für die Klimawandel-Simulation gibt es hier in einer Zwei- und hier in einer Fünf-Minuten-Fassung.
“In Zusammenarbeit mit der dänischen Regierung und anderen launchen wir eine Reihe von Google-Earth-Layers und -Touren, die es Ihnen ermöglichen, die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Planeten und die Lösungen für den Umgang damit zu erforschen”, heißt es in einem Eintrag auf Googles offiziellem Blog. Das Video “Confronting Climate Change” (Der Umgang mit dem Klimawandel) mit Al Gore sei nur das erste einer Reihe ähnlich gelagerter Filme, die in den nächsten Wochen vorgestellt werden sollen.
Außerdem starte Google zusammen mit der dänischen Regierung den „YouTube COP15 Channel“. Hier könnten Individuen im Rahmen der Initiative „Raise Your Voice“ (Erhebe deine Stimme) ihre Gedanken und Fragen zum Thema beisteuern. Die am besten bewerteten Beiträge sollen am 15. Dezember in einer CNN/YouTube-Debatte weltweit ausgestrahlt werden.
Öko-Agitation für das Web-2.0-Zeitalter - zeitgemäß konzipiert, intelligent und sehr Community-gerecht auf den Weg gebracht. Kudos! Wie man Google kennt (und aus dem Al-Gore-Video erschließen kann) wird die neue Funktionalität den Betrachtern die drohenden Auswirkungen des Klimawandels plastisch vor Augen führen und damit eindringlich auf die Risiken sowie auf die möglichen und tatsächlichen Gegenmaßnahmen aufmerksam machen.
Nicht umsonst rückt das Medium Video insbesondere in Form YouTube-tauglicher Clips auch bei Unternehmen immer stärker in den Vordergrund, und dies für die interne wie auch für die externe Kommunikation. Googles Projekt verbindet dabei die Eindringlichkeit visueller Eindrücke mit der von Google Earth bereits bekannten, spieltriebgerechten Interaktivität - Unternehmen sollten sich diesen Ansatz für die Projekte, deren Vermittlung ihnen wichtig ist, zum Vorbild nehmen.
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11.7.2009 von Wilhelm Greiner.
Die IT-Anbieter gehen immer mehr dazu über, mit Comedy-Videos um Kunden - insbesondere um die US-amerikanische Kundschaft - zu werben. Beispiele dafür sind die auch hier schon vorgestellen, unterhaltsam auf “B-picture” gestylten Superman-Parodien von CA aus der Werbe-Clip-Serie “Adventures in IT” mit “CA Man” und “IT Guy”.
Ein anderes, wenngleich extremes Beispiel für das verstärkte Ringen um die Aufmerksamkeit der Anwender sind die teils betont geschmacklosen Werbe-Videos Microsofts für den Internet Explorer 8. Der Redmonder Konzern hatte mit seiner umstrittenen Marketing-Kampagne für Negativ-Schlagzeilen gesorgt: Eines der Werbevideos, mit dem der Konzern für den so genannten “Private-Browsing”-Modus geworben hatte, musste Microsoft sogar wieder zurückziehen. In dem von der Presse kurz “Puke Ad” genannten Clip musste sich eine Frau heftig und mehrmals übergeben, nachdem sie auf dem Notebook ihres Gatten zufällig offenbar widerwärtige Inhalte entdeckt hatte. Im Zeitalter von Google und YouTube kann sich der Konzern aber sicher sein, dass der so erfolgreich aufsehenerregende Clip weiterhin in Zirkulation bleibt.
Eine Reihe tatsächlich großartiger Video-Clips hat hingegen Iron Mountain, Spezialist für Daten- und Dokumenten-Management, ins Netz gestellt: Der IT-Anbieter hat den Ex-Monty-Python’s-Mann und somit amtlich zertifizierten Kult-Komiker John Cleese engagiert, weltbekannt durch Filme wie … siehe hier. In den Iron-Mountain-Clips [Update: Die Kampagne ist nach zwei Jahren Laufzeit inzwischen leider ausgelaufen - schade.] gibt Cleese in bewährt aufbrausend-herablassender Choleriker-Manier vor, als Wissenschaftler eine “Friendly Advice Machine” (ein Maschine für freundliche Ratschläge) entwickelt zu haben, um häufig gestellte Fragen über Iron Mountain kundengerecht beantworten zu können. Cleeses Monologe sind natürlich alles andere als hilfreich oder auch nur freundlich. So empfiehlt er zum Beispiel als Methode zum Wiederauffinden von Backup-Bändern, mit Dart-Pfeilen nach den vermissten Datenträgern zu werfen - was er auch demonstriert, wobei er den Geräuschen nach aber nur umstehende Personen und Haustiere trifft.

So weit ist dies alles hemmungslose Blödelei, wenngleich auf höchstem Cleese-Niveau. Ein Communitainment-Faktor kommt aber insofern ins Spiel, als manche Aussagen durchaus dazu angetan sind, auf das Angebot von Iron Mountain und die dahinterstehende Technik neugierig zu machen. Rund um die Videos enthält diese Site zahlreiche Links zu Angeboten an den Besucher, sich tatsächlich näher zu informieren.
So gibt es zum Beispiel auch diesen Button für das auf Infoportalen übliche “Dreaded White Paper Offer” (gefürchtete Angebot eines technischen Hintergrundpapiers).
Tipp: sich den Eingangsmonolog anhören, aber dann keinen Video-Clip aus der Liste auswählen - und einfach eine Weile abwarten, was sich tut…
[Update: Bei einem Ausbleiben von Clicks auf Videos meldete sich die Cleese-Figur Dr. Twainwreck im Intro-Frame immer mal wieder mit spöttischen Kommentaren, darunter: “You’re a bit slow, aren’t you?” oder auch: “If this were a game show, you would have lost by now!”]
[Update: Einen Mirror mit den Videos gibt es zum Glück hier.]
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28.6.2009 von Wilhelm Greiner.
Seit einiger Zeit veröffentlicht der IT-Management-Konzern CA (the artist formerly known as Computer Associates) eine Reihe quietschbunt-schriller Videos, mit denen der Software-Anbieter versucht, sein verstaubtes Image aufzupolieren. Die Video-Clips variieren das Superhelden-Action-Film-Thema: “Super-Software-Einspiel-Held” CA Man - die herrlich amateurhaft-billige oder im US-Jargon “Camp-”Version eines Marvel-Comic-Helden - rettet in den Filmchen Otto Normaladministrator (IT Guy) und seine Kolleg(inn)en vor den Gefahren und Missetätern des IT-Alltags.
Die Clips sind ein lustiger Marketing-Gag, in der Machart seeeehr amerikanisch und manchem deutschen IT-Leiter wohl nur unter Gabe von Sedativa zuzumuten - beim US-Publikum kommen sie aber offenbar gut an. Der Informationsgehalt und somit der Communitainment-Faktorl sind eher gering. Aber immerhin traut sich CA hier, einmal neue Wege zu gehen - wenngleich nicht auf ca.com, sondern auf der speziell für diese Video-Clips eingerichteten Site “Adventures in IT” - man hat schließlich einen guten Ruf zu verlieren…
Die Clips sind auch auf YouTube, zum Beispiel hier der “Episode 1″ mit dem Titel “CA Man to the Rescue”:
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26.6.2009 von Wilhelm Greiner.
Ein umfassendes, auf seine Weise einzigartiges IT-Informationsportal mit einer üppigen Dosis trockenen Humors liefert die britisch-amerikanische Site The Register, von den hauseigenen Redakteuren liebevoll “El Reg” genannt. Als Logo hat El Reg einen Geierkopf gewählt, der dazu passende Slogan variiert die bekannte Formulierung “Don’t bite the hands that feeds you” (”Beiße nicht die Hand, die dich füttert” im Sinne von: “Säge nicht den Ast ab, auf dem du sitzt”) und definiert als Aufgabe der Register-Redaktion: “Biting the hand that feeds IT”.
The Register begann in den 1990er-Jahren als E-Mail-Newsletter, 1998 erfolgte dann der Start der Website mit täglicher Berichterstattung. Aus ihrer Londoner Redaktion - “Vulture Central” (”Geierzentrale”) genannt - heraus verfolgen die Journalisten seither den IT-Markt aus der stets leicht amüsierten Geierperspektive. El Reg agierte zunächst ausschließlich aus London heraus, inzwischen haben die Geier längst in San Francisco ein zweites Nest gebaut.
Die Homepage der Geier wirkt in ihrem dreispaltigen, wenig ansprechenden ‘90er-Jahre-Retro-Design auf den ersten Blick recht unbeholfen, dahinter verbirgt sich aber ein umfangreicher Informationspool, der alles von Hardwarekomponenten über Marktgeschehnisse bis hin zu Seltsamem und Albernheiten nicht nur aus der IT-Branche abdeckt.
Der trockene Humor der El-Reg-Redaktion fällt schon beim Lesen der flapsig formulierten Schlagzeilen ins Auge. So titelte The Register zum Beispiel am 23.6.09 nach der Übernahme des Virtualisierungsanbieters Virtual Iron durch den IT-Giganten Oracle und dessen Ankündigung, das VI-Produkt nicht fortzuführen: “Oracle plucks meat from Virtual Iron carcass - Mmm, tastes good to us” (”Oracle zupft Fleisch von Virtual-Iron-Kadaver - mmm, schmeckt uns gut”). Was auf solche satirischen Überschriften folgt, ist dann in der Regel kompetenter, kritischer IT-Journalismus, auch dieser meist gespickt mit angenehm sarkastischen Seitenhieben.
Ein schöner Running-Gag auf El Reg ist es, dass auf der Site jede Meldung mit einem eingekreisten “R” endet - denn was einmal auf The Register gepostet wurde, ist schließlich “Registered”. ![]()
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